Feuerwerk der Gefühle in der VfB-Festung „Wolfsgrube“

In einem spektakulären Bundesliga-Topspiel bezwingt der Tabellenzweite VfB Suhl LOTTO Thüringen den bis dato ungeschlagenen Tabellenführer Allianz MTV Stuttgart mit 3:2 Sätzen nach fast zwei Stunden Spieldauer. Und dies in der ultimativen „Generalprobe“ für das in sechs Tagen anstehende Zoi-DVV-Pokalfinale in Mannheim, wo sich beide Teams erneut gegenüber stehen werden. Im 50. Aufeinandertreffen beider Teams seit Bundesligazugehörigkeit, waren die Gäste aus Stuttgart klarer Favorit. Die Siegesstatistik stand bei 10:39 für die Gastgeberinnen, die sich vor Spielbeginn auf das Comeback von Mannschaftskapitänin und Mittelblockerin Roosa Laakkonen freuen konnten, die sich nach ihrer mehrwöchigen Wadenverletzung rechtzeitig wieder fit melden konnte. Erster emotionaler Höhepunkt für die 1.800 Zuschauer in der ANTENNE Thüringen Volleyballarena „Wolfsgrube“ war zudem die Vertragsverlängerung von Zuspielerin Lara Nagels. Die belgische Nationalspielerin möchte die Suhler Erfolgsgeschichte weiter mit beschreiten und zeigte im Spielverlauf erneut, wie wertvoll sie auch als Führungsspielerin für die jungen „Wölfinnen“ ist. Mit diesen Emotionen im Rücken spielten sich die Hollosy-Schützlinge im ersten Satz fast wie in einen Rausch, mit 10:3 und 19:7 gelang ein „Raketenstart“, der sich auf die Ränge übertrug. Nach 18 Minuten und 25:16 Punkten war der erst dritte Verlustsatz der Bitter-Schützlinge im bisherigen Saisonverlauf zu registrieren. Ab dem zweiten Satz hatten sich die erfolgsverwöhnten Gäste besser auf die Hallenatmosphäre und das VfB-Spiel eingestellt. Bis zum 14:14 war es ein offener Schlagabtausch, bis dann die Suhler Eigenfehlerquote im Angriff zunahm. Die Stautz & Co. enteilten auf 19:14 und ließen sich den Vorsprung jetzt nicht mehr nehmen, gewannen nach 23 Minuten mit 25:20 zum 1:1-Satzausgleich. Ähnlich verlief auch der dritte Spielabschnitt, denn bis zum 10:11 wechselte die Führung ständige, lange und spektakuläre Ballwechsel begeisterten die Volleyballfans in der stimmungsvollen Wolfsgrube auf beiden Seiten. Beim 15:17 musste die Partie wegen einem medizinischen Notfall eines älteren VfB-Fans auf der Haupttribüne für mehrere Minuten unterbrochen werden. Nach dem Schreckmoment für alle Anwesenden nahm die Dramatik auf dem Spielfeld seinen Lauf. Der vierfache Deutsche Meister und 5-fache DVV-Pokalsieger brachte seinen 21:19-Vorsprung über die Ziellinie, profitierte dabei auch von zwei Angriffsfehlern der Gastgeberinnen. Nach 29 Minuten war der 25:21-Satzgewinn und die obligatorische Stuttgarter Satzführung vollbracht. Es sollte die Wende für den haushohen Favoriten im Topspiel gewesen sein und die beiden Suhler Auszeiten bei 3:6 und 12:16-Rückstand ließen für die Hollosy-Schützlinge nichts Gutes verheißen. Doch das „Suhler Wunder“ nahm erste Formen an, Suhl konnte auf allen Positionen zulegen und kämpfte sich noch einmal heran und als beim 18:17 erstmals die Satzführung gelang, kochte die „Wolfsgrube“ fast über. Das hinterließ auch Spuren bei den „Bitter-Schützlingen“, die bis dato in ihrer Libera und Ex-Suhlerin Yurika Bamba den „Fels in der Brandung“ hatten. Stuttgarts Angreiferinnen zeigten nun auch Nerven. Da mit Pauline Martin und Julia de Paula, die beide einen Trainingsunfall beim Abschlusstraining miteinander hatten, zwei Angriffs-Wechselalternativen aus Vorsichtsmaßnahmen ausfielen und die dramatischen Szenen nur am „Rande der Bande“ mitverfolgen konnten, hatte nun das VfB-Team das Glücksmoment auf seiner Seite. Vom 20:18 gelang der Zwischenspurt zum 23:18 und die „Wölfinnen“ zeigten sich jetzt insgesamt wieder bissiger und insbesondere Mackenzie Foley (insgesamt 26 Scorerpunkte) zeigte wieder ihre Abschlussqualitäten in brenzligen Situationen. Als nach 24 Minuten der 25:20-Satzgewinn für die Laakkonen & Co. sowie der erste Saison-Punktverlust für den Tabellenführer im 17. Saisonspiel feststand, gab es kaum ein Halten mehr unter den verzückten Volleyballfans im „Hallenrund“. Nun musste also der Nervenkrimi „Tiebreak“ her und die Emotionswelle der Fans schien die VfB-Spielerinnen in den entscheidenden fünften Satz zu tragen. Suhl hatte den besseren Start und ging schnell mit zwei Punkten in Führung, zwang den Stuttgarter Chefcoach Konstantin Bitter frühzeitig zu zwei taktischen beim 2:5 und 2:7-Rückstand für den Favoriten. Beim 8:4 war Seitenwechsel, der VfB legte auf seiner „Schokoladenseite“ gleich nach (9:4) und hielt dann sein „Sideout“, beim 12:6 war die Vorentscheidung geschafft. Mit einem unerwartet deutlichen 15:7 nach 12 Minuten gelangt die faustdicke Überraschung für die Hollosy-Schützlinge. Mit 3:2 bringt der VfB im Bundesliga-Spitzenspiel dem Tabellenführer die erste Saisonniederlage bei, feiert damit auch eine gelungene „Generalprobe“ für das kommende Pokalfinale und bleibt damit seit 13 Pflichtspielen in der „Festung Wolfsgrube“ ungeschlagen. Als wertvollste Spielerinnen wurden VfB-Diagonalangreiferin Monika Brancuska (23 Punkte/Gold-MVP) und MTV-Libera Yurika Bamba (Silber-MVP) ausgewählt. Der VfB verteidigt damit seinen zweiten Tabellenplatz und baut seinen Vorsprung auf die Verfolger Schwerin und Dresden etwas aus. In der Bundesliga kommt es dann in 10 Tagen zum „Showdown“ in Schwerin, wenn die „VfB-Wölfinnen“ beim Tabellendritten und Rekordmeister antreten muss. Doch zuvor steht nun erst einmal das große und fünfte Pokalfinale für den kleinen Verein aus Südthüringen an. Vor fast genau 15 Jahren trafen die VfB-Damen schon einmal im Finale auf Stuttgart (06.03.2011/0:3) – nach dem heutigen Suhler Tiebreaksieg gegen den Favoriten, sind die Hoffnungen auf eine Pokalüberraschung gegen den fünffachen Pokalsieger (zuletzt 2024) genährt. Rund 1.000 Suhler Fans machen sich auf den Weg in die SAP-Arena, um ihr „Wolfsrudel“ zu supporten. Getreu dem Motto: „Neues Spiel – neues Glück!“. 

volleyballer.de Redaktion Redaktion volleyballer.de