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25.11.2009 - Beach - Quelle/Autor: DVV

Volleyball: Interview der Woche: Angelina Grün: „Beach hat mich gereizt“

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Foto: Conn Kurth
Sie hat die vergangenen zehn Jahre in der Halle geprägt wie keine zweite deutsche Spielerin: Angelina Grün avancierte in Volleyball-Deutschland zum absoluten Super-Star und zählte auch in der Welt zu den besten Spielerinnen. Zwei Olympia- (2000 und 2004), drei WM- (1998, 2002, 2006) sowie zahlreiche EM-Teilnahmen mit dem Gewinn der Bronzemedaille 2003 als Höhepunkt waren nur einige Stationen im DVV-Dress.

Im Verein gewann sie mit Modena bzw. Bergamo alles, was es zu gewinnen gab, und dennoch blieb „Grüni“, wie sie von ihren Fans liebevoll gerufen wurde, stets auf dem Boden der Tatsachen. Auch deshalb wurde sie neunmal in Serie zur Volleyballerin des Jahres gewählt…

Nun hat sich Grün entschlossen, das vertraute Hallen-Terrain zu wechseln und Neuland zu betreten: Grün bildet mit Rieke Brink-Abeler ein Beach-Duo und will 2010 den Beach-Circuit aufmischen. Wie alles vonstatten ging, was die Erwartungen und Ziele sind, verrät Angelina Grün im „Interview der Woche“.

Jetzt ist es raus, Angelina Grün wechselt den Bodenbelag und wird Beach-Volleyballerin. Wie fühlt sich das an?
Grün: „Gut fühlt es sich an. Gleichzeitig ist es noch nicht ganz real, denn diese Saison ist ja gerade erst zu Ende gegangen. Ich freu mich, wenn es endlich losgehen kann...“

Wie kam es bei dir zu diesem weit reichenden Entschluss?
Grün: „Nach der Saison in der Halle, habe ich mir erstmal eine Auszeit genommen, um auch anderen Bereichen als Sport Platz in meinem Leben zu geben. In den letzten drei Monaten habe ich dann ein Praktikum bei ASICS gemacht und so auch mal Berufserfahrung gesammelt. Diese Zeit war sehr interessant und hat mir eine andere Lebensweise gezeigt. So wie es ist, beispielsweise auch mal ein Wochenende zu haben...
Gleichzeitig habe ich gesehen, dass auch Berufsalltag anstrengend sein kann, ich aber auch in dieser Welt zurecht kommen könnte. Jetzt, wo ich diesen Vergleich habe, kann ich das Leben als Sportler wieder anders einordnen, und da ich nicht ewig auf hohem Niveau Volleyball spielen kann, hat es mich nochmals gereizt, sportlich aktiv zu werden.“

Die Halle, dein Verein Istanbul und Bundestrainer Giovanni Guidetti (auch dort dein Trainer), haben stets weiter um dich gebuhlt. Warum kam dieser gravierende Schnitt bei dir und wie leicht oder schwer ist er dir gefallen?
Grün: „Es war nicht leicht, denn natürlich weiß ich, dass ich in der Halle eine gewisse Leistung immer abrufen kann und auch finanziell auf der sicheren Seite wäre. Ich weiß, wie die Abläufe sind und habe vor allem in meinen letzten Vereinen/Mannschaften einige gute Freunde zurückgelassen. Dennoch kam für mich in diesem Jahr eine Rückkehr in die Halle nicht in Frage, denn ich wollte meinen Standort Köln, wo ich mir ein richtiges Zuhause aufbaue, nicht schon wieder zurücklassen und auch die neu kennen gelernte Eigenverantwortung nicht aufgeben.“

Du bist eine der weltbesten Hallenspielerinnen und gehst nun als Novizin in den Sand. Ein Risiko?
Grün: „Eine absolut neue Herausforderung. Auch wenn ich in der Halle auf hohem Niveau gespielt habe, fange ich im Sand wieder von vorne an und muss viel dazulernen. Das wird sicher spannend.“

Es gibt Beispiele von ehemaligen Hallen-Cracks, die im Beach hervorragend Fuß gefasst haben (z.B. Ana Paula, BRA oder Schuil/Nummerdor, NED), andere sind jedoch gescheitert (Tande, BRA). Wo wird sich Angelina Grün einreihen?
Grün: „Das wird sich zeigen, und ich will mich da auch nicht direkt so unter Druck setzen. Auch wenn ich mit Rieke eine sehr erfahrene Partnerin an meiner Seite habe, von der ich viel lernen kann, so brauchen wir erst einmal Zeit, uns einzuspielen. Beach-Volleyball ist eine andere Sportart, und sich an das hohe Niveau anzupassen, wird eine große Aufgabe sein.“

Was wird die größte Umstellung für dich werden?
Grün: „Neben den technischen Lernprozessen wird es vor allem die mentale Umstellung sein, das Können auch in den entscheidenden Momenten abrufen zu können. Im Beach kann man sich nie ausruhen oder zurückziehen.“

Gab es schon Reaktionen auf deine Entscheidung? Beispielsweise von ehemaligen Hallen-Kolleginnen oder potenziellen Gegnerinnen und wie fielen diese aus?
Grün: „Insgesamt waren die Reaktionen positiv.“

Bislang hast du nur aus Spaß Beach-Volleyball gespielt. Wer dich kennt, weiß, wie professionell du bist. Wie gehst du, wie geht ihr das Projekt Beach-Volleyball zeitlich und personell an?
Grün: „Spaß bleibt bei diesem Projekt auch weiterhin ein großer Bestandteil. Dennoch können wir nicht ändern, dass wir beide ehrgeizig sind. Demnach werden wir auch im Training versuchen, uns gut vorzubereiten. Die genauen Planungen mit unserem Trainer Bernd Werscheck laufen.“

Wieso Rieke Brink-Abeler? War sie die Einzige, die den Mut und die Idee hatte, dich zu fragen?
Grün: „Rieke und ich haben uns in Düren bei einem Turnier diesen Sommer getroffen, wo jeder mit jedem gespielt hat. Bis dahin hatte ich mit meiner Freundin Judith Pelzer (ehemalige Flemig, Anm. d. Red.) zwei Turniere gespielt und auch schon überlegt, ob Beach eine Option für mich wäre. Mit Rieke hab ich mich dann auf Anhieb sehr wohl auf dem Feld gefühlt und gemerkt, dass es gut ist, jemanden an meiner Seite zu haben, der sich in der Branche auskennt.“

Oder lag es daran, dass ihr in der Halle (1999-2001) beim USC Münster zusammen gespielt habt?
Grün: „Das kommt noch dazu... Rieke und ich sind 1998 zusammen Deutsche Meisterinnen in der A-Jugend geworden und haben eben auch danach in der 1. Mannschaft zusammengespielt. Wir haben uns auch damals schon gut verstanden, und ich glaube, dass dies eine wichtige Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bei Frauen ist.“

Obwohl der Superstar, warst du stets auch eine absolute Mannschaftsspielerin. Wie geht Angelina Grün damit um, nun nur noch eine Mitspielerin zu haben bzw. fast eine Einzelsportlerin zu sein?
Grün: „Ich werde sicherlich von meinem Naturell her immer eine Mannschaftssportlerin sein, und dennoch war es gerade der große Unterschied, als Einzelsportler die Planungen selber in der Hand zu haben, ausschlaggebend für meine Entscheidung, in den Sand zu wechseln.“

Ihr wollt international spielