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Geduld ist gefragt

Bundesligen: Geduld ist gefragt

07.10.2017 • Bundesligen • Autor: Christoph Bernier 301 Ansichten

Lediglich zwei Tage verbleiben, dann beginnt für die Berlin Recycling Volleys die Saison 2017/2018. Der erste Prüfstein ist beim Volleyball Supercup kein Geringerer als der ewige Rivale vom Bodensee, der VfB Friedrichshafen (08. Oktober). Vor dem Start in die neue Spielzeit spricht Geschäftsführer und Manager Kaweh Niroomand über alles, was den Club im Sommer bewegt hat und zukünftig bewegen wird.

Geduld ist gefragt - Foto: Eckhard Herfet

Foto: Eckhard Herfet

Die Sommerpause ist vorüber und endete mit einer Sensation: Die deutschen Männer holten die erste EM-Medaille der Geschichte – wird das dem Volleyball hierzulande einen Schub geben?
Kaweh Niroomand: Das liegt nun an allen Beteiligten im deutschen Volleyball. Die Mannschaft hat auf jeden Fall etwas Großartiges geleistet. Dieser Erfolg darf nicht so untergehen wie die WM-Bronzemedaille von 2014.

Nun liegt der Fokus der Spieler wieder auf den Wettbewerben mit ihren Vereinsmannschaften. Wie schätzt Du das Leistungsvermögen des BR Volleys Teams 2017/18 ein?
Niroomand: Wir haben im Sommer eine Verjüngung des Teams vorgenommen. Einige Spieler werden sich noch entwickeln und insofern kann nicht alles auf Anhieb klappen. Wir müssen Geduld haben und darauf setzen, dass sich die Trainingsarbeit unter unserem neuen Coach in der Entwicklung des Einzelnen und der Mannschaft auszahlt.

Glaubst Du, dass die Vorbereitung unter Luke Reynolds diesbezüglich bereits Früchte trägt?
Niroomand: Er hat auf jeden Fall das mitgebracht, was wir uns erhofft haben: Einen neuen Führungsstil, aktive Kommunikation und die Mitnahme der Spieler bei der Entscheidungsfindung. Beweisen muss sich ein Trainer natürlich in der Wettkampfphase. Auf diese freuen wir uns jetzt!

Welche Ziele gibst Du für die neue Saison aus?
Niroomand: Die Saison wird aus vielerlei Gründen schwerer als die vergangene. Ich glaube, der Kampf um die Spitze wird zwischen vielen Mannschaften ausgetragen. Deshalb müssen wir konsequent daran arbeiten, die Finalspiele in Meisterschaft und Pokal zu erreichen. International steht und fällt nach meinem Dafürhalten viel mit der Auslosung.

Apropos: Wann spielen die BR Volleys nach der riesigen Überraschung im Vorjahr das nächste Mal ein Champions League Final Four?
Niroomand: Diesen Erfolg nimmt uns so schnell keiner mehr. Ob das noch einmal gelingt, hängt aber maßgeblich vom Losglück ab. So ehrlich müssen wir sein.

Trotz dieser Sensation loderte die Berichterstattung darüber eher auf Sparflamme?
Niroomand: Es ist schlichtweg nicht nachvollziehbar, wie sich der Trend speziell beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk permanent in eine Richtung entwickelt. Fernab vom Fußball verdienen die anderen Mannschaftssportarten einfach mehr Beachtung. Fehlt der Mut, auch entgegen der Einschaltquoten diesen Sportarten mehr Aufmerksamkeit zu widmen, bewegen wir uns in einem Teufelskreis. Speziell im Volleyball haben wir auf Vereins- und Nationalmannschaftebene durch unsere internationalen Erfolge gute Argumente geliefert.

Privatsender Sport1 hat das Potenzial der Sportart scheinbar erkannt und ist zumindest in die Live-Übertragung von Spielen der Frauen Volleyball Bundesliga eingestiegen – Deine Meinung dazu?
Niroomand: Ich freue mich sehr für den Volleyball und die Frauenliga. Dennoch bedauere ich, dass die Männer keine Berücksichtigung gefunden haben. Insgesamt ist die Popularität der männlichen Teams in Deutschland meines Erachtens höher, deshalb ist die Entscheidung für mich nicht ganz nachvollziehbar. Hoffen wir, dass es ein Anfang ist, von dem später alle profitieren.

Die Nachwuchsarbeit war während der vergangenen Saison bereits ein wichtiges Thema – sind Fortschritte erkennbar?
Niroomand: Es ist uns gelungen, aus einer Vision ein konkretes Konzept zu erarbeiten. Dafür müssen wir nun nach Möglichkeit alle Berliner Volleyballvereine begeistern. Das ist kein einfaches Unterfangen, aber ich bin optimistisch. Wir etablieren ein umfangreiches Sichtungssystem und wollen Synergien schaffen, um sowohl den Breiten- als auch den Spitzensport zu fördern. Die Zahl unserer Unterstützer wächst. Ich freue mich aber, wenn sich dieser Kreis in den nächsten Jahren noch deutlich erweitert.

2015 wurde die Vision „BR Volleys 2020“ ins Leben gerufen. Bald ist Halbzeit. Wie lautet Dein Zwischenfazit?
Niroomand: In vielen Bereichen haben wir unsere selbst gesteckten Ziele bereits erreicht oder werden dies schaffen. Vor allem sportlich haben wir das Maximum herausgeholt: die Meisterschaft gewonnen und verteidigt, endlich wieder den Pokal geholt und zwei großartige Jahre auf der internationalen Bühne gehabt (CEV-Cupsieger und Final-Four-Teilnahme). Im administrativen Bereich sind die Schritte kleiner. Der Kampf um das sportbegeisterte Berliner Publikum ist ebenso ein harter wie das Werben um Sponsoren innerhalb der Sportmetropole. Auch 2017/18 werden wir mit innovativen Ideen versuchen, uns in den Bereichen „Marke und Fanerlebnis“, „Medienpräsenz“ und „Vertriebsstruktur“ weiter zu verbessern.

 

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