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Bundesligen: Fünf-Satz-Krimi ohne Happy-End

05.05.2022 • Bundesligen Autor: Robert Raff, MTV Stuttgart 1843 e.V. 233 Ansichten

Erstmals seit zwei Jahren wieder eine ausverkaufte Halle, ein Publikum, welches Gänsehaut verursachte. Dazu das Spiel zur absoluten Prime-Time am Mittwochabend. Eigentlich hätte man sich den Abend gar nicht schöner malen können.

Fünf-Satz-Krimi ohne Happy-End - Foto:  Bildermacher-Sport Jens Körner

Enttäuschung bei Tore Aleksandersen über die gezeigte Leistung? (Foto: Bildermacher-Sport Jens Körner)

Und doch gab es am Ende wieder lange Gesichter. Frust und Enttäuschung bestimmten nach der Partie das Bild im Rund der Halle. Wieder war Allianz MTV Stuttgart mit der Ambition in das Spiel gegangen, erstmalig die Führung in der Finalserie zu übernehmen. Und wieder scheiterte "Stuttgarts schönster Sport". An stabilen Potsdamerinnen und vor allem an sich selbst. Gerade der erste Satz erinnerte viel zu sehr an das verkorkste Auftaktmatch, als man sang- und klanglos mit 0:3 unterlag. Leichte Fehler, kein Aufschlagdruck und selbst hatte man die kurzen Services der Gäste nicht auf dem Zettel. Und auch der fünfte Satz ließ die Anhänger in der Halle dann doch ratlos zurück.

Dabei war Stuttgart, welches in der Starting-Six ohne Änderungen antrat, sogar gut in die Partie gestartet. Erst blockte Eline Timmerman gegen Laura Emonts, dann schickte Krystal Rivers den SCP direkt in die Auszeit. Doch Sicherheit gab das dem Team von Tore Aleksandersen nicht. Einige Fehler später stand es gar 3:4. In der Folge entwickelte sich ein enger erster Satz. Bis sich wieder die oben genannten Fehler aus Spiel Eins einschlichen. Potsdam zog auf 12:19 davon, schlussendlich besiegelte ein Fehler von Maria Segura das 15:25 und den 0:1-Satzrückstand.

Doch die 2251 Zuschauer in der ausverkauften SCHARRena sahen nun eine andere Stuttgarter Mannschaft. Beim 6:3 durch Simone Lee nahm Gäste-Trainer Hernandez die Auszeit, die Halle war voll da. Und auch Allianz MTV war fokussiert, wollte unbedingt eine Reaktion auf den ersten Satz zeigen. Und das gelang auch recht eindrucksvoll. Mira Todorova stopfte die zu lange Annahme Potsdams ins gegnerische Feld zurück, dann blockte die Bulgarin im Anschluss zum 10:4. Weil auch die Kolleginnen weiter kräftig punkteten und sich bei den bis dato so stabilen Gästen Fehler einschlichen, zog der Hauptrundensieger davon. Beim 20:11 waren es neun Punkte Vorsprung, am Ende sicherte der Block Eline Timmermans den schnellen 1:1-Ausgleich.

So stark die Reaktion im zweiten Durchgang war, so schwankend war die Leistung von den Stuttgarter Mädels im dritten Abschnitt. Bis zum 14:13 durch Juliet Lohuis lag man kontinuierlich vorne - nur um dann unverständlicherweise wieder einzubrechen. Vier Punkte in Folge machte der Gast, es stand 16:20. Und Potsdam spielte das recht souverän herunter. Zwar kam Allianz MTV nochmal auf zwei Punkte heran, doch eine Netzberührung von Simone Lee machte den erneuten Rückstand perfekt.

In Satz Vier standen die Gastgeberinnen unter Zugzwang. Und sie lieferten. Lange Ballwechsel bestimmten die Partie und immer öfter gingen diese auch nach Stuttgart. So brachte Simone Lee (22 Punkte) den Ball zum 2:2 per Tip im Feld unter, dann schickte Krystal Rivers den SCP in die Auszeit. Kontinuierlich konnte Allianz MTV den Vorsprung halten, bis Ilka Van de Vyver die Halle förmlich explodieren ließ. Das Ass der Belgierin zum 11:7 bedeutete den ersten Vier-Punkte-Vorsprung. Bis zum 18:15 (Maria Segura mit Einer-Block gegen Cekulaev) hielt die komfortable Führung, dann häuften sich die Annahmefehler. Ganz schnell war Potsdam wieder in Schlagdistanz. In dieser Phase war Krystal Rivers (am Ende silberne MVP) der Anker des Aleksandersen-Teams. Das 20:17 der US-Amerikanerin nach langem Ballwechsel war eminent wichtig, auch ihr 23:22 brachte die Halle zum Kochen. Schlussendlich sicherte Juliet Lohuis den Tie-Break.

Doch anstatt die Euphorie und das Momentum mit in ebenjenen fünften Satz zu nehmen, versagten die Nerven bei den Akteurinnen in Blau komplett. Über den Verlauf des entscheidenden Durchgangs legt man lieber den Mantel des Schweigens, erwähnt sei nur, dass der Tie-Break am Ende mit 15:9 an den Gast ging. Und, dass immerhin ganz zum Schluss die Moral stimmte. Gerade die eingewechselte Hester Jasper setzte noch ein paar Lichtpunkte. Doch ein Zwischenstand von 3:12 ist trotz allem indiskutabel.

Es wird ein ganz schweres Stück Arbeit, die Partie vom Mittwoch schnell aus den Köpfen zu bekommen. Denn schon am Donnerstagmorgen macht sich der Allianz MTV-Tross auf den Weg nach Potsdam, um die Serie ein letztes Mal nach Stuttgart zu holen. Ein Sieg in Mecklenburg-Vorpommern ist Pflicht, um den Traum vom zweiten Meistertitel am Leben zu erhalten. Allerdings muss die Mannschaft von Tore Aleksandersen schnellstens den Schalter umlegen und zur Form des ersten Auswärtsspiels finden. Dann kann der Kraftakt noch gelingen. Denn die Favoritenrolle liegt nun beim SC Potsdam. Und auch der damit verbundene Druck. Nach den gezeigten Leistungen lässt sich nichtmehr verleugnen, dass in Potsdam viel Potenzial auf die Meisterschaft ruht. Die Mannschaft um Stuttgart-MVP Laura Emonts spielt ihr Spiel so stabil herunter, wenn sie einmal im Flow ist, dann wird es für jeden Gegner schwer. In der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt fiel nicht einmal das Fehlen der etatmäßigen Libera Aleksandra Jegdic ins Gewicht. Stattdessen stand die Annahme stabil und der Angriff um die starken Valeria Papa und Annett Nemeth punktete nach Belieben. Potsdam hat im Hinblick auf das anstehende Spiel Vier am Freitag um 20:10 (wieder live auf Sport1) in der MBS-Arena alle Trümpfe in der Hand. Und Allianz MTV Stuttgart steht vor einer unfassbar schwierigen Aufgabe. Allerdings - zu Ende ist die Serie erst, wenn die Schale übergeben ist.

 

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