Die Beachvolleyball-Weltmeisterschaft 2025 in Adelaide war mehr als nur ein weiteres großes Turnier. Historische Premieren, überraschende Titelgewinne und emotionale Geschichten prägten die Tage am australischen Strand. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen wurde Beachvolleyball auf höchstem Niveau geboten - getragen von einer mitreißenden Atmosphäre und vielen Momenten, die im Gedächtnis bleiben werden.
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Lettlands goldene Sensation bei den Frauen
Vor dem Turnier schien alles auf ein bekanntes Duell hinauszulaufen. USA gegen Brasilien. Viele brandneue Online Buchmacher sahen Thamela Coradello/Victoria Lopes sowie Kristen Nuss/Taryn Brasher als klare Favoritinnen. Beide Teams spielten sich tief ins Turnier, bestätigten ihre Klasse - doch der letzte Schritt Richtung Titel blieb ihnen verwehrt.
Stattdessen schrieb Lettland Geschichte. Tina Graudi?a und Anastasija Samoilova kämpften sich im Finale gegen Nuss/Brasher nach Satzrückstand zurück und gewannen mit 2:1. Es war der erste abgegebene Satz des gesamten Turniers - und zugleich der Wendepunkt. Der erste WM-Titel für Lettland überhaupt, bei Männern wie Frauen. Nach zwei EM-Titeln und Jahren konstanter Entwicklung krönten sich Graudi?a/Samoilova erstmals zu Weltmeisterinnen. Völlig überraschend - und doch absolut verdient.
Schwedische Krönung im Männerfinale
David Åhman und Jonatan Hellvig haben es geschafft. Die Olympiasieger von Paris 2024 sind nun auch Weltmeister. In einem rein schwedischen Finale setzten sie sich souverän mit 2:0 gegen Jacob Hölting Nilsson und Elmer Andersson durch. Zwei Jahre nach WM-Silber folgte nun Gold - und damit der nächste große Meilenstein in einer ohnehin außergewöhnlichen Karriere. Das Finale war weniger dramatisch, dafür umso reifer gespielt. Åhman/Hellvig kontrollierten das Spiel, blieben in den entscheidenden Phasen stabil und ließen keinen Zweifel an ihrer Favoritenrolle aufkommen.
Mit 23 und 24 Jahren sind sie die jüngsten Weltmeister aller Zeiten. Umso bemerkenswerter, da Åhman vor dem Turnier noch mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert", erklärte er später. Hellvig betonte die besondere Bedeutung des Endspiels: Zwei schwedische Teams im Finale seien ein starkes Signal. Schweden ist endgültig an der Weltspitze angekommen.
Deutschland stark - aber ohne Medaille
Mit klaren Ambitionen reiste die deutsche Delegation nach Adelaide. Eine Medaille wäre großartig, Top acht ein starkes Ergebnis - so die Vorgabe des DVV. Lange Zeit sah es danach aus, als könnte noch mehr gehen. Fünf von sieben deutschen Teams erreichten das Achtelfinale. Besonders bei den Frauen endete die Reise dort jedoch abrupt. Alle drei Duos schieden in dieser Phase aus.
Bei den Männern lief es deutlich besser. Pfretzschner/Winter sowie Ehlers/Wickler zogen weiter. Erstere unterlagen knapp den Franzosen Rotar/Gauthier-Rat. Ehlers/Wickler hingegen sorgten für Furore: Achtelfinalsieg gegen Mol/Sørum, Viertelfinalsieg gegen die Titelverteidiger Peru?i?/Schweiner. Im Halbfinale war gegen Åhman/Hellvig Schluss. Das Spiel um Bronze ging verloren. Platz vier. Starkes Turnier, aber erneut kein Edelmetall. Seit 2019 wartet der DVV auf eine WM-Medaille.
Individuelle Glanzlichter und ein optimistischer Ausblick
Olivia MacDonald aus Neuseeland war eine der auffälligsten Spielerinnen des Turniers. Top-Blockerin, starke Aufschlägerin, konstant im Angriff - und eine der besten Punktesammlerinnen der gesamten WM. Ihre Präsenz am Netz prägte viele Spiele und machte sie zu einer echten Führungsspielerin.
Ebenso beeindruckend präsentierten sich Hölting Nilsson und Andersson. Das junge schwedische Duo erreichte als jüngstes Team überhaupt ein WM-Finale. Mutig, taktisch reif und ohne Angst vor großen Namen spielten sie sich ins Rampenlicht der Weltbühne.
Diese WM zeigte eindrucksvoll, wie breit die Spitze im Beachvolleyball mittlerweile geworden ist. Neue Nationen mischten ganz vorne mit, junge Gesichter übernahmen Verantwortung, etablierte Teams wurden gefordert. Große Geschichten entstanden dort, wo man sie nicht zwingend erwartet hatte. Adelaide war ein Turnier, das Mut macht. Für Spieler, die an ihre Chance glauben. Für Fans, die Überraschungen lieben. Und für die Zukunft dieses Sports, der dynamischer, internationaler und spannender wirkt als je zuvor.
