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Der ASV pulsiert: Dachau will in der Bundesliga eine neue Geschichte schreiben

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2. Bundesligen: Der ASV pulsiert: Dachau will in der Bundesliga eine neue Geschichte schreiben

17.04.2023 • 2. Bundesligen Autor: Dörfler, Josephine 662 Ansichten

Es grünt so grün im Frühling auf dem weitläufigen Gelände des ASV Dachau.

Wenn der zugezogene Patrick Steuerwald , 125-maliger deutscher Nationalspieler und seit einem Jahr Trainer des hiesigen Zweitligisten, seinen Fuß auf das Vereinsgelände setzt, fühlt er sich zu Hause. "Dachau pulsiert an diesem Ort. Hier ist immer etwas los", sagt der 37-Jährige. Und schon bald soll hier noch viel mehr los sein. Genau 50 Jahre nach Gründung der Volleyball-Abteilung will der Verein zurück in die 1. Bundesliga, das Jubiläum mit der Rückkehr begehen. Doch es soll keine Fortsetzung der ehemals so erfolgreichen Geschichte sein. Es ist ein Neubeginn, der vor allem eines sein soll - dauerhaft und nachhaltig.

Nach zwei Deutschen Meistertiteln, einem Pokalsieg und dem Einzug ins Champions-League-Finale Mitte der 90er geriet der ASV Dachau in finanzielle Schwierigkeiten, 2002 folgte der Zwangsabstieg in die Regionalliga. Nach den großen Volleyball-Zeiten kamen schwierige Jahre mit Höhen und Tiefen. Jetzt kommt der ASV Dachau zurück - mit einem neuen Gefühl, neuen Gesichtern und einer Idee für eine erfolgreiche Zukunft. Die Vorbereitungen auf diesen Schritt haben schon vor Jahren begonnen.

"Der letzte Abstieg aus der 2. Liga hat uns zu der Entscheidung gebracht, unsere damalige U18 zur 1. Herren-Mannschaft umzumodeln und diese aufzubauen", erklärt Volleyball-Abteilungsleiter Denis Werner. "Das war damals keine einfache Entscheidung. Ich bin froh, dass wir jetzt die Früchte ernten können, dass die Jungs jetzt mit den Fähigkeiten und der Perspektive ausgerüstet sind." Die Lernkurve des Teams in dieser Saison ist steil. Während der Aufsteiger zu Saisonbeginn im Mittelfeld agierte, gelang im Laufe der Rückrunde sogar zwischenzeitlich der Sprung auf Rang zwei.

Dass der Durchmarsch in die oberste Liga nun so schnell erfolgt, war zunächst zwar nicht geplant, fühlt sich in Dachau aber richtig an. "Die Erleichterungen seitens der VBL sind natürlich Grundvoraussetzung. Man ist auf uns zugekommen und hat uns ein Angebot gemacht. Wir haben uns das angeschaut und ergreifen die Chance", sagt Teammanager Raiko Worf. Vereinfachte Bedingungen hinsichtlich Hallensituation und Budget sowie die zweijährige Nichtabstiegsgarantie geben die nötige Sicherheit.


Die Mannschaft und das Team ums Team wollen eine neue Geschichte in der 1. Bundesliga schreiben. (v.l.n.r. Teammanager Raiko Worf, Trainer Patrick Steuerwald , Moritz Teichmann; Foto: Jens Feistel)

Auch wenn der Aufstieg für Mannschaftskapitän Samuel Sadorf überraschend kam, steht er mit seinem Team voll dahinter: "Wir kommen gut voran in der 2. Liga und stehen gut da. Es gibt genug Gründe, den nächsten Aufstieg zu wagen. Es gibt hier keinen, der sich nicht darauf freut." Druck aufgrund der erfolgreichen Geschichte des Vereins verspürt das Eigengewächs nicht. "Klar wissen wir, was damals war. Wir sehen es als Vorbild und das macht Bock auf mehr. Wir wollen das haben, was damals gewesen ist, aber wir wollen eine eigene Geschichte schreiben."

