Viele Namen hat das Bundesliga-Duell zwischen dem VfB Friedrichshafen und den WWK Volleys Herrsching bereits getragen. "Bodensee gegen Ammersee" zum Beispiel, oder - lange Zeit von den Bayern kultiviert - das Aufeinandertreffen "Arm gegen Reich". Nun kommt eine weitere Erzählung hinzu. Wenn beide Teams am Samstag (10. Januar, 20 Uhr - live bei Dyn und kostenlos bei Dyn Sport Mix) aufeinandertreffen, begegnen sich zwei Mannschaften, die ihre Fans unter der Woche im Europapokal an die Nervenlimits geführt haben.
Das Hinrundenspiel entschied Friedrichshafen mit 3:0 für sich (Foto: Alexander Hoth)
Während beide Clubs unter der Woche in internationalen Wettbewerben gefordert waren, hätten die Voraussetzungen vor dem Ligaspiel kaum unterschiedlicher sein können. Der VfB Friedrichshafen haderte gegen Sofia, verlor die Partie mit 1:3 und zog dank des deutlichen Hinspielsieges erst im Golden Set ins Viertelfinale des CEV Volleyball Cups ein. Herrsching war im Challenge Cup im Dezember gegen Big Bank Tartu zunächst chancenlos, drehte nun jedoch mit einem starken 3:0 im Rückspiel auf - und schied dennoch im Entscheidungssatz aus. Für VfB-Cheftrainer Adam Swaczyna ist dies eine Randnotiz. Bedeutung misst er ihr aber nicht sonderlich viel bei. "Mit den Europapokalspielen hat das Ligaspiel wenig zu tun. Da können ein oder zwei Punkte den Unterschied machen, deshalb hake ich das gedanklich schnell ab", sagt e. "Zudem steckt in solchen Entscheidungsspielen extrem viel Emotion. Am Samstag müssen wir ruhig bleiben und uns komplett auf die Bundesliga konzentrieren."
Parallelen zeigen sich dagegen in der Verletzungssituation. Swaczyna war zuletzt gezwungen, viele Aufstellungen auszuprobieren - nicht nur, weil Außenangreifer Tim Peter länger ausfällt, sondern auch, weil weitere Spieler angeschlagen waren oder krankheitsbedingt fehlten. Sein Gegenüber Bob Ranner kennt das Problem: Mehrfach musste er Spieler aus der zweiten Mannschaft nachnominieren - teilweise Akteure, die ihre Profokarriere eigentlich bereits beendet hatten. Swaczyna nimmt es pragmatisch: "Natürlich ist das so. Aber wir kennen viele seiner Spieler aus der Vorsaison. Und wir haben schon im Ligacup und in der Hinrunde gegen Herrsching gespielt. Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor - vor allem auf das, was wir beeinflussen können. Egal wer bei Herrsching aufläuft, wir müssen unser Level halten. Das ist entscheidend."
Auch die Tabelle lässt nicht auf den ersten Blick erwarten, was am Samstag folgen könnte. Friedrichshafen rangiert als Fünfter mit Kontakt zur Spitzengruppe, während Herrsching als Achter zum Rückrundenstart um den letzten Playoffplatz kämpft. Und obwohl der VfB das Hinspiel souverän mit 3:0 gewann, warnt der Cheftrainer vor falscher Sicherheit. Das Weiterkommen im Europapokal und der Einzug ins Pokalfinale dürften, so Swaczyna, "nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die noch lernt." Für das Gastspiel im Münchener BMW Park formuliert er klare Erwartungen: "Ich wünsche mir, dass wir von Beginn an voll fokussiert sind und beim Aufschlag etwas mehr Druck erzeugen. Was mir extrem gefällt, ist unser Kampfgeist. Wir spielen alle drei Tage, es ist nicht leicht, immer 100 Prozent Leistung zu bringen. Aber wir werden das auch in Herrsching wieder versuchen."


