Dass das Wiedersehen mit den Belgiern noch eine heikle Angelegenheit werden kann, zeigte einerseits der 1. Satz im Hinspiel, in dem die Hausherren mächtig aufs Gaspedal drückten, nahezu fehlerlos auftrumpften (25:15) und die SVG zunächst keine Mittel fand. Andererseits lehrt die Geschichte der Europapokal-Wettbewerbe, dass Überraschungen jederzeit möglich sind – gerade im Volleyball mit seinen vielen Wendungen sogar innerhalb eines einzelnen Matches. Und erst recht, wenn es zu einem Golden Set kommen sollte.
Zur Erinnerung: Gewinnt Maaseik jetzt 3:1 oder 3:0, herrscht Gleichstand aus beiden Duellen und der gleich anschließende Golden Set entscheidet. Da er wie ein Tiebreak nur bis 15 (statt 25) läuft, wiegt dann jeder Fehler doppelt schwer. Von einer Nervenprobe ganz zu schweigen. Dennoch scheint die SVG da im Vorteil mit dem Heimrecht im Rücken und weil sie sich in dieser Saison offenbar von gar nichts beeindrucken lässt, auch in schwierigen Lagen immer wieder Lösungen findet. Starke Nerven haben die LüneHünen im Golden Set selbst schon zweimal bewiesen: gegen Izmir im Februar 2024 und sogar auswärts in Berlin im Februar 2025.
Belgier geben sich
noch nicht geschlagen
Maaseik unterstrich seine gute Form einmal mehr am Wochenende in der BeNeConference, dem gemeinsamen Spielbetrieb der je vier besten Teams aus Belgien und den Niederlanden, mit einem 3:1 bei Simplex SSS im holländischen Barneveld. Dabei konnte Chefcoach Pawel Woicki seine Hauptangreifer Sil Meijs (12 Punkte) und Pierre Perin (7) teilweise schonen. Im 4. Satz spielten für sie Eliot De Vleeschhauwer diagonal und der tschechische Nationalspieler Matous Drahonovsky im Außenangriff und überzeugten ebenfalls mit 10 bzw. 9 Punkten – in nur einem Satz. Das Team aus Flandern sicherte sich dabei auch endgültig Platz 2 in dieser Liga und damit den Einzug ins Playoff-Halbfinale in Belgien, das noch nach Ende der BeNeConference gespielt wird.
So wird in Maaseik das 1:3 gegen die SVG auch eher als Ausrutscher in der Siegesserie der letzten Wochen gewertet. Da gab sich nicht nur der Diagonale Mejs (19 Punkte im Hinspiel) kämpferisch: „Erstmal gewinnen – und im Golden Set kann alles passieren“, lautete seine Marschroute. Und Trainer Woicki wollte von einem nun nötigen Wunder nichts wissen: „Wunder sind etwas für Leute mit Glauben. Im Sport geht es um Arbeit, Leistung. Wir müssen gut vorbereitet sein. Und natürlich können wir gewinnen. Uns steht ein überragendes Team gegenüber, aber wenn wir gut spielen, haben wir Chancen zu gewinnen. Die Jungs haben sich solche Spiele verdient, spielen immer mit Leidenschaft.“ Wobei er diese Leidenschaft zeitweise vermisste und in einer Auszeit zum brodelnden Vulkan wurde…
Kollege Hübner hat zu solchen Ausbrüchen keinen Anlass, und auch seine Mannen bleiben stets cool. Sie bekamen nach dem Herrsching-Spiel zwei Tage frei, um zu regenerieren, sich um Familie oder Freunde zu kümmern, obwohl der Coach ihnen nach dem gelungenen Playoff-Auftakt einen „guten körperlichen und geistigen Zustand“ nach dem Spiel- und Reisestress der letzten Wochen und Monate bescheinigte. In der Tat war den Spielern wieder der Spaß an den Gesichtern abzulesen und hatte man den Eindruck, dass sie bei Bedarf noch eine Schippe hätten drauflegen können. Oder, wie es Bernd Schlesinger formulierte: „Man sieht es den Spielern an: Sie sind heiß. Wir machen uns deshalb überhaupt keine Sorgen über Kräfteverschleiß oder mentale Erschöpfung.“
Akkus in zwei freien
Tagen wieder aufgeladen
Dennoch: „Die zwei Tage waren gut, um die Köpfe mal frei zu kriegen“, denkt Hübner vor allem an die mentale Anstrengung, denn „das Hinspiel in Maaseik war sehr intensiv“, blickte er schon nach dem Spiel gegen Herrsching noch einmal zurück. Und nun kann der Fokus wieder voll auf die neue Aufgabe gerichtet werden, die auch nach Meinung des Chefcoaches alles andere als im Vorbeigehen zu erledigen ist: „Es ist noch alles möglich, das wird auf jeden Fall nochmal schwierig. Maaseik hat viel Offensiv-Potenzial, ist stark im Aufschlag und im Angriff. Da werden wir nochmal richtig gefordert sein.“ Dann fügt er aber noch an: „Im Hinspiel haben wir aber einen guten Weg gegen einen starken Gegner gefunden.“ Das darf die SVG gerne wiederholen, gerne auch ohne ein Zitterspiel …
Im anderen Halbfinale stehen sich, ebenfalls am Donnerstag, ACH Volley Ljubljana aus Slowenien und Gas Sales Bluenergy Piacenza aus Italien gegenüber. Die Italiener gewannen das Hinspiel 3:2. Erreichen die LüneHünen die beiden Endspiele im CEV Cup, dann wird in der Bundesliga die Playoff-Serie im Halbfinale nur nach dem Modus „best of 3“ (statt 5) gespielt.
(hre)