Ähnlich sieht das auch Trainer Steuerwald, der selbst mit einer äußerst erfolgreichen Sportlervergangenheit behaftet nach Dachau kam. "Es ist natürlich so, dass man die Vergangenheit nach außen tragen kann, aber wir wollen die Zukunft aufblühen lassen", erzählt Steuerwald, der sich weder als Vorbild noch als Aushängeschild sehen will. "Ich bin nicht der, der im Fokus stehen möchte. Es soll um die Leute gehen, die aktiv spielen, weil wir mit ihnen auch die Jugend hier abholen. Sie investieren so viel in den Sport, quasi als Otto-Normalbürger mit Job oder Studium."

Andreas Wilhelm, 1. Vorstand des ASV Dachau, legt Wert darauf, den eigenen Nachwuchs im Verein zu entwickeln: "Ich bin mit 17 nach Dachau gekommen. Viele, die damals mit dabei waren, haben jetzt ihre Kinder im Verein. Der Grundsockel ist groß und mächtig." Dies zahlt auch in das Nachhaltigkeitskonzept des angehenden Erstligisten ein. "Wir haben im Jugendbereich einen absoluten Leistungsgedanken. Es ist förderlich, wenn man Perspektive nach oben bieten kann", so Abteilungsleiter Werner. "Das ist unser Weg. Ich hoffe, dass wir immer wieder Jugendspieler haben, die wir mit hochziehen können. Wir wollen Vorbilder aufbauen", ergänzt Steuerwald.

Umso stolzer ist man auf den Aufstieg der 2. Mannschaft in die Dritte Liga. "Wir haben jetzt schon ein paar Spieler, die wir im Training mitnehmen. Sie können zwar noch nicht bei uns mitspielen, aber sie lernen viel und können das bei sich anwenden", so Steuerwald weiter. Der Abstand zwischen dritter Liga und Bundesliga sei dann zumindest nicht mehr so groß, wie zur Regionalliga. "In zwei Jahren ist es dann so, dass die Jungen von den Alten lernen können. Das ist nachhaltig und das ist unser Konzept, bevor man jedes Mal sechs neue Spieler kaufen muss."


Die Lernkurve der Mannschaft in der aktuellen Zweiligasaison ist steil, den dritten Platz hat man bereits sicher. 
(Foto: Jens Feistel)

Generell ist Nachhaltigkeit die übergeordnete Klammer, die über dem Denken des ASV Dachau steht. Das betrifft nicht nur die finanzielle Entwicklung und die konsequente Nachwuchsarbeit, die unter anderem auch durch Arbeitsgemeinschaften mit den ortsansässigen Schulen vorangebracht wird. "Wir wollen das nicht rückwärts betrachtet sehen, sondern vor allem nach vorne", erklärt Denis Werner, der den Verein in der aktuellen Situation als eine Art Start-Up-Unternehmen versteht. Dieses müsse nicht nur finanzielle Strukturen schaffen und in den sportlichen Bereich investieren "Wir wollen soziale Verantwortung im Jugendbereich und im Umweltschutz übernehmen, Vorreiter sein. Da wird mit unseren Sponsoren noch einiges passieren."


In der kommenden Saison 2023/24 will der ASV Dachau in der 1. Bundesliga jubeln.
(Foto: Jens Feistel)

Andreas Wilhelm, der Dachau als "sympathische Kleinstadt am Rande Münchens, gemütlich, aber mit einem guten Zusammenhalt und einem breiten Netzwerk und starker Industrie" beschreibt, erhält von allen Seiten positives Feedback für den Plan. Seine Mitstreiter:innen und er sind mit dem Ort, den Menschen dort und dem Volleyballsport eng verwoben, wollen all dies zusammenführen und zusammenhalten. Noch hüllt man sich in Schweigen, verspricht aber bald weitere Neuigkeiten. Raiko Worf hat schon jetzt ein klares Ziel: "Wir werden nicht auferstehen aus der erfolgreichen Vergangenheit. Wir werden ein starker ASV Dachau der Zukunft sein."

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