Es war die Woche der kleinen und großen Sensationen sowie der dramatischen Spiele: Die deutschen Volleyball-Topklubs haben im Kampf um Qualifikationen für die nächsten Runden in den Europapokal-Wettbewerben für das beste Abschneiden deutscher Teams seit Jahren gesorgt und in den Rankings der europäischen Volleyballverbandes CEV weiter Boden gut gemacht. Einige Teams, wie Generali Haching oder der VfB Friedrichshafen bewirkten kleine Volleyballwunder in der Champions League. Andere, wie die Roten Raben Vilsbiburg oder die BR Volleys, verpassten das Weiterkommen im CEV-Cup nur um Haaresbreite beziehungsweise nach großem Kampf - beste Werbung für den Volleyballsport hierzulande.
Die wohl größte Überraschung gelang Tabellenführer Haching in der Champions League. Die Männer des Bundesliga-Tabellenführers schlugen den italienischen Tabellendritten Cuneo in dessen Halle sensationell mit 3:0 (26:24, 25:13, 28:26) und zogen so als bester Gruppendritter in die Play-off-Phase ein. Mit einem solch gelungenen Präsent zu seinem 45. Geburtstag hatte angesichts der Ausgangssituation selbst Trainer Mihai Paduretu nicht gerechnet. Maßgeblich an dem Coup beteiligt war wieder einmal Diagonalangreifer Christian Dünnes. Der 2,08-Meter-Mann ist mit 122 Zählern, durchschnittlich 4,88 pro Satz, der zweitbeste Punktesammler nach der Vorrunde.
Und auch der VfB Friedrichshafen glänzte am Mittwochabend vor 3700 Zuschauern in der heimischen ZF Arena. Die „Häfler” verpassten zwar den erträumten Gruppensieg, boten aber beim 3:2 (18:25, 25:18, 25:20, 21:25, 15:7) gegen den russischen Meister und Champions-League-Titelanwärter Zenit Kazan ein Volleyballfest auf Weltklasseniveau. Ein denkwürdiges Spiel mit spektakulären Angriffen und unglaublichen Abwehraktionen, das auch als Friedrichshafener Kampfansage an die verbliebenen Teams im Wettbewerb gedeutet werden kann.
Erstmals nach der Saison 2004/05 sind so nach Abschluss der Gruppenphase noch zwei deutsche Teams in der „Königsklasse” vertreten. In der Ranking List der CEV macht die Deutsche Volleyball-Liga (DVL), derzeit hinter Frankreich Achter, damit weiter Punkte gut. Bereits ab der Saison 2013/14 könnten den deutschen Klubs zwei garantierte Startplätze für die Champions League sicher sein.
Für die Play-off-Phase bekam der VfB Friedrichshafen einen alten Bekannten zugelost. Gegner ist der französische Tabellenführer Tours VB, den der VfB 2007 im Finale der „Königsklasse” mit 3:1 schlug. Doch Tours habe, warnt Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu, „Spieler, die richtig auf die Pille drücken können“. Mit Humor nahm Hachings Coach Paduretu die kommende Aufgabe an. Nach dem Hinspiel gegen Lokomotiv Novosibirsk in der Generali-Sportarena müssen die Hachinger allein für die Anreise zum Rückspiel in Sibirien 4700 Kilometer zurücklegen. Paduretus erste Reaktion auf den Gegner im Achtelfinale: „Wir stehen unter Schock, ich kann erst mal gar nichts sagen. Wir müssen uns bei der NASA erkundigen, ob wir ein Raumschiff zur Verfügung gestellt bekommen für diese Wahnsinnsreise.“
Die BR Volleys hingegen können sich nach dem Ausscheiden im Viertelfinale des CEV-Cups am Donnerstag ganz auf die Bundesliga konzentrieren. Der italienische Tabellenfünften Acqua Paradiso Monza erwies sich beim 1:3 (25:23, 13:25, 21:25, 22:25) trotz großen Kampfes vor über 4300 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle als eine Nummer zu groß.
Bei den Frauen musste sich der Dresdner SC bereits am Dienstagabend dem Topteam Fenerbahce Istanbul in der heimischen Arena ebenfalls mit 1:3 (23:25, 25:21, 15:25, 19:25) geschlagen geben. Doch das genügte, um als Gruppendritter in das Achtelfinale der Champions League einzuziehen – einer der größten Erfolge der Klubgeschichte. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und unsere Leistung. Wir haben lange auf Weltklasse-Niveau gespielt“, sagte Trainer Alexander Waibl nach dem Match gegen einen der Topfavoriten auf den Titel. In der Play-off-Phase bekommen es die Dresdnerinnen nun mit dem russischen Topklub Dinamo Kazan zu tun. Das Team um die russische Starspielerin Jekaterina Gamova und die US-Amerikanerin Jordan Larson ist kaum schwächer einzuschätzen, als Dresdens Vorrundengegner Rabita Baku und Fenerbahce Istanbul. „Wir sind klarer Außenseiter, hoffen aber zumindest, Kazan zuhause ärgern zu können, wenn es uns gelingt, unsere beste Form abzurufen”, sagte Waibl.
