Die ersten vier Wochen WM-Vorbereitung liegen hinter den DVV-Männern. Bundestrainer Raúl Lozano forderte seine Spieler teilweise bis zu sechs Stunden täglich und legte zunächst vor allem Wert auf die athletische Vorbereitung auf die WM-Endrunde in Italien (25. September bis 10. Oktober).
Im zweiten Teil der Vorbereitung werde es um das Zusammenspiel, das Finden einer Stammformation und den Spielrhythmus gehen, so der Bundestrainer. Die Länderspiele gegen den Olympia-Dritten Russland am 3. September in Nordhausen (19.30 Uhr) und 4. September in Dessau (16.00 Uhr) sollen erste Aufschlüsse geben. Dann ist Christian Fromm (VfB Friedrichshafen) nicht mehr dabei. Er wurde als erster Akteur aussortiert.
Zu Beginn Mittelblocker Stefan Hübner mit gesundheitlichen Problemen (Knie, Patellasehne), am Ende Zuspieler Patrick Steuerwald (Bauchmuskelzerrung) und Libero Sebastian Prüsener (Infektion Atemwege) nicht einsatzfähig. Ähnlich erging es Mittelblocker Lukas Bauer (Adduktoren), seinem Kollegen Max Günthör (Hüftprellung) sowie anderen...
Das knapp vierwöchige WM-Vorbereitungscamp im August im Bundesleistungszentrum Kienbaum, östlich von Berlin, hat Spuren hinterlassen. Aber bei Cheftrainer Raúl Lozano im Hinblick auf die WM in Italien keine ausgemachten Sorgenfalten produziert. Denn, "dass bei diesem hartem Programm, bei dieser hohen Intensität irgendwelche körperlichen Probleme auftauchen oder sich Blessuren einstellen, ist das Normalste der Welt", sagt der Argentinier mit italienischen Wurzeln und entsprechendem Doppelpass. Bei keinem der erwähnten Akteure sei die Gefahr des WM-Verzichts gegeben.
Gelegenheiten zur mentalen bzw. körperlichen Erholung boten die Wochenenden, an denen die 17 WM-Kandidaten trainingsfrei hatten. Einen Heimbesuch unternahmen, einen Kurztrip zur Beach-Volleyball EM in Berlin oder –DM in Timmendorfer Strand oder Lebensgefährtinnen/Freundinnen in Kienbaum empfingen. Zwei Grillabende sollten etwas Entspannung bringen. Der zweite nach zwei Fünf-Satz-Trainingsspielen mit dem ein paar Tage anwesenden WM-Teilnehmer Spanien...
Lozano lobte den Trainingseinsatz seiner Schützlinge. Da gäbe es nichts zu bemängeln, meinte er. Mitgeholfen dürfte ihm dabei der kleine psychologische Trick, die endgültige Festlegung auf den 14-er WM-Kader bis kurz vor WM-Anpfiff offen zu lassen. Und erst nach den kommenden Testspielen gegen Russland und Brasilien in Deutschland und zwei Vergleichen in Italien die Namen bekannt zu geben.
Zu den Spekulationen, ob er drei Mittelblocker, zwei Zuspieler, fünf Außenannahmespieler und zwei Diagonalangreifer nominieren werde, sagte der seit 2009 verantwortliche Bundestrainer: "Es gibt nur eine Vorgabe des Weltverbandes - im 14-er Team müssen zwei Liberos stehen. Alles andere ist offen und kann von jedem Trainer anders entschieden werden."
Zuspieler Patrick Steuerwald zu der Reaktion der Mannschaft: "Dadurch ist jeder im Training hochmotiviert, weil sich jeder über entsprechende Leistungen im Training oder in den Testspielen empfehlen kann."
Lozano, dessen Vertrag mit dem DVV bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London reicht, zeigte sich sehr angetan davon, dass für die letzte Etappe der diesjährigen WM-Präparation solche „Hochkaräter“ wie Brasilien (WM-Titelverteidiger, Weltranglistenerster am 17. September in Ludwigsburg, am 19. September in Rüsselsheim, am 21. September in Heidelberg), Russland (Dritter der Weltrangliste, Zweiter des World League-Finals) und Italien (10. und 12. September in Italien) verpflichtet werden konnten. "Das zeigt, dass man die Fortschritte der deutschen Mannschaft schätzt. Über diese Akzeptanz bin ich ein bisschen stolz, denn sie reflektiert ja auch mein Bemühen. Zudem könnten diese Begegnungen helfen, das Selbstvertrauen der Spieler zu stärken und die Spielsicherheit zu erhöhen."
Auf die Frage, mit welchem Abschneiden in Italien er enttäuscht, zufrieden oder glücklich wäre, sagte er: "Enttäuscht wäre ich mit einer Platzierung hinter den zehn Top-Teams, zufrieden mit einem Rang acht bis zehn und glücklich, wenn wir unter die besten Acht kommen würden." Bei der WM 2006 und beim olympischen Turnier 2008 war die deutsche Nationalmannschaft - noch nicht mit Lozano am Regiepult - jeweils Neunter.
Der deutsche Kader: Lukas Bauer, Marcus Böhme (VfB Friedrichshafen), Christian Dünnes, Stefan Hübner (evivo Düren), Max Günthör, Denis Kaliberda, Ferdinand Tille (Generali Haching), Sebastian Prüsener (ohne Verein), Manuel Rieke (Netzhoppers KW-BESTENSEE), Georg Grozer (Rzeszow/POL), Robert Kromm (Ural Ufa/RUS), Jochen Schöps (Odintsovo/RUS), Sebastian Schwarz, Patrick Steuerwald (Perugia/ITA), Simon Tischer (Ankara/TUR), Björn Andrae (Kemerovo/RUS)
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