Das erste Highlight des Turniers hatte es beim hochklassigen und spannenden 3:2 (19:25, 29:27, 23:25, 25:23, 16:14) von Olympiasieger Frankreich gegen Italien gegeben, geprägt von satten 30 Punkten des italienischen Diagonalen Kamil Rychlicki (künftig Zawiercie) und 8 Blockpunkten des jungen Franzosen Daniel Iyegbekedo (19, Piacenza). Das DVV-Team hat die USA (Fr., 22 Uhr) und Frankreich (Stg., 17 Uhr) als weitere Gegner – live-Streams auf ZDF oder kostenpflichtig auf volleyballworld.tv

Block-„Party“ gegen Kanada
und starken Jackson Howe

Mit einem hart erkämpften 3:2 (24:26, 25:19, 20:25, 25:21, 15:13)-Sieg in zweieinhalb Stunden gegen Kanada hatten Kapitän Jan Zimmermann & Co. den erhofften Start, wozu der Zuspieler selbst mit guter Ballverteilung maßgeblich beitrug. Die Hausherren, bei denen LüneHüne Jackson Howe und der frühere Lüneburger Max Elgert von Beginn an spielten und Pearson Eshenko sowie Xander Ketrzynski später eingewechselt wurden, zeigten allerdings ein enorm starkes Blockspiel (am Ende 14:7 Kill-Blocks). Und sie machten lange Zeit nur wenig Aufschlagfehler (5:15 Mitte 3. Satz). Zudem war ihr Diagonaler Sharone Vernon-Evans („Sho“) kaum zu halten.

Nach knapp verlorenem Eingangssatz bekam das DVV-Team mit einem immer stärker werdenden Tobias Brand die Oberhand, auch befügelt von einem Highlight, als Tobias Krick auf seltene Art punktete, den Ball auf die verlassene Position 1 des Gegners zum 2:0 kickte. Die Führung hielten den ganzen 2. Durchgang, wuchs zeitweise auf 7 Punkte an (23:16). Pipe-Angriffe waren immer wieder ein Erfolgsrezept, und auch die Defensive stand nun besser. In Abschnitt 3 kamen die Kanadier aber stark zurück, nachdem sie zur Mitte des Satzes Zuspieler und Diagonalangreifer tauschten – der Ex-LüneHüne Ketrzynski hatte mit noch insgesamt 9 Punkten dabei großen Einfluss. Und in der Mitte machte Howe ein überragendes Spiel, sammelte insgesamt 13 Zähler, allein 5 durch Kill-Blocks.

Doch auch den neuerlichen Satzrückstand steckte das deutsche Team weg, denn es hatte ebenfalls einen Joker, der richtig gut stach: Erik Röhrs, Ende des 3. Satzes dauerhaft für Moritz Reichert gekommen. 7 Punkte allein im 4. Satz gingen auf sein Konto, zudem blieb Diagonalangreifer Filip John effektiv wie in allen anderen Sätzen. So kam es zum Tiebreak, spannend wie die Sätze zuvor. 11:8 führten die Deutschen schon, Kanada kam aber wieder heran (11:10). Dann zog der eingewechselte Aufschlag-Spezialist Tim Peter ein Ass aus dem Ärmel, 13:10, die Vorentscheidung. Röhrs verwandelte schließlich den zweiten Matchball. „Die Jungs haben mich mit einem Sieg beschenkt,“ strahlte Bundestrainer Massimo Botti nach seinem Pflichtspieldebüt.

Für den DVV spielten und punkteten: John (19), Brand (19), Torwie (8), Krick (7), Reichert (4), Zimmermann (4) – Graven; eingewechselt: Burggräf, Böhme, Röhrs (10), Peter (1).

Gegen Italien war
noch viel mehr drin

Nur 18 Stunden später stand ein weiteres Kräfte zehrendes Match gegen Italien an, dennoch stand Bottis Mannschaft beim 1:3 (20:25, 25:20, 21:25, 31:33) in 140 Minuten dicht vor einer Überraschung. Denn ein fünfter Durchgang und damit mindestens ein Punkt lag schon in der Luft, doch fünf Satzbälle zum Erreichen des entscheidenden Tiebreaks blieben ungenutzt. Und zuvor reichte im 3. Satz eine klare Führung nicht zum Gewinn.