Der Schweriner SC ist aus dem elitären Kreis der Champions-League-Klubs zwar ausgeschieden, kann die „Königsklassen”-Saison aber erhobenen Hauptes beenden. Dem türkischen Verein Eczacibasi Vitra Istanbul unterlag der Deutsche Meister nur mit 2:3 (31:29, 20:25, 21:25, 25:22, 12:15) und darf nun in der Challenge Round des CEV-Cups weiterspielen.
Bis ins Viertelfinale hat es dort völlig unerwartet Europapokal-Debütant Smart Allianz Stuttgart geschafft. Die Schwaben schlugen den finnischen Rekordmeister LP Salo 3:0 (25:18, 25:18, 25:21) und entschieden auch den Golden Set mit 15:6 deutlich für sich. Dramatisch ausgeschieden ist hingegen Bundesliga-Tabellenführer Rote Raben Vilsbiburg. Weil der entscheidende Golden Set 14:16 verloren ging, reichte es beim russischen Tabellenführer Dinamo Krasnodar trotz eines 3:2 (15:25, 14:25, 25:21, 25:23, 15:13)-Erfolges in der regulären Spielzeit nicht für den Viertelfinal-Einzug.
Auch durch den klaren 3:0 (25:12, 25:17, 25:16)-Sieg des VfB Suhl in Haifa im Challenge Cup sind damit weiter vier von fünf international gestarteten Bundesligisten im internationalen Geschäft dabei. Bereits jetzt haben die Teams damit mehr als doppelt so viele CEV-Ranglistenpunkte errungen wie in der Vorsaison – ein Rekordwert. Um Rang sechs der CEV-Ranking-List zu erreichen, der für zwei sichere Champions-League-Startplätze berechtigt, wird das zwar für die Saison 2013/14 noch nicht ganz reichen. Doch der deutsche Volleyball befindet sich international weiter auf dem Vormarsch.
Internationale Ergebnisse vom 17. - 19. Januar 2012 Frauen CEV Champions League (Gruppenphase)
17.01.2012 Eczacibasi Vitra Istanbul/TUR – Schweriner SC 3:2 (29:31, 25:20, 25:21, 22:25, 15:12)
17.01.2012 Dresdner SC – Fenerbahce Acibadem Istanbul/TUR 1:3 (23:25, 25:21, 15:25, 19:25)
CEV-Cup (Achtelfinal-Rückspiel)
17.01.2012 Smart Allianz Stuttgart - LP Salo/FIN 3:0 (25:18, 25:18, 25:21), Golden Set 15:6
19.01.2012 Dinamo Krasnodar/RUS – Rote Raben Vilsbiburg 2:3 (25:15, 25:14, 21:25, 23:25, 13:15), Golden Set 16:14
Challenge Cup (1/16-Final-Rückspiel)
18.01.2012 Neve Shaanan Haifa/ISR – VfB Suhl 0:3 (12:25, 17:25, 16:25)
Männer
Champions League (Gruppenphase)
18.01.2012 VfB Friedrichshafen – Zenit Kazan/RUS 3:2 (18:25, 25:18, 25:20, 21:25, 15:7)
18.01.2012 Bre Banca Lannutti Cuneo/ITA - Generali Haching 0:3 (24:26, 13:25, 26:28)
CEV-Cup (Viertelfinal-Rückspiel)
19.01.2012 Berlin Recycling Volleys - Acqua Paradiso Monza/ITA 1:3 (25:23, 13:25, 21:25, 22:25)
Die nächsten internationalen Termine
Frauen
CEV Champions League (Achtelfinale)
31.01. - 02.02.2012 Dresdner SC – Dinamo Kazan/RUS (Rückspiel: 07.02. – 09.02.2012)
CEV-Cup (Viertelfinale)
31.01. - 02.02.2012 Smart Allianz Stuttgart - Robur Tiboni Urbino/ITA (Rückspiel: 07.02. – 09.02.2012) CEV-Cup (Challenge Round) 17.02. – 02.03.2012 Schweriner SC (Gegner und genaue Terminierung stehen noch nicht fest)
Challenge Cup (Achtelfinale)
31.01. - 02.02.2012 VfB Suhl – Volley Köniz/SUI (Rückspiel: 07.02. – 09.02.2012)
Männer
CEV Champions League (Achtelfinale)
31.01. - 02.02.2012 Generali Haching – Lokomotiv Novosibirsk/RUS (Rückspiel: 07.02. – 09.02.2012) 31.01. - 02.02.2012 VfB Friedrichshafen – Tours VB/FRA (Rückspiel: 07.02. – 09.02.2012)
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