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Anke Borowikow (1. VC Wiesbaden): Eine Frau mit vielen Gesichtern

Bundesligen: Anke Borowikow (1. VC Wiesbaden): Eine Frau mit vielen Gesichtern

09.12.2010 • Bundesligen • Autor: DVL 4823 Ansichten

Achtzig Quadratmeter maß die Werbefläche und war damit in etwa so groß wie ein halbes Volleyballfeld mit seinen neun mal neun Metern. Dazu kam: Sie lag mitten im Herzen Wiesbadens, an der Brandmauer der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, Ecke Rheinstraße/Schwalbacher Straße. Es soll nicht wenige Autofahrer gegeben haben, die zumindest für einen sprichwörtlichen Augenblick nicht mehr den Straßenverkehr im Visier hatten.

Anke Borowikow (1. VC Wiesbaden): Eine Frau mit vielen Gesichtern - Josephine Dörfler, Steffi Lehmann und Anke Borowikowt - Foto: http://www.ulrich-wolf.de

Josephine Dörfler, Steffi Lehmann und Anke Borowikowt - Foto: http://www.ulrich-wolf.de

Drei überaus attraktive Spielerinnen des 1. VC Wiesbaden machten auf dem Banner Werbung für sich, ihr Team, ihren Sport, und natürlich für einen Werbepartner: Anke Borowikow, Josephine Dörfler und Steffi Lehmann, mit flatternden Haaren, gestylt wie Models und weit aufgerissenen Mündern. „Wir sollten einfach mal schreien”, sagt Anke Borowikow. Schrill, aber über alle Maßen sympathisch kommt die Anmache rüber.

Hier ein Link zur Bildergalerie: http://www.volleyball-bundesliga.de/echtestarsborowikow

Ungewöhnlich war auch die Bekleidung des Trios, das heißt, auffällig war eher die Kombination: Trikot, Sporthose und dazu High Heels zur Betonung der „längsten Beine Wiesbadens.” Das war das Motto der Werbeaktion. In Szene gesetzt wurden die Spielerinnen von dem Fotografen Ulrich Wolf, der auch schon für „Germanys Next Topmodels” tätig war. „Er ist ein echter Profi, bei dem es nicht schwer war, gut aus zu sehen”, sagt Borowikow. Herausgekommen ist bei dem Shooting mit dem kompletten Team auch ein Kalender, praktischerweise einer für die nächsten beiden Jahre. Anke Borowikow ziert das Kalenderblatt im August 2011 in einer Mercedes-Limousine sitzend. Für 2012 kann man sie im Mai im Stil einer Zeichnung des US-Künstlers Roy Lichtenstein anschauen.

Für die Mittelblockerin, die am 13. Dezember ihren 24. Geburtstag hat, sind PR-Aktionen wie diese eine Selbstverständlichkeit: „Das gehört dazu, genauso wie die Treffen mit Sponsoren, die uns gern mal persönlich kennen lernen wollen.” Wiesbadens Spielerinnen sind vielseitig einsetzbar. Ob beim Ball des Sports in der hessischen Landeshauptstadt, bei der Kalenderpräsentation im Ramada-Hotel oder bei Eröffnungen von Kunstausstellungen im Achims Rat-Haus, einer Bürger-Begegnungsstätte, die VCW-Manager Achim Exner ins Leben gerufen hat. Und damit gleich jeder weiß, mit wem er es zu tun hat, kommen sie wie kleine Stars in Autos vorgefahren, auf deren Windschutzscheibe geschrieben steht: „Hier kommt Anke…” Damit fallen sie auf, sagt Anke Borowikow. Sehen und gesehen werden. Wie bei den Fotos, deren erotischer Touch für sie nicht übertrieben ist: „Erstens sind wir auf dem Plakat in Trikots und Hosen zu sehen. Nur das Schuhwerk ist anders. Und zweitens machen wir da keine komischen Posen oder bieten einen Schlafzimmerblick.”

Vielleicht haben viele Wiesbadener Anke Borowikow auch schon mit einer gänzlich anderen Bekleidung und Ausrüstung mitbekommen, nur, dass sie es in dem Moment nicht bemerkt, geschweige sie erkannt haben: Seit Oktober 2009 hat sie beim Arbeiter-Samariter-Bund eine Ausbildung zur Rettungsassistentin gemacht. Beim Schichtdienst in der Rettungswache Bierstadterstraße in Wiesbaden und Einsätzen im Rettungswagen trug sie die ASB-typische Sanitäter-Uniform in roten und gelben Farben. Das erste Jahr mit viel Theorie und einem Praktikum in einer Klinik hat sie hinter sich. Nun steht das zweite an mit rund 1600 Stunden auf dem Einsatzwagen und sie weiß, dass es unschöne Situationen geben wird: „Bislang hatte ich noch Glück.” Wie anstrengend der Job ist, hat sie bereits erfahren: „Ich mache mehrmals in der Woche Krafttraining und bin sicher sehr fit. Doch wenn man einen Menschen drei Stockwerke durchs Haus zum Rettungswagen tragen muss, weil es keinen Aufzug gibt, dann ist man hinterher platt.” Echte Menschen sind sich eben für nichts zu schade.

