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Champions League: BR Volleys Story: Aus dem Schuhkarton in die Champions League

25.01.2026 / Autor: Christof Bernier

Mit VK Lvi Prag ist am Dienstag (27. Jan, 19.30 Uhr) das vermeintliche Leichtgewicht der Champions-League-Gruppe C im Volleyballtempel zu Gast. Tschechiens Meister hat allerdings sowohl beim schwer erkämpften 3:2-Sieg der Berlin Recycling Volleys zu Jahresbeginn in der Goldenen Stadt als auch vergangenen Donnerstag beim 2:3 bei Guaguas Las Palmas bewiesen, dass er absolut konkurrenzfähig ist. Der Berliner Hall of Famer Jaroslav Skach erklärt den Aufstieg des 2005 gegründeten Klubs und den großen Stellenwert des Sports in seiner Heimat.

Foto: Eckhard Herfet

Der 50-Jährige Skach trug zwischen 2003 und 2012 zunächst das Trikot des SCC Berlin, im Anschluss jenes der BR Volleys. Deutscher Meister wurde der Zuspieler hier in seiner ersten und in seiner letzten Saison. Inzwischen lebt der Familienvater seit mehr als zehn Jahren in seiner Heimatstadt und ist Manager in einem Lebensmittelunternehmen. Sein Trikot mit der Nummer 5 wurde 2019 unter die Decke der Max-Schmeling-Halle gezogen. Dem Volleyball ist Skach zumindest als Zuschauer treu geblieben. Die Entwicklung von VK Lvi Prag verfolgt er genau, denn in der tschechischen Hauptstadt begann seine Karriere. Mit Milos Kocka tauscht er sich häufig aus; der war einst sein Jugendtrainer, heute ist er Teammanager des Berliner Champions-League-Kontrahenten.

"Der Verein hat seit fünf Jahren einen neuen Besitzer, einen Milliardär aus der IT-Branche", erzählt Skach. Tomas Janecek heißt der Mann, wurde Präsident, beglich zunächst alle Schulden und investierte weiteres Geld in den Klub, der bis dahin nur in unteren Gefilden der tschechischen Extraliga vor sich hingedümpelt hatte. "Er ist ein Mathe-Genie, und wie Genies manchmal so sind: Er ist ein bisschen verrückt", sagt Skach lachend. Vor allem scheint dieser Herr Janecek verrückt nach Volleyball zu sein. Sein Investment brachte schnell Erfolg. Zweimal wurde Lvi Prag seitdem Meister, einmal Pokalsieger, verfehlte in der Saison 2023/24 das Viertelfinale der Champions nur ganz knapp. "Für einen tschechischen Klub war das ein super Erfolg", urteilt der ehemalige Berliner, der 63 Mal das Nationaltrikot seiner Heimat trug.

Außerdem zog das Team aus einem Außenbezirk Prags in die schmucke und moderne UNYP Arena mitten in der Stadt. "Vorher haben sie in einer Halle gespielt, die nicht viel größer ist als ein Schuhkarton." Am neuen Standort dagegen finden immerhin 1200 Zuschauer Platz. Aktuell ist der Titelverteidiger Tabellendritter in der Extraliga hinter VK CEZ Karlovarsko und Ceske Budejovice. Der einstige BR Volleys Star ist überzeugt: "Das ist jetzt ein solider Klub, der in Europa mitspielen kann. Die haben richtig was aufgebaut. Natürlich ist das Budget noch nicht so hoch wie etwa in Berlin. Der Unterschied zu den Spitzenklubs in Deutschland ist aber viel kleiner als vor zehn Jahren."

Inzwischen wird er in seiner Firma immer häufiger auf Volleyball angesprochen. "Die Leute fragen: Was ist da los?" Sie meinen damit nicht nur VK Lvi Prag, sondern die Sportart insgesamt. "Sehr geholfen hat die Männer-WM im vergangenen Herbst, wo wir überraschend Vierter geworden sind. Die Mannschaft hatte ein bisschen Glück, eine gute Auslosung. Sie hat allerdings auch super Spiele gemacht und ihre Chance genutzt." Mit dabei waren zwei Profis von Lvi: Tschechiens MVP der vergangenen Saison, Libero Milan Monik, und Außenangreifer Jiri Benda. Der Erfolg des Männer-Nationalteams passt ins Gesamtbild. Die U-20-Junioren des kleinen Landes holten 2024 EM-Bronze, die U21 belegte im Jahr darauf WM-Rang vier. Die U19 gewann 2017 gar EM-Gold. Es entwickelt sich also etwas. So überraschend kommen diese Erfolge im Übrigen nicht, wenn man zurückblickt in die Zeiten der Tschechoslowakei (bis 1993). Die CSSR wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren zweimal Weltmeister, dreimal Europameister und gewann Olympia-Silber 1964 in Tokio. Spartak Brünn (1968 und 1972), Dukla Liberec (1976) und Roter Stern Bratislava (1979) gewannen die Champions League. Das ist zwar alles lange her, zeigt jedoch, welch große Tradition Volleyball in Tschechien hat.

Ohnehin sind die Tschechen ein sportbegeistertes Völkchen, "der Sport bot über viele Jahre die größte Möglichkeit zur Identifikation", erklärt Skach. Das Interesse sei nach der kommunistischen Ära des Landes nach wie vor groß, der Fokus richte sich dorthin, "wo gerade der Erfolg ist". Zurzeit betreffe das die Tennisspielerinnen, immerhin stellte das Land in den vergangenen zwölf Jahren die Wimbledonsiegerinnen Petra Kvitova, Marketa Vondrousova und Barbora Krejcikova. Unumstößlich die Sportart Nummer eins weit vor dem Fußball bleibt indes Eishockey. Unvergessen sind die Triumphe über die mächtige Sowjetunion, "die Arenen waren ausverkauft, das fühlte sich wie eine erfolgreiche Revolution an", erinnert sich Skach. Wobei es aus seiner Sicht oft weniger Athletik und Härte sind, die tschechische Sportler auszeichnen. Eher ihre manchmal unorthodox scheinende Herangehensweise. Man könnte auch sagen, eine gewisse Schlitzohrigkeit. "Wir Tschechen bilden uns das ein, dass wir sehr gut mit Köpfchen spielen, nicht wie Maschinen", erklärt Skach. Er erinnert zum Beispiel an den Tennisprofi Miloslav Mecir, wegen seiner Geschmeidigkeit "die Katze" genannt. "Ein schlauer Spieler, der hat eine goldene Hand gehabt. Seine kurzen Bälle und Punkte aus unmöglichen Winkeln waren phänomenal", schwärmt er.

So würde VK Lvi Prag den BR Volleys nur allzu gern ebenfalls ein Schnippchen schlagen. Doch der Deutsche Meister ist nach dem Hinspiel gewarnt und wird etwas dagegen haben. Schließlich sind weitere Punkte zuhause dringend nötig, um voll im Rennen um die K.o.-Phase zu bleiben und bis zum Abschluss der Gruppenphase alle Möglichkeiten zu haben. Denn der Auftritt von Klubweltmeister Sir Sicoma Monini Perugia am 18. Februar in der Max-Schmeling-Halle soll zu einem Volleyball-Fest werden. Dafür muss auch gegen Prag Zählbares her.

Tickets mir dem JANUARWUMMS
Für die Heimspiele im Januar gegen Prag (27. Jan) und Freiburg (31. Jan) besteht ein Ticketsonderangebot. Mit dem JANUARWUMMS sind Karten in der günstigsten Kategorie für nur 10 Euro erhältlich: www.br-volleys.de/tickets

ASB Wünschewagen
Auf Einladung des Fanclubs 7. Mann ist zum Heimspiel gegen Prag der ASB Wünschewagen zum dritten Mal zu Gast im Volleyballtempel. Der Wünschewagen erfüllt Menschen zum Lebensende letzte Herzenswünsche. Gespendet werden kann durch den Einwurf von Pfandbechern in bereitgestellte Sammeltonnen oder durch die Übergabe an die Helferinnen und Helfer des Arbeiter-Samariter-Bundes und des Fanclubs 7. Mann. Außerdem stehen auch Spendenboxen für Barspenden bereit oder es kann online (in diesem Fall bitte den Vermerk "7. Mann" angeben) unterstützt werden.

Mehr Informationen zum Wünschewagen: www.wuenschewagen.de

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