Was für ein Abend in der Sporthalle West, was für ein bitteres Ende für TuB Bocholt: In einem nervenaufreibenden Volleyball-Krimi unterlagen die Bocholter in der Zweiten Bundesliga dem PSV Neustrelitz nach fast zwei Stunden mit 2:3 (25:20, 20:25, 20:25, 25:16, 12:15) Sätzen - ein Match, das an Spannung kaum zu überbieten war.
Dabei begann alles nach Maß für die Gastgeber. Getragen von 254 Zuschauern, setzten die Schützlinge von Trainer Max Lübbert im ersten Satz früh Akzente, spielten mutig, druckvoll und entschlossen. Jeder Punkt wurde gefeiert, viele Ballwechsel waren hart umkämpft. Die Hausherren glänzten im Angriff und mit gutem Blockspiel. Zuspieler Lukas Salimi setzte seine Angreifer immer wieder hervorragend ein. Mit 25:20 Punkten sicherten sich die Hausherren verdient den Auftaktsatz und schienen bereit, den Schwung der letzten beiden Siege mitzunehmen.
Doch Neustrelitz zeigte, warum die Mannschaft aktuell zu den formstärksten Teams der Liga zählt. Im zweiten Satz erhöhte der PSV spürbar den Druck, agierte stabiler in der Annahme und konsequenter im Angriff. Vor allem ihren Diagonalangreifer Stephanos Haridimou bekamen die TuB-Schrauber nie richtig in den Griff. "Er war unangenehm für uns. Das war aber unser Fehler, weil wir ihn nicht diszipliniert genug geblockt haben. Gegen uns darf er normalerweise nicht so durchkommen", so Lübbert. Bocholt war diesmal chancenlos, lag permanent weit zurück und musste den Satz mit 20:25 abgeben. Spätestens jetzt war klar: Dieses Spiel würde kein leichtes werden.
Der dritte Durchgang verlief ähnlich, die Gäste zeigten sich konsequenter und emotionaler. Wieder hatte Neustrelitz das bessere Ende für sich und ging mit einem weiteren 25:20 erstmals in Führung.
Doch TuB Bocholt gab sich nicht geschlagen. Im vierten Satz zeigten die Gastgeber noch einmal ihre ganze Klasse. Mit Energie, Kampfgeist und unbedingtem Siegeswillen dominierten sie das Geschehen, ließen dem PSV kaum Luft zum Atmen und zwangen das Spiel mit einem klaren 25:16 in den entscheidenden Tie-Break.
Dieser fünfte Satz hatte alles, was ein echter Krimi braucht. Jeder Punkt fühlte sich wie eine kleine Entscheidung an, die Spannung war förmlich greifbar. Lange Ballwechsel, spektakuläre Rettungsaktionen und ein ständiges Hin und Her hielten die Zuschauer in Atem. In dieser Phase sorgte Diagonalangreifer Rudy Schneider immer wieder für wichtige Punkte für TuB. Beide Teams schenkten sich nichts. Beim Seitenwechsel beim Stand von 7:8 war alles offen, das Publikum hielt den Atem an. Doch in den entscheidenden Momenten behielt Neustrelitz die Nerven, während die Bocholter vor allem im Aufschlagspiel zu vorsichtig agierten und zudem leichte Fehler machten. Mit 15:12 sicherten sich die Gäste den Satz - und damit den Sieg.
Für TuB Bocholt bedeutete die Niederlage einen kleinen Dämpfer nach zuletzt zwei Erfolgen in Serie. Der PSV Neustrelitz hingegen setzte seinen beeindruckenden Lauf fort und feierte bereits den fünften Sieg in Folge. "Das war ein knappes Spiel, aber der Sieg war verdient. Wir hatten mehr Konstanz, waren emotionaler, haben weniger Fehler gemacht", sagte PSV-Coach Ercole Bartolone.
"Einen Punkt konnten wir nach einem 1:2-Satzrückstand holen. Nach dem 1:1-Satzausgleich war es schwierig, wieder mit Selbstbewusstsein in der Annahme zu spielen. Die Annahmequaltität beim Gegner war beeindruckend gut. Das hat uns leider viel Qualität im Kopf gekostet. Beim fünften Satz waren einige schwierige Bälle dabei, die gegen uns fallen und schon ist dieser kurze Satz vorbei", meinte Lübbert. Als bester Bocholter Spieler wurde Libero Tom-Luca Schluse ausgezeichnet.