Dazu kommen die Arbeitszeiten als Herausforderung, die Frühschicht beginnt oft um fünf, sechs Uhr. Da bleiben nach der Rückkehr von einem Auswärtsspiel nicht viele Stunden zum Schlafen. „Aber ich will es so haben. Wenn ich was mache, dann auch richtig”, sagt sie. Die Ausbildung dient als Überbrückung für die Wartezeit auf einen Platz für ein Medizinstudium, dem großen Traum. Vorbild ist eine Großmutter, die sich in Russland zur Kinderärztin ausbilden ließ und in Berlin gearbeitet hat: „Die hat heute noch Kontakt zu Kindern, die sie mal betreut hat und die längst das Erwachsenenalter erreicht haben.”

Anke Borowikow ist aufgewachsen in Grüntal im Landkreis Barnim in Brandenburg. Zum Volleyball kam sie über eine Freundin, mit der sie gemeinsam Blockflöte gespielt hat. Die Freundin landete auf einer Musikschule, Anke Borowikow auf dem Volleyball-Internat in Berlin. Schon da hat sie im Vorfeld erklärt: „Ich mache das nur, wenn ich dort wirklich weiter komme und was lerne.” So hat sie es bei all ihren bisherigen Stationen gehalten, kein Wechsel war unbedacht. Über Berlin kam sie nach Braunschweig, wo sie auch das Abitur gemacht hat. Von dort ging es nach Leverkusen, dann nach Hamburg und nun spielt sie in der zweiten Saison in Wiesbaden. „Das waren alles keine Vereine mit großen Titelgewinnen. Aber mir ist wichtig, immer was zu Neues zu erreichen.”

Auf der sportlichen Karriereleiter ging es stetig nach oben: Vizepokalsieger mit Hamburg, Vizemeister mit Wiesbaden, drei Nominierungen für das DVL Allstar Team und zuletzt zwei Einladungen zur Nationalmannschaft. Die aber bislang unter keinem guten Stern standen: „Im letzten Jahr hatte Bundestrainer Guidetti mir im Trainingslager in Kienbaum gesagt, was er im Sommer mit mir plant. Am nächsten Tag habe ich mir am Daumen eine palmare Platte gerissen und das war’s.” In diesem Jahr war sie kurz dabei, dann hatte eine Prüfungsphase beim ASB Priorität. Sollte Guidetti im Sommer 2011 wieder anklopfen, „sage ich ja, mache aber alles vom Studienplatz abhängig.”

Sie weiß, dass das Leben als Volleyballprofi keine Lösung für die Ewigkeit ist: „Meine Eltern sagen auch immer, in ein paar Jahren kann Schluss sein und darauf will ich vorbereitet sein.” Es reicht ihr nicht, nur als Profi zu leben: „Ich brauche auch andere Herausforderungen.” Vor ein paar Wochen hat sie mit dem Gitarrespielen angefangen. Die Finger tun noch weh, weil sie zu verkrampft spielt. Aber es gibt Ziele: „Am Saisonende will ich den anderen was vorspielen können.”

Neue sportliche Abenteuer stehen ebenfalls an. Im Dezember erlebte der 1. VC Wiesbaden seine Premiere im Europapokal: „Darauf habe ich mich gefreut, weil ich mich noch nie international messen durfte.” Zum Einstand gab es in der zweiten Runde des Challenge Cups ein 3:0 bei Iraklis Thessaloniki.

Am 15. Dezember folgt das Rückspiel gegen die Griechinnen in eigener Halle. Genug Werbung haben Borowikow und ihr Team gemacht, nun wollen sie auch reichen Lohn ernten. Dass die Hingucker mal zum Nachteil werden, weil von „Frau Doktor angeblich kompromittierende Fotos existieren”, dazu hat sie auch eine klare Meinung: „Das wäre schon stark konservativ und das ist nicht mein Ding.”

Steckbrief: Anke Borowikow
Geburtsdatum: 13.12.1986
Geburtsort: Berlin
Größe: 1,86 Meter
Familienstand: ledig
Beruf: Volleyballprofi, Ausbildung zur Rettungsassistentin
Position auf dem Feld: Mittelblock
Verein: 1. VC Wiesbaden (1. Bundesliga)
Bisherige Vereine: VCO Berlin, USC Braunschweig, TSV Bayer 04 Leverkusen, VT Aurubis Hamburg
Erfolg: Meister 2. Liga (mit Braunschweig), Zweiter im Pokal (2008 mit Hamburg), Zweiter in der Meisterschaft (2010 mit Wiesbaden)

Bildhinweis:
Ein echter Hingucker – Josephine Dörfler, Steffi Lehmann und Anke Borowikow (von links) auf einem überdimensionalen Werbeplakat. Foto: http://www.ulrich-wolf.de

 

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