Müder Auftritt
gegen die USA
Gegen die USA, dem dritten Auftritt innerhalb von drei Tagen, kam zunächst der fast zu erwartende Einbruch beim 0:3 (20:25, 15:25, 20:25), zumal der Gegner aus einem Ruhetag kam. Der Bundestrainer versuchte, mit Personalrotation gegenzusteuern. Der zweimal überragende Tobias Brand durfte pausieren, dafür kam Moritz Reichert zurück in die Starting Six. In der Mitte bekam Joscha Kunstmann erstmals überhaupt eine Chance, im Diagonalangriff startete Yann Böhme statt Filip John erstmals zu Beginn. Doch auf der Gegenseite wirbelte ein gewisser Jake Hanes, aus Berlin bestens bekannt.
Hanes kam in Eingangssatz schon auf 6 Punkte und war am Ende Topscorer (19, davon 5 Blocks), obwohl er mehrmals eine Pause bekam. Auch der bisherige LüneHüne Ethan Champlin bereitete den Deutschen große Probleme. So stand es schnell 2:7 und 8:16, dann griff Botti personell ein, brachte im Zuspiel Eric Burggräf für Jan Zimmermann und auf Diagonal John für den schwer ins Spiel kommenden Böhme. Der steigerte sich aber später und wurde noch bester DVV-Scorer. Als er zurückkam, zückte er zunächst 2 Asse in einer guten Aufschlagserie, plötzlich stand es nur noch 16:20 und 22:24, doch Champlin machte den Satz zu.
In Durchgang zwei begann wieder Zimmermann im Zuspiel, doch der Kapitän hing durch – beim 2:6 kam Burggräf dauerhaft zurück. Aber weil das DVV-Team zu viele gute Angriffschancen liegen ließ und seinen Aufschlag nicht fand, wuchs der Rückstand (6:11, 8:16, 11:20). Es war auch nicht der Tag von Erik Röhrs, für ihn kam beim 8:16 dauerhaft Theo Mohwinkel. Und der Lüneburger belebte speziell im 3. Abschnitt nochmal das Angriffsspiel, war da zusammen mit Böhme bester Scorer (je 4). Aber auch da waren die Deutschen ab der Mitte chancenlos, als die USA sechsmal in Folge punktete (7:13). Großer Kampfgeist machte das Ergebnis wieder erträglicher (14:18). Beim Gegner kam nun Ex-LüneHüne Jordan Ewert und der verwandelte schließlich auch den Matchball.
Trotzdem gab es ein hohes Lob aus berufenem Munde, von US-Chefcoach Karch Kiraly, der Trainer-Legende: „Die Deutschen haben schon ein sehr gutes Team. Meine Spieler kennen ja einige von den Jungs ganz gut, haben ihnen vor dem Spiel in die Augen geschaut und gesehen, dass sie doch ziemlich müde waren. Ohne die Anstrengung der letzten Tage hätten sie es uns mit Sicherheit noch schwerer gemacht.“
Für den DVV spielten und punkteten: Böhme (11), Reichert (5), Röhrs (5), J. Kunstmann (3), Torwie (3), Zimmermann – Graven; eingewechselt: Burggräf, John (1), Peter, Mohwinkel (5).
Nach einem Ruhetag
frisch gegen Frankreich
Gut erholt traten die Mannen um Kapitän Zimmermann dann nach einem Ruhetag gegen Frankreich auf. Starker Start, noch besseres Ende hieß das Fazit nach dem 3:1 (40:38, 19:25, 25:20, 25:22) gegen die Equipe Tricolore, die im Gegensatz zum Testspielsieg kürzlich in Ulm wieder Top-Zuspieler Antoine Brizard dabei hatte. Bundestrainer Botti schickte im Vergleich zum USA-Match wieder Brand, John und Krick sowie überraschend Ruben Schott anstatt Stamm-Libero Graven aufs Feld – und der Berliner Außenangreifer lieferte auf ungewohnter Position eine ganz starke Leistung ab.
In einem im Wortsinne wahren Schlagabtausch, der die eigentlich ja neutralen Zuschauer in Ottawa zu Jubelstürmen hinriss, bot vor allem der 1. Satz alles, was das Volleyballherz begehrt: hochklassige, lange Rallys zuhauf, spektakuläre Rettungstaten, variantenreiche Angriffe, Hochspannung. Die Führung wechselte ständig, beim 24:22 hatte das DVV-Team die ersten beiden Satzbälle. Viele weitere sollten folgen, auch für Frankreich, das das Spiel mehrmals drehte – bis schließlich John mit dem 40:38 nach 45 Minuten das Drama beendete.
Mehr Punkte als John (7) machte in diesem Battle nur Röhrs (8), der dann im 2. Satz beim Stand von 2:7 (ausgepumpt?) für Reichert Platz machte. Ein Wechsel, der sich noch nicht gleich auszahlte – aber später. Denn die Annahme wackelte noch und der Gegner kam über ein 6:11, 10:12 und 17:22 zum Satzausgleich. In Durchgang 3 wurde das deutsche Spiel dann stabil, und beim 5:4 haute Reichert drei Asse in Serie raus. Brand legte mit zwei Zählern nach, Reichert erhöhte per Pipe auf 11:6. Als Frankreich wieder herankam (21:19), sorgten Brand per Pipe und John mit einem Ass für klare Verhältnisse.
Im 4. Satz ging dann auch wieder mehr durch die Mitte über die starken Torwie und Krick, beim Gegner hatte vor allem Gold-Olympionike Trevor Clevenot (6 von 15 Punkten) etwas entgegenzusetzen. Er vor allem drehte das Ergebnis nochmal (von 6:2 auf 7:9 und 14:17), dann stand Reichert wieder an der Aufschlaglinie und zog u.a. sein 4. Ass aus dem Ärmel (17:17). Torwie ließ ein Ass folgen, John drehte auch nochmal auf – und er machte mit seinem 19. Punkt schließlich Satzgewinn und Gesamtsieg perfekt.
Für den DVV spielten und punkteten: John (19), Torwie (14), Krick (12), Brand (11), Röhrs (8), Zimmermann (1) – Schott; ein gewechselt: Burggräf, Böhme, Peter, Mohwinkel, Reichert (12).
Weiter spielten: Pool 1 (mit Deutschland) in Ottawa/Kanada: Türkei – Frankreich 3:0, Kanada – USA 2:3, Türkei – Italien 0:3, Kanada – Türkei 2:3, USA – Italien 2:3, Pool 2 in Brasilia: Belgien – Serbien 1:3, Iran – Argentinien 3:0, Brasilien – Serbien 3:0, Bulgarien – Argentinien 3:1, Belgien – Iran 3:2, Bulgarien – Serbien 0:3, Brasilien – Argentinien 3:2, Pool 3 in Linyi/China: China – Japan 1:3, Kuba – Slowenien 2:3, Ukraine – Polen 2:3, China – Kuba 3:0, Slowenien – Japan 1:3.
