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20.12.2011 - DVV - Quelle/Autor: DVV

Werner von Moltke: „Ich glaube, wir können mit sechs Teams in London sein“

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Foto: CEV
Für Werner von Moltke war 2011 das 15. Jahr als DVV-Präsident. 2013 will er sein Amt spätestens zur Verfügung stellen. Wie in den Jahren zuvor zieht der „oberste Volleyballer Deutschlands“ im Interview der Woche Bilanz und blickt zurück auf Erfolge, weniger gute Momente und wagt auch einen Ausblick.

Herr von Moltke, das Jahr 2011 neigt sich dem Ende entgegen. Wie fällt ihr sportliches Fazit aus?
Von Moltke: „Am Ende sehr positiv. Die Beacher haben sich hervorragend geschlagen und haben ihre Position in der Weltspitze bestätigt. In der Halle haben sich die Männer nach dem schwachen Abschneiden bei der EM berappelt. Mit dem Turniersieg in Frankreich haben sie sich zwei Qualifikations-Chancen für London 2012 erarbeitet. Bei den Frauen fing das Jahr mit dem Grand Prix nicht so toll an, aber die EM und der World Cup waren herausragend. Dies wurde auch bei der Wahl „Mannschaft des Jahres“ mit Platz acht zu Recht gewürdigt.“

Was war ihr schönstes DVV-Erlebnis 2011?
Von Moltke: „Zum einen natürlich die WM-Bronzemedaille von Brink/Reckermann. Es ist einfach phantastisch, dass sie nach WM-Gold 2009 abermals eine Medaille erreichten und zeigt, dass sie ein absolutes Ausnahme-Duo sind. Und natürlich auch das EM-Endspiel der Frauen in Belgrad, zumal ich 1962 bei der Zehnkampf-EM ebenfalls Zweiter wurde. Ich wurde damals um vier Punkte geschlagen. Da habe ich mich nach der knappen 2:3-Niederlage dran erinnert.“

Was das schlimmste?
Von Moltke: „Der Tod von Ulrich Marscheck während unseres Hauptausschusses in Erfurt hat mich sehr getroffen.“

Die deutschen Spielsportarten werden in London rar gesät sein. Poliert der DVV die bisher sehr magere Bilanz (nur die Hockey-Teams sind bis jetzt dabei) auf? Mit wie vielen Teams rechnen Sie in London?
Von Moltke: „Ich hoffe auf fünf Teams, glaube aber, dass es sogar alle sechs Teams schaffen können. Ich sehe das als realistisch an, da beide voraussichtlich noch zwei Qualifikationschancen haben. Ich bin zuversichtlich für 2012, der DVV hat die große und einmalige Chance, sich unter den Spielsportarten hervorragend zu präsentieren.“

Sähen Sie das als große Chance für den Volleyballsport, noch mehr als bei Olympischen Spielen eh schon ins Rampenlicht zu rücken und dann auch für Nachhaltigkeit zu sorgen?
Von Moltke: „Wir haben gesehen, dass unsere Frauen nach den großen Erfolgen im Aktuellen Sportstudio des ZDF waren. Auch Brink/Reckermann waren nach ihrem WM-Sieg dort. Wenn wir stark in London vertreten sind und uns dort gut verkaufen, dann wird das in der Medien- und hoffentlich auch in der Sponsorenlandschaft für Nachhaltigkeit sorgen. Und: Die Spielsportarten gelten in einer Olympiamannschaft als verbindendes und belebendes Element, das ist auch für den Zusammenhalt der gesamten Olympiamannschaft nicht zu unterschätzen. Deswegen wäre eine starke Volleyball-Fraktion nach dem bisherigen Scheitern im Basket-, Fuß- und Handball für das gesamte deutsche Team sehr wichtig.“

Es gab nicht nur Sonnenschein 2011. Männer-Bundestrainer Raúl Lozano wurde entlassen. Wie sieht es mit der Nachfolge-Regelung aus?
Von Moltke: „Die Nachfolgeregelung ist noch nicht entschieden. Es werden noch Gespräche mit der Mannschaft geführt, das halten wir für sehr wichtig. Das Fazit des Turniers in Frankreich war sehr gut, aber es sind viele Komponenten, die bedacht werden müssen. Einen Trainer aus dem Ausland schließe ich für die Olympia-Qualifikation im Mai und Juni eigentlich aus, dafür ist die Zeit einfach zu knapp. Spätestens im Februar muss die Entscheidung gefallen sein.“

