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23.07.2010 - Bundesligen - Quelle/Autor: Philipp Vollmer

Volleyball Bundesliga: „Ich habe noch Visionen“

In Rottenburg und der Region hat Hans Peter Müller-Angstenberger schon seit Jahren einen Kultstatus erreicht. Auch in Volleyballdeutschland hat sich der zweifache Vater längst einen Namen gemacht. Zum einen, weil er aufgrund seiner fachlichen Kompetenz aus dem „kleinen“ TV Rottenburg mit sensationellen Erfolgen einen etablierten Erstligisten geformt hat.

Zum anderen wegen seiner einzigartigen, emotionalen Art und Weise, die er am Spielfeldrand lebt. Nach acht Jahren TVR ist der Trainer noch lange nicht am Ende und hat für weitere drei Jahre unterschrieben.

„Der Name Müller-Angstenberger steht für das erfolgreiche Rottenburger Volleyballmodell wie kaum ein anderer“ freut sich Jörg Papenheim, Manager des EnBW TV Rottenburg über die Vertragsverlängerung des Trainers. In einem „äußerst fruchtbaren“ Gespräch haben sich die beiden Rottenburger Macher auf einen Dreijahresvertrag geeinigt. „Wir setzen mit dieser langfristigen Zusammenarbeit ein klares Signal“ sagt Papenheim. „Wir wollen kontinuierlich weiterarbeiten und bleiben unserem Modell treu.“ Dieser Meinung schließt sich Müller-Angstenberger an: “Bisher wollte ich nach jeder Saison schauen, ob es noch richtig ist, weiterzumachen. Ich möchte an dieser Stelle Ruhe um meine Person einkehren lassen und freue mich auf die Kontinuität.“ Der langfristige Kontrakt, der sowohl für die erste als auch die zweite Bundesliga gilt, gibt Planungssicherheit für Spieler und Trainer als auch für die Verantwortlichen im Verein um Manager Papenheim. „Vor allem dürften sich aber unsere zahlreichen Zuschauer und Fans freuen, die Hans Peter auch die kommenden Jahre an der Seitenlinie beobachten können“.

Müller-Angstenberger, der am Donnerstag seinen 38. Geburtstag feierte, ist ein wahres Rottenburger Urgestein. Aufgewachsen ist er in Wurmlingen, einem Teilort der Großen Kreisstadt. Dass er in jungen Jahren beim SV Wurmlingen kickte, erzählt er heute noch mit einem Schmunzeln. 1982 kam er zum Volleyball und war bis in die Landesliga selbst als Zuspieler aktiv. 2002 übernahm er die erste Herrenmannschaft in der Regionalliga und feierte bereits 2003 den Aufstieg in die 2. Bundeliga. Vergleicht er seine Zeit als Spieler mit der als Trainer, findet er schnell Parallelen: „Ich war auf dem Spielfeld schon ehrgeizig und emotional ohne Ende“, so wie man ihn heute im Anzug neben dem Spielfeld kennt. „Als Trainer Müller-Angstenberger hätte ich den Spieler Müller-Angstenberger nicht gerne im Team“ verrät der Saunafan mit einem Lächeln.

Einen „größten Erfolg“ gab es für Müller-Angstenberger in seiner bisherigen Karriere nicht. „Bereits der Aufstieg in die 2. Bundesliga war sensationell, das wir mit dem TVR mal in der 1. Bundesliga spielen werden, daran dachte damals noch niemand“ sagt der Trainer rückblickend. In drei Monaten geht der Erfolgstrainer in die nunmehr vierte Saison in der höchsten deutschen Volleyballliga und hat darüber hinaus einen weiteren Meilenstein mit seinem Team erreicht. „Die Qualifikation für den Europapokal ist ein spektakulärer Schritt für uns, da kann man sich nur immer wieder die Augen reiben.“

Wurde Müller-Angstenberger zu Anfang seiner Karriere von manchen Kollegen aufgrund seiner emotionalen Art noch belächelt, hat sich dieses Bild bei den Meisten gewandelt. Mittlerweile wird er von fast all seinen Trainerkollegen respektiert und geachtet. Denn neben seiner emotionalen, empathischen Art, Volleyball zu leben, überzeugt der Religions- und Deutschlehrer auch mit einem großen Fachwissen. „Hans Peter hat jedes Jahr neue Visionen und hinterfragt die Arbeit seiner Spieler und des Trainerteams immer aufs Neue“ sagt Papenheim über seinen agilen Coach. „Er bleibt somit auch für Spieler interessant, die schon lange im Team sind. In ihm brennt noch immer das Feuer der ersten Stunde und es ist keine Spur von Amtsmüdigkeit bei ihm zu erkennen, er hat noch viele Ideen, um die Mannschaft weiter zu entwickeln“.

Die „Dynamik“, wie es Müller-Angstenberger nennt, war auch ein Hauptargument für sein weiteres Engagement beim TVR. „Jede Saison passiert etwas beim TVR. Wir entwickeln uns auf allen Ebenen stetig weiter und es herrscht kein Stillstand. Es ist daher äußerst sinnvoll, dass ich weitermache und an der weiteren Entwicklung mitarbeite.“ In den kommenden drei Jahren möchte sich der Übungsleiter mit Rottenburg unter den Top 5 der Liga etablieren. „Das ist ein sinniges und gutes Ziel! Mir ist bewusst, dass das schwer genug wird und wir auch Rückschläge verkraften müssen.“ Zumal in Rottenburg weiterhin hauptsächlich auf junge, erfolgshungrige Spieler gesetzt werden soll.

Eng verknüpft mit dem Namen Müller-Angstenberger ist der seines Co-Trainers Oliver Heiming. „Oli ist seit der ersten Sekunde dabei. Im ersten Jahr noch als mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld, danach als gleichwertiger Partner an meiner Seite.“ Müller-Angstenberger legt darauf großen Wert, dass er „im Tandem mit Oli Heiming“ gesehen wird, „auch wenn ich mehr in der Öffentlichkeit stehe und Oli im Hintergrund arbeitet.“

Die neue Saison beginnt am 23. Oktober mit dem Heimspiel gegen den SCC Berlin. „Es ist zwar noch ein Weilchen hin“ sagt Müller-Angstenberger, „aber wir stecken mitten in den Vorbereitungen. Wir wollen topp vorbereitet in die neue Runde starten“. Eins ist klar: Man darf sich auf viele interessante, spannende und unterhaltsame Abende in der Paul Horn-Arena freuen, die ohne Müller-Angstenberger etwas schwerer vorstellbar wären.

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