Mit Röhrs statt Reichert und Libero Ruben Schott für Lenny Graven ging das DVV-Team aufs Feld und brauchte im Eingangssatz lange, um im Spiel anzukommen. Nur Brand war gleich wieder auf Betriebstemperatur (5 Punkte). So hatten die Südeuropäer es oft zu leicht, ihre Punkte zu machen. Beim 11:17 steuerte der Bundestrainer mit einem Doppelwechsel Zuspieler/Diagonalangreifer gegen – mit Wirkung. Denn der Diagonale Yann Böhme war gleich gut im Spiel, machte noch 4 Punkte, darunter ein Ass. Doch beim 19:20 hatte der Gegner wieder alles im Griff.

Im zweiten Satz – wieder mit der Starting Six – machte die Leistungssteigerung der Deutschen neue Hoffnung. Vor allem ein starker Röhrs (6 Punkte) und der weiter gute Brand (5) bauten eine Führung bis auf 12:7 aus, dann zog Italiens Coach Fernando de Giorgi die Notbremse. Der am Vortag noch so starke, aber unübersehbar müde Rychlicki musste auf die Bank, als neuer Diagonaler kam der auch SVG-Fans aus den CEV-Cups-Finals gegen Piacenza bestens bekannte Alessandro Bovolenta – und hatte mit 17 Punkten als Topscorer noch enormen Einfluss.

Da Italien aber ungewöhnlich viele Aufschlagfehler machte (am Ende 18:25 aus DVV-Sicht), gelang die Wende nicht sofort. Zumal das deutsche Blockspiel immer besser wurde (5 Kills von Simon Torwie) und über die Mitte auch die Angriffe oft erfolgreich waren. Das hielt so bis tief in den 3. Satz hinein an (12:9), dann wirkte sich beim Gegner ein weiterer Wechsel aus: Außen Francesco Sani punktete immer häufiger (noch insgesamt 9). Nach dem erstmaligen Ausgleich (16:16) kippte das Geschehen, der Satz ging in der Crunchtime an den Favoriten.

Abschnitt 4 wurde dann zu einem heiß umkämpften Drama inklusive vieler Emotionen und Challenges. Italien führte erst knapp (13:14), der DVV wendete das Blatt (18:17, 23:21), nutzte zwei Chancen zu einem Satzball nicht und wehrte dann drei Matchbälle ab. Beim 28:27 hatte das Botti-Team den nächsten Satzball, beim 29:28 wurde es ganz wild mit einer elend langen Challenge, deren Ergebnis – Punkt gegen sich – Italien nicht akzeptierte, selbst nach einer zusätzlichen Challenge des Schiedsrichters nahmen die Diskussionen kein Ende. Als es endlich weiterging, vergab der DVV drei weitere Satzbälle. Beim 31:31 schlug Italiens Kapitän Mattia Bottolo schließlich zweimal mit Wirkung auf – 31:33, ein bitteres Ende.

Für den DVV spielten und punkteten: Brand (17), Röhrs (12), John (11), Torwie (9), Krick (8), Zimmermann – Schott; ein gewechselt: Burggräf, Böhme (7), Peter, Reichert, Mohwinkel.

Weiter spielten: Pool 1 (mit Deutschland) in Ottawa/Kanada: Türkei – USA 1:3, Frankreich – Italien 3:2, Kanada – Frankreich 3:1, Pool 2 in Brasilia: Belgien – Bulgarien 3:1, Serbien – Argentinien 3:1, Brasilien – Iran 3:1, Bulgarien – Iran 3:0, Brasilien – Belgien 3:1, Pool 3 in Linyi/China: Kuba – Polen 0:3, China – Slowenien 2:3, Ukraine – Japan 0:3, China – Ukraine 1:3, Slowenien – Polen 3:2, Ukaine – Kuba 3:0, Japan – Polen 3:2

volleyballer.de Redaktion Redaktion volleyballer.de