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„Da muss mehr kommen“ - Jörg Krick zur Lizenzvereinbarung für die Frauen-Bundesliga mit SPORT1

Bundesligen: „Da muss mehr kommen“ - Jörg Krick zur Lizenzvereinbarung für die Frauen-Bundesliga mit SPORT1

08.09.2017 • Bundesligen • Autor: Jan Wüntscher 1017 Ansichten

Zehn Hauptrundenspiele der Volleyball Bundesliga-Saison 2017/18 werden im gesamten deutschsprachigen Raum live im frei empfangbaren Fernsehen auf SPORT1 zu sehen sein. Diese erfreuliche Meldung konnte das Berliner VBL-Center heute verkünden. Alte und neue Männervolleyball-Fans, die gerade noch beim EM-Finale mit den deutschen Silber-Helden mitgefiebert haben, werden davon allerdings nach aktuellem Stand der Dinge nicht profitieren.

„Da muss mehr kommen“ - Jörg Krick zur Lizenzvereinbarung für die Frauen-Bundesliga mit SPORT1 - Foto: United Volleys

United Volleys-Geschäftsführer Jörg Krick hat sein Team 2015 in die 1. Volleyball Bundesliga gebracht und mit der jüngsten aller Mannschaften seitdem zwei Mal Bonze in der Meisterschaft und ein Europapokal-Halbfinale erreicht (Foto: United Volleys)

Die mit SPORTDEUTSCHLAND.TV geschlossene Lizenzvereinbarung beinhaltet ausschließlich Spiele aus der Frauen-Bundesliga. Jörg Krick, Geschäftsführer und Investor des Meisterschaftsdritten der zurückliegenden beiden Jahre, der United Volleys Rhein-Main, bezeichnet das als nicht nachvollziehbar.

FRAGE: Ausschließlich Frauen-Volleyball live im TV – eine Enttäuschung oder ein erster Schritt?

KRICK: Für die Vereine der Frauen-Bundesliga ist das natürliche eine gute Nachricht und verdiente Belohnung für engagierte Arbeit. In der aktuellen Situation aber auf jeden Fall auch eine große Enttäuschung und für mich absolut unverständlich. Unsere Männer-Nationalmannschaft hat mit dem Vize-Europameistertitel und den unglaublich spannenden und hochklassigen Spielen bei der EM in Polen einen echten Hype verursacht, den es – anders als bei WM-Bronze vor drei Jahren – unbedingt zu nutzen gilt. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Leute, auch Medienvertreter, mich in den vergangenen Tagen darauf angesprochen haben, wie großartig sie unseren Sport bei den frei empfangbaren Spielen im Halbfinale gegen Serbien und im Finale gegen Russland erlebt haben.

FRAGE: Was ist diesmal denn anders als bei der WM 2014 oder auch der Frauen-EM im eigenen Land 2013?

KRICK: Ich zumindest hätte mir bis vor kurzem nicht vorstellen können, dass das ZDF-Sportstudio einmal eine Sendung mit einem so tollen und emotionalen Beitrag über eine gerade zu Ende gegangene Volleyball-EM eröffnet. Natürlich hat dabei eine Rolle gespielt, wie das Team unter dem neuen Bundestrainer Andrea Giani gegen die Giganten des Weltvolleyballs aufgetreten ist. In Gianis Heimat Italien, wo der Mann eine der größten Sportlegenden überhaupt ist, haben 2,4 Millionen Menschen das Gruppenspiel Deutschland gegen Italien am TV verfolgt, das muss man sich einmal vorstellen. DVV-Präsident Thomas Krohne kann man gar nicht genug dafür danken, dass er es geschafft hat, die entscheidenden Matches auch in Deutschland für alle Zuschauer kostenlos zugänglich zu machen. Dass die EM-Übertragungen vorher nur im Pay-TV gelandet sind, lag ja daran, dass kein deutscher Sender Interesse hatte.

FRAGE: Was müsste Ihrer Meinung nach nun passieren?

KRICK: Wenn es nach so langer Zeit nun die Chance gibt, die Volleyball Bundesliga ins Free-TV zu bekommen, darf das auch kurzfristig nicht auf die Frauen beschränkt bleiben, da muss mehr kommen. SPORT1 hat von den Volleyballfans zu Recht viel Lob für die EM-Final-Berichterstattung erhalten, da muss man jetzt noch einmal draufsatteln. Wenn ich allein sehe, wie unsere beiden EM-Stammspieler zurzeit gefragt sind, wäre alles andere unverzeihlich. In Polen und Italien sind das jetzt Topstars und auch bei uns werden die Jungs jetzt ganz anders wahrgenommen. ARD und ZDF konnten bislang schon für einen niedrigen fünfstelligen Betrag Bewegtbilder aus der Volleyball Bundesliga zeigen, während für Fußball Millionen ausgegeben werden und noch das letzte Freundschaftsspiel übertragen wird. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, den deutschen Sportfans mehr und vielfältigere Spitzenleistungen zu bieten als nur diese Monokultur.

FRAGE: Was muss aus Ihrer Sicht noch passieren, um Volleyball in Deutschland einen anderen Stellenwert zu verschaffen?

KRICK: Wir brauchen weitere und nachhaltige Erfolge auf Grundlage einer durchdachten Nachwuchsförderung. Bei uns spielen drei junge Mitglieder des aktuellen Nationalteams, dazu sechs weitere Deutsche. Bei anderen Clubs haben wir da wohl durchaus einen Trend gesetzt. Der HR hat in diesem Jahr unser Europacup-Halbfinale live gezeigt, es bewegt sich also etwas. Wir haben deutsche Olympiasieger und Weltmeister im Beachvolleyball, Medaillengewinner und Champions League-Finalisten in der Halle – Wenn die Sender Volleyball mit seiner ganzen Dramatik professionell präsentieren, dann werden auch die Quoten stimmen. Millionen von Menschen spielen hierzulande Volleyball, in den Vereinen oder individuell organisiert. In Italien und Polen schaut die ganze Nation Volleyball im Fernsehen. Da wird es Zeit, dass auch bei uns wieder eine faire und gleiche Behandlung der großen Mannschaftssportarten in den Medien sichergestellt wird. Davon würden alle profitieren, an vorderster Stelle Unternehmen, die ihre Marke in einem werthaltigen und positiven Umfeld platzieren wollen.

 

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