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"Weiße Weste" ade - doch die Welt geht nicht unter

2. Bundesligen: "Weiße Weste" ade - doch die Welt geht nicht unter

19.03.2017 • 2. Bundesligen • Autor: Rolf Müller 175 Ansichten

Eltmann. Als die Oshino-Volleys im Heimspiel gegen Rüsselsheim im Vorjahr den ersten Satz in eigener Halle abgeben mussten, sprach man von einem Hauch von Katastrophe im Eschenbacher Hangar. Nun am letzten Heimspieltag blieb man von der Katastrophe dann doch nicht verschont.

"Weiße Weste" ade - doch die Welt geht nicht unter  - Foto: Frank Heumann

Angriffsaktion Karlitzek und Angriff Kellermann (Foto: Frank Heumann)

Dass es ausgerechnet gegen Hammelburg geschah, entbehrt nicht einer gewissen Logik, waren es doch die Hammelburger, die in der Vorsaison, am 4. Oktober 2015 den Eltmännern die erste Saisonniederlage bescherten.

Vor dem Spiel lief schon ein Psychokrieg ab, als Hammelburg in seiner Vorschau auf das jetzige Match konstatierte, man könne nur mit einem Rumpfkader anreisen, und Tado Karlovic hätte große Problemen , überhaupt ein spielfähiges Team zusammen zu bekommen.

Und ausgerechnet der, der in der Vorwoche von den Hamelburgern selbst als unpässlich geoutet wurde, Youngster Lorenz Karlitzek , wurde am Samstagabend von den 300 mitgereisten Hammelburger Fans frenetisch als MVP gefeiert.
Dazu noch ein Zitat aus der DJK-Vorschau: "Jammern und Tiefstapeln stand noch nie auf der Hammelburger Taktiktafel....", die Medienabteilung von Trainer Karlovic hat mittlerweile das hohe Nieveau der Tiefstapler aus Fellbach erreicht, was kürzlich auch schmerzhaft den Mainzern von Aline Reinhardt vor Augen geführt wurde.

Doch nun zum Derby-Match selbst, denn dies begann gleich mit einem Top-Ballwechsel und dem Auftaktpunkt für Eltmann durch Hansi Nürnberger, der der prägende Oshino-Akteur im 1. Satz war. Nach dem 10:7 durch einen Kellermann-Aufsteiger, gab der Finne Vuorinen (Nr. 4) mit einem Kunstlupfer zum 10:8 erstmals Zeugnis seiner Gefährlichkeit.

Doch Eltmann zog bis auf 21:12 davon, bevor Karlitzek mit einem Ass den 13. Hammelburger Punkt markierte, und wenig später beim 21:15 die Antenne Verbündeter der Gäste war. Doch es brannte nichts mehr an, Nürnberger machte das 23:16, und Kellermann band mit dem 25:18 den Sack zu.

Im zweiten Spielabschnitt wiederum gleich am Anfang eindrucksvolle Ballwechsel, besonders Damjanovic (Nr. 5) sprühte vor Aggressivität, und Hammelburg war nach einem Lupfer von Karlitzek bis auf 4:10 davongezogen. Aber die Eltmanner kamen bis zur zweiten technischen Auszeit wieder auf 13:16 heran. Ein Top-Ballwechsel, bisweilen glaubte man , nicht Hammelburg, sondern der Tabellenvize Schwaig wäre der Gegner, so hochklassig war das Match zeitweilig, gelang Johnny Engel nach einem beeindruckendem Ballwechsel der 18:18-Ausgleichspunkt. Und Kellermann schaffte es sogar, per Aufsteiger die 20:19-Führung zu erobern.

