Anselm Reim feiert
Debüt gegen Frankreich
Der neue Bundestrainer Massimo Botti setzte bei seiner Premiere zunächst weitgehend auf eine Starting Six etablierter Spieler, an der Spitze Zuspieler Jan Zimmermann in seinem 200. und Mittelblocker Tobias Krick in seinem 150. Länderspiel. Neben ihm Florian Krage-Brewitz und dazu auf Außen Moritz Reichert und Tobias Brand sowie Filip John im Diagonalangriff. Im Spielverlauf wurden die Debütanten Anselm Rein und Louis Kunstmann eingewechselt, der Neu-Lüneburger Rein in allen vier Sätzen als Aufschlag-Joker. Libero spielte wie schon den ganzen letzten Sommer Leonard Graven – der erst 22-Jährige hat mittlerweile auch schon 56 Einsätze vorzuweisen.
Diese Formation, in der ja noch feste Größen wie Georg Grozer, Anton Brehme oder Johannes Tille fehlten, überraschte angenehm. Zimmermann verteilte die Bälle präzise und variabel, die Angreifer kamen so durchweg auf gute Quoten. Im Eingangssatz war besonders Reichert mit sieben von am Ende 17 Punkten als Topscorer präsent. Annahme und Abwehr standen mit ihm, Brand und Graven. Reichert wurde denn auch verdient MVP. Zweitbester Scorer war John (14), der immer wieder auch clevere Lösungen fand.
Bei den Franzosen lief einiges noch nicht rund. Eine Reihe der Goldmedaillen-Gewinner von 2024 hat sich für diesen Sommer eine Auszeit genommen, von den Superstars war nur der Diagonale Stephen Boyer dabei, der auch Topscorer war (18 Punkte, 70% Effektivität). Der deutsche Ex-Bundestrainer Andrea Giani kann beim eingeleiteten Umbruch aber auf Talente zurückgreifen, die in Italien und Polen schon gefragte Profis sind, so Zuspieler Amir Tizi-Oualou (20) in Modena. Außen Noa Duflos-Rossi (18), gerade zum italienischen Vizemeister Civitanova gewechselt, gilt gar als größtes Talent seit Jahren und deutete das in Ulm auch über weite Strecken an. Andere sind auch SVG-Fans aus dem CEV Cup (Poitiers, Piacenza) bestens bekannt: Thomas Pujol, Simon Magnin, Joris Seddik, Daniel Iyegbekedo. Gewiss kein leichter Gegner also.
Ein Erlebnis
zum Genießen
„Das war super geil, zum Genießen. Es ist schon crazy, gegen solche Vollprofis zu spielen“, war Anselm Reim nach seinem Debüt begeistert. „Es war auch besonders schön, dass ich am Ende noch zuspielen durfte“, freute er sich besonders über seinen dauerhaften Einsatz im Tiebreak, nachdem er zuvor nur als Einwechsler seine Aufschlag-Qualität einbringen konnte. Backhaus kam derweil nur in diesem 5. Satz für die Annahme zum Zug, löste bei Aufschlag des DVV-Teams dann Graven ab. Und Coach Botti bilanzierte: „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir haben mit hoher Intensität gespielt und über weite Strecken unser Spiel durchgezogen. Natürlich gibt es noch Bereiche, in denen wir uns verbessern können, aber das ist zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison völlig normal.“
Für den DVV spielten: Krick, Brand, Krage-Brewitz, Zimmermann, John, Reichert – Graven; eingewechselt: Rein, L. Kunstmann, Röhrs, Böhme, J. Kunstmann; im zusätzlich vereinbarten Tiebreak: Brand, Röhrs, Rein, J. Kunstmann, L. Kunstmann Böhme – Backhaus und Graven.
Nations League
ab 10. Juni
Den Rest des Wochenendes hatten die deutsche Spieler frei, was sie zu einem Besuch daheim nutzten. An diesem Dienstag ist Wieder-Anreisetag nach Kienbaum, am Sonntag geht der Flug von Berlin via Frankfurt/Main und Toronto/Kanada nach Ottawa/Kanada. Erster Gegner in der VNL wird dann auch Kanada, das das Auftaktturnier ab Mittwoch, 10 Juni, in Ottawa ausrichtet und nach deutscher Zeit um 1.30 Uhr in der Nacht zum Donnerstag auf das DVV-Team trifft – wobei es zu einigen Wiedersehen kommen könnte.
Denn beide Kader sind gespickt mit aktuellen und ehemaligen LüneHünen. Bei den Kanadiern wurde Mittelblocker Jackson Howe ebenso in den 30er-Kader berufen wie die früheren Lüneburger Pearson Eshenko (Mittelblock), Xander Ketrzynski (Diagonal) und Maxwell Elgert (Zuspiel). Beim DVV sind es gleich acht Spieler mit Lüneburg-Vergangenheit sowie Rein und Backhaus. Wer aber letztlich für den 14er-Kader ausgewählt wird und wer in Kienbaum weiter trainiert, ist noch offen. Nach dem Auftaktmatch sind Italien (11. Juni, 22 Uhr deutscher Zeit), die USA (12. Juni, 22 Uhr) und Frankreich (14. Juni, 17 Uhr) die Gegner.
Zu sehen sein werden die deutschen Auftritte im Stream auf zdf.de und alle VNL-Spiele im kostenpflichtigen Stream, auch als Re-Match, auf vb.tv (bzw. volleyballworld.com).
European League
mit LüneHünen beginnt
Während die Vorbereitung auf die Nations League nun in die heiße Phase geht, erfolgt eine Ebene darunter am Wochenende schon der Aufschlag zur neu geschaffenen Europaliga, offiziell betitelt Volleyball European League (VEL). Sie ist die Zusammenführung der früheren zweistufigen Golden League und Silver League. Bei den Männern sind 27 Mannschaften gemeldet, darunter Finnland und Schweden mit den LüneHünen Santeri Välimaa, Axel Enlund und Daniel Gruvaeus.
Jedes Team trägt ein dreitägiges Heimturnier mit zwei Gästeteams aus und bestreitet zwei weitere Turniere auswärts. Die vier Besten dieser Gruppenphase bis zum 21. Juni erreichen die Endrunde mit Halbfinale und Finale (jeweils Hin- und Rückspiel), die bis 12. Juli läuft. Diese vier Teams sichern sich auch Tickets für die Europameisterschaft 2028 in Montenegro.
Schweden beginnt mit einem Heimturnier in Lund gegen Griechenland und Aserbaidschan. Finnland, das im letzten Jahr die Golden League gewonnen hatte, startet auswärts in Österreich gegen die Alpenrepublik und Montenegro. Auch Dänemark und Norwegen mit den Ex-LüneHünen Axel Larsen und Oskar Espeland mischen mit. Das Starterfeld beinhaltet insgesamt eine breite Palette, vom Vierten der WM 2025, Tschechien, über die im letzten Jahr aus der Nations League abgestiegene Niederlande, bis zu Nobodys wie Luxemburg.
