Auch während der Partie hatte das Spielglück nicht unbedingt auf Osnabrücker Seite gestanden, denn in wichtigen Phasen war das Pendel in Richtung einer emotional aufspielenden Potsdamer Mannschaft ausgeschlagen. Die MVP-Silbermedaille für den VC Osnabrück, der auf Tabellenplatz acht abrutschte, erhielt zum dritten Mal in Folge Zuspielerin Maya Sendner.

KRAUS: “ DAFÜR HABEN WIR ES EIGENTLICH RECHT GUT GEMACHT “ 

Der Tag endete für die VCO-Damen nach einer siebzehn-Stunden-Auswärtsfahrt schließlich in der Nacht mit einer Enttäuschung im Gepäck. Im Vorfeld war alles eingeplant gewesen, eine zweistündige Vollsperrung bei der Anreise auf der Autobahn rund 50 Kilometer vor Potsdam nach einem Busunfall aber nicht – höhere Gewalt. So ging es direkt in die Halle zum Aufwärmen und mit einer 45-minütigen Verspätung in die Partie. D as Umfeld war für einen Aufsteiger ebenfalls gewöhnungsbedürftig, weil es nach großer Bundesligaatmosphäre roch. Die 322 Zuschauer in der hochmodernen MBS Arena, die für die 1. Liga gebaut worden war, entfachten eine tolle Stimmung. Zehn mitgereiste VCO-Fans wussten sich dennoch mit Vuvuzelas ausgestattet Gehör zu verschaffen.

Osnabrücks Trainer Gunnar Kraus mochte seinem Team, dass das Mögliche rausgehauen hatte, nach der Niederlage verständlicherweise keinen Vorwurf machen. „Acht Stunden im Bus, dafür haben wir es eigentlich richtig gut gemacht. Wir haben heute unsere Leistung nicht bringen können und sind daran nicht selber Schuld. Wir waren halt nicht ausgeruht im Kopf, sonst kann man konstant Leistung bringen. S o ist das eigentlich unmöglich“, meinte der VCO-Trainer. „Potsdam hätte schlecht spielen müssen, wir Glück gebraucht, um zu gewinnen. Was wir spielen können, hat man auch heute zwischendurch gesehen. Die drei Punkte, die wir hier lassen, sind schade. A ber so ist es nun mal.“

MVP Maya Sendner ärgerte sich trotzdem über verpasste Punkte. “ Dass wir uns nicht so richtig aufwärmen konnten, dürfen wir nicht als Entschuldigung gelten lassen. Wir hätten trotzdem besser spielen können. Wir haben am Anfang etwas geschlafen, im zweiten Satz die ganze Zeit geführt und im dritten zu viele Fehler gemacht. Das kannst du nicht alles auf die Busfahrt schieben“ so Sendner. „Vielleicht haben sich auch zu viele von der Atmosphäre und Halle beeinflusst gefühlt. Das kannten viele so noch nicht.“

Potsdams glücklicher Coach Björn Matthes nahm sich nach dem Erfolg ebenfalls noch Zeit fürs Statement. „Ich bin super stolz, es war definitiv kein leichtes Spiel. Trotz der Anreise hat sich Osnabrück schon beim Einschlagen super präsentiert. Wir hatten in den letzten spielen damit zu kämpfen, dass wir einen Vorsprung verspielt haben. Das hatten wir heute auch, trotzdem haben wir diesmal an uns geglaubt, das umzubiegen“, erklärte Matthes. Bei knappen Sätzen kann es so oder so laufen. Ich bin insgesamt sehr zufrieden, weil wir kühlen Kopf bewahrt haben.“

VERLORENER ZWEITER SATZ EIN KNACKPUNKT

Der äußere Rahmen mit Potsdamer Fanclub , Fahnenschwenker, modernen LED-Banden und beeindruckender Bild- und Hörkulisse hatte schon was. D ie VCO-Damen starteten trotz der ungewöhnlichen Umstände ordentlich und einem 4:4-Zwischenstand. Beide Mannschaften hatten Probleme, die Bälle tot zu spielen, was viele längere Ballwechsel zur Folge hatte. Beim VCO erhöhte sich aber zunehmend die Fehlerquote, beim 14:9 war Potsdam weg. Beim 18:10 sah der Tabellenneunte endgültig als Sieger des ersten D urchgangs aus, doch die VCO-Damen reagierten noch einmal, kamen durch die Energie von Lisa Lammers und einer starken Aufschlagserie von Merit Dresing zurück und gingen mit 20:19 und 21:20 in Führung. Das Momentum war nun eigentlich auf OS-Seite. A ber enorm druckvolle Potsdamer Aufschläge und Osnabrücker Annahmeprobleme ließen genau in der Crunchtime das Pendel Richtung Potsdam ausschlagen, die den ersten Satz mit 25:22 gewannen.

Auch im zweiten Satz begegneten sich beide Mannschaften, die beide ihre Probleme mit einem konstant guten Spiel hatten, auf Augenhöhe. Lisanne Masselink drehte einen 2:5-Rückstand in eine 8:7-Führung aus Osnabrückerinnen Sicht, die d en kleinen Vorsprung in dieser Phase danach stabil bestätigten. Zwar übte Potsdam viel Druck über ihre Außenangreiferinnen Johanna Franzen und Joanna Muszynska aus, Osnabrück hielt mit guter Blockabwehr und den aufdrehenden Jolina Tönsing und Lotta Lorenz als Hauptakteurinnen dennoch dagegen. Zum Schluss wurde es richtig eng. Beim 24:23 hatte Potsdam Satzball, den die VCO-Damen durch einen spektakulären Block von Masselink noch abwehren konnten. D as glückliche Ende lag mit 26:24 letztlich bei den Gastgeberinnen, die mit ihren tollen Fans im Rücken einen Tacken mehr Willen in die Waagschale geworfen hatten.

Von diesem Ausgang des zweiten Satzes ließen sich die Gäste allerdings immer noch nicht beeindrucken und starteten mit 11:7 erneut vielversprechend mit frischer Motivation. Eine Aufschlagserie zum 11:14 aus VCO-Sicht war dann a llerdings der endgültige Killer. Der SCP hatte sich mit einer technisch feinen Zuspielerin Rike Machner (MVP Gold) freigespielt und ließ im Gefühl des Sieges bis zum 25:16 nichts mehr anbrennen. Beim VCO schwand sichtbar die letzte Hoffnung auf einen erfolgreichen Nachmittag. 

NÄCHSTES SPIEL EIN HEIM-DERBY GEGEN BSV OSTBEVERN

Nun heißt es schnell abhaken, denn am kommenden Wochenende wartet auf Osnabrücks Zweitliga-Volleyballerinnen ein wichtiges Heimderby. Zu Gast in der Schlosswallhalle ist am Samstag, 7. Februar um 19.30 Uhr der BSV Ostbevern, ein weiterer Tabellennachbar aus dem Tabellenmittelfeld.

volleyballer.de Redaktion Redaktion volleyballer.de