Doch ein nachfolgendes Ass der Hammelburger, sowohl Bendikowski, Karlitzek und auch Damjanovic zeigten erstligareife Top-Aufschläge. Aber auch die Oshinos waren nicht ohne Asse im Ärmel, eindrucksvoll das 22:22 durch Engel. Dann nochmals der Ausgleich, doch Bendikowski machte seinem Ruf als Raketenwerfer mit einem erneuten Ass zum 23:25 wieder alle Ehre und brachte die Oshinos damit unter Zugzwang.
Im dritten Satz ging für die Eltmanner so alles schief, was möglich war. Man sah sich plötzlich mit 2:8 im Rückstand. Hammelburg zog wie schon in Satz Nr. 2 auf 5:11 davon, und als es 12:20 stand, ging der letzte Rest von Selbstbewußtsein der Eltmanner den Bach runter. Auch ein Ass von Engel und ein Aufsteiger von Kellermann änderten nichts daran, dass die Fast-Nachbarn aus Hammelburg mit 17:25 den zweiten Satzgewinn einfuhren.
Im vierten Spielabschnitt schienen sich die Richter & Co.
gefangen zu haben, denn nach Punkten durch Peta, Novak und Richter führte man 12:8. Doch vor allem dank Bendikowski war Hammelburg mit dem 15:15 wieder dran. Das Spiel pendelte hin und her, Milan Maric brachte dann Welter für Engel, doch es blieb knapp. Als Richter dann das 23:21 erschmetterte, und Welter für das 24:21 verantwortlich zeichnete, war der Tie Break nur noch einen Punkt entfernt. Doch dieser gelang erstaunlicherweise nicht.
Hammelburgs Nr. 8, Friedrich Fell, hatte dann seine Serie und Hammelburg machte fünf Punkte in Folge. Auch diejenigen, die nach Spielende kritisch bemerkten, der Trainer hätte früher wechseln sollen, hatten keine Erklärung dafür, warum die Spieler auf dem Feld so etwas zugelassen hatten. Die Antwort darauf muss nun die Mannschaft selbst geben. Maric konnte dieses "Schwarze Loch im Universum" nicht mehr beeinflussen. Peta, der auch nicht seinen großen Tag hatte wie in den Spielen vorher, gelang nochmals das 25:25 . Und dann war es doch der Bendikowski-Komplex der Eltmanner, der das Match kippen ließ. Der Hammelburger Kapitän, der schon den 2. Satz entschieden hatte, veredelte letztlich auch den Matchball im 4. Satz zum 25:27, und die mitgereisten Hammelburger Fans feierten frenetisch ihre Helden, die absolut nicht an die angekündigte "Rumpftruppe" erinnerten.

Rolf Werner, Vorstand und Manager bei den Oshino-Volleys stellte sich, sicherlich innerlich mit großen Emotionen, die man ihm doch nicht ansah, allein der ganzen Halle. Er gratulierte dem Gegner, war zur MVP-Ehrung präsent und zeichnete verdienstvolle Fans aus. Milan Maric, der Trainer, musste erstmals selbst getröstet werden, der Red Baron-Fanclub, die Lucky Angels und viele Eltmanner Fans waren mehrheitlich den Spielern ein Trost. Angesichts des verrückten Verlaufes dieses Derbys mit vielen Top-Spielszenen und einem ständigen Rasierklingenritt hielten sie sich mit Vorwürfen gegenüber der Mannschaft zurück. Mit Routinier Chris Novak wurde ein stets auf Sicherheit bedachter Akteur zum wertvollsten Spieler der Oshinos gekürt, keiner der hart schlagenden Angreifer. Doch diese sind nun in Freiburg und in Delitzsch voll gefordert.

Die Eltmann-Fans erwarten in den drei ausstehenden Auswärtsspielen ein echtes Aufbäumen der Mannschaft. Denn schon eine Niederlage und ein weiterer Tie Break könnten die Meisterschaft doch noch in Frage stellen. Die Schwaiger stehen bereit, jeden weiteren Ausrutscher noch zu ihrem Vorteil zu nutzen und für alle in der Mannschaft sollte nun klar gelten: "Auf geht's Eltmann!"

Sollte die innere Einkehr bei den Spielern, die zum Ende einer sehr harten Saison auch schon stark belastet, eventuell auch spielmüde sind, doch fruchten, sollte sich der Verein auch noch etwas einfallen lassen, um im Hangar vielleicht im Mai noch ein Highlight zum Saisonabschluss für die Fans zu organisieren.

 

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