Teneriffa statt Thailand heißt das Motto zum Saison-Abschluss für die besten deutschen Beach-Volleyballerinnen. Auf der Kanaren-Insel werden die EM-Dritten Sara Goller und Laura Ludwig (Hamburg) am ersten Oktoberwochenende gemeinsam mit dem Duo Katrin Holtwick/Ilka Semmler (Essen) am Nationen-Turnier zur Olympiaqualifikation teilnehmen.
„Normalerweise sind unsere beiden Teams ja die ganze Zeit stets als Konkurrenten unterwegs. Doch diesmal bilden wir gemeinsam eine Mannschaft für Deutschland und werden uns gegenseitig anfeuern. Das ist cool und das macht uns einen Riesenspaß“, berichtet die gebürtige Berlinerin Laura Ludwig. „Natürlich wollen wir beide Olympia-Tickets für unseren Verband am liebsten direkt über die Weltrangliste bekommen. Aber falls das nicht klappt, können wir den zweiten Startplatz über diese neuen Modus absichern."
Weil das Finale auf der Weltserie erst einen Monat später im thailändischen Phuket stattfindet, werden Ludwig/Goller die Saison 2011 nach ihrer „kanarischen Dienstreise“ schon vorzeitig beenden. „Es wäre schwer, anschließend noch vier Wochen die Spannung zu halten. Außerdem waren wir jetzt fast ein halbes Jahr pausenlos gemeinsam unterwegs und freuen uns auf den Urlaub“, gesteht Laura Ludwig, die jüngst von der Fachzeitschrift „Volleyball-Magazin“ zum dritten Mal in Folge zur „Volleyballerin des Jahres“ gewählt wurde.
Ferien bedeuten für die 25-jährige Abwehrspezialistin und ihre Partnerin vorne am Netz in erster Linie, „ein paar Wochen mal nichts voneinander hören und sehen.“ Vor neun Jahren fassten die beiden 1,80 Meter großen Athletinnen als Hallen-Volleyballerinnen beim Bundesligisten Bayer Leverkusen den Entschluss, eine gemeinsame Kariere im Sand und am Strand zu starten. Seitdem teilen sie sich auf der Welttour zwischen Rio de Janeiro, Schanghai oder den europäischen Stationen fast immer ein Doppelzimmer und leben zusammen „wie ein altes Ehepaar“ - einschließlich mancher kleiner Zickereien. „Na ja, das bleibt natürlich nicht aus. Doch insgesamt haben wir ein sehr gutes Verhältnis.“
Dessen ungeachtet braucht es immer auch Phasen des wechselseitigen Freiraums. Welche Zeit wäre dafür geeigneter als die zwischen Saisonende und Aufbautraining? „Es ist ganz wichtig, dass jeder auch Mal eigene Wege geht und man etwas Abstand voneinander gewinnt. Das gehört dazu wie in jeder gut funktionierenden Beziehung“, unterstreicht Laura Ludwig und sie freut sich schon jetzt auf die Tage bei ihrem Freund in Osnabrück.
Die gemeinsame Basis der Europameisterinnen von 2008 und 2010, die bei den Olympischen Sommerspielen in Peking als Debütanten auf Platz neun stürmten und seitdem kontinuierlich zu den weltweit zehn besten Beach-Duos gehören, ist und bleibt jedoch Hamburg. Hier werden die beiden jungen Frauen zwischen den Turnieren und in Zeiten des „Heimaturlaubs“ vom Olympiastützpunkt bestens betreut. In der Hansestadt arbeiten Ludwig/Goller zudem regelmäßig mit ihrem speziellen Athletik-Trainer Hauke Mayer-Koop zusammen, den sie dank der Aufnahme in das neue Förderprogramm „ElitePlus“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe sogar schon einmal privat zu einem Weltserien-Turnier mitnehmen konnten.
„Wirtschaftlich sind wir ja auf der ganzen Tour weitestgehend auf uns allein gestellt. Wenn man alle Kosten selber trägt, ist so ein Stipendium schon eine Riesenhilfe und erweitert die finanziellen Spielräume etwas“, erklärt Laura Ludwig den Wert der 18mal 1.500 Euro, die bis zu den Olympischen Spielen im nächsten Jahr monatlich von der Sporthilfe fließen. „Es ist ja nicht so, dass wir immer die großen Favoritinnen sind und pausenlos die Siegprämien kassieren.“ Für London 2012 dürfen sich die amtierenden deutschen Meisterinnen, die in der Szene längst von den zunächst „jungen Wilden“ zu den Etablierten avancierten, durchaus Medaillenchancen ausrechnen – schließlich ist „Elite Plus“ nur für solche Athleten reserviert.
Die gezielte Vorbereitung auf die olympische Saison startet für die amtierenden deutschen Meisterinnen im November in Hamburg bei Hauke Mayer-Koop, ehe es anschließend wie üblich an den Strand in der neuseeländischen Heimat ihres eigentlichen Trainers Craig Seuseu geht. Auf der Südseite wird nicht nur weiter Kondition gebolzt, sondern ab Januar auch das eine oder andere kleinere Turniere gespielt. „Manchmal bereiten sich um diese Zeit auch einige andere Weltklasse-Teams dort vor, so dass wir vielleicht gute Sparringspartner haben.“
Gut möglich, dass Laura Ludwig und Sara Goller ihren globalen Aktionsradius nach Olympia 2012 zugunsten ihrer beruflichen Qualifikation etwas einengen werden. „Bis jetzt haben wir nur bis zu den Sommerspielen geplant und über die weitere Perspektive noch gar nicht gesprochen, denn momentan haben wir sowieso keine Zeit, etwas anderes zu machen. Die Konzentration gilt 100 Prozent dem Sport. Doch irgendwann ist Schluss damit und dann soll es kein böses Erwachsen geben.“
Entsprechend denkt die Abwehrspezialistin, die sich später ein Leben als Grundschullehrerin vorstellen könnte, schon mal ein bisschen voraus. Das Sportliche nach 2012 mit dem pädagogischen Studium zu verquicken, das würde ganz gut mit den Intentionen ihrer Beach-Partnerin zusammenpassen. Sara Goller möchte nach Olympia ganz gern ihr Politik-Studium an der Fern-Universität Hagen vorantreiben.
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