Stichwort Nachfolge-Regelung: Sie haben auf dem Hauptausschuss in Erfurt angekündigt, spätestens 2013 aufzuhören, aber ergänzt, auch schon nach den Olympischen Spielen abtreten zu können, wenn sich etwas mit der Nachfolge getan hat. Wie sieht es damit aus?
Von Moltke: „In Erfurt wurde beschlossen, eine Findungs-Kommission zu gründen. Die nimmt im Januar ihre Arbeit auf. Bei der ersten Sitzung werde ich auch dabei sein, um das Anforderungsprofil zu umschreiben. Wenn 2012 jemand da ist, der möchte und die Mehrheit hat, trete ich zurück. Denn ein olympischer Rhythmus ist natürlich ideal. Ist das nicht der Fall, trete ich definitiv 2013 zurück.“

Es wird immer schwieriger, junge Menschen für den Sport zu begeistern. Der Mitgliederrückgang macht auch nicht vor dem Volleyballsport halt. Wie will der DVV diesem entgegenwirken bzw. diesen stoppen?
Von Moltke: „Wir haben die Aktion Mitglieder finden und binden. Diese muss ausgebaut werden und noch effektiver werden. Alle Fachverbände haben diese Probleme in diesem großen Verdrängungswettbewerb. Die Attraktivität muss gesteigert werden. Da müssen Profis ran, da muss man sich Gedanken machen und Hilfe holen, um in der neuen Gesellschaft die weniger werdenden Kinder für den Volleyballsport zu motivieren und zu begeistern. Und natürlich gilt es, die aktuellen Mitglieder zu binden. Was müssen wir machen, damit sie beim Volleyball bleiben, welche Inhalte muss der Volleyballsport bieten, um “

Der DVV plant 2012, den smart Grand Slam in Berlin, die Olympia-Qualifikation in Berlin sowie die World League auszurichten. 2013 kommen die besten europäischen Frauen-Nationalteams nach Deutschland zur EM (gemeinsam mit der Schweiz). Wie kann der DVV dies finanziell und personell eigentlich stemmen?
Von Moltke: „Wir haben in beiden Segmenten Probleme. Personell bleiben wir gleich aufgestellt, aber die Aufgaben werden größer. Die Anforderungen und Fees der CEV und FIVB werden höher und teurer – das wird auf Dauer sehr schwierig für den DVV. In anderen Ländern spielt Volleyball eine höhere Rolle, z.B. in Polen oder der Türkei. Die haben keine Probleme mit dem Fernsehen und Sponsoren. Wir müssen es einfach schaffen, über sportliche Erfolge und persönliche Kontakte an Attraktivität zuzulegen.“

Was wünschen Sie sich für 2012?
Von Moltke: „Ich wünsche unseren Athleten alles Gute für 2012 und den bestmöglichen Erfolg im olympischen Jahr. Die Attraktivität der Sportarten Beach-Volleyball und Volleyball soll von noch viel mehr Leuten erkannt und geschätzt werden. Auch im Verband erwünsche ich mir offene Aussprachen und noch größere Effektivtät in unserer Arbeit.“

Zum Abschluss haben Sie die Möglichkeit, ein paar präsidiale Worte an die Mitglieder und die Volleyballern in Deutschland zu richten.
Von Moltke: „Ich würde mich freuen, wenn so viele Mitglieder und Fans wie möglich, den Weg zu unseren Top-Veranstaltungen 2012 finden. Unsere Mannschaften, seien es die Beacher beim Grand Slam in Berlin oder die Männer in der World League und der Olympia-Qualifikation benötigen und verdienen die Unterstützung. Was ein begeistertes Publikum bewirken kann, haben wir 2008 in Düsseldorf erlebt – die Volleyball-Familie in Deutschland muss einfach zusammen halten! Ich danke den Landesverbänden, der Deutschen Volleyball-Liga und unseren Partnern aus der Wirtschaft für die Zusammenarbeit und Unterstützung in diesem Jahr und wünsche allen Volleyballern frohe Weihnachtstage und einen guten Rutsch in das Neue Jahr.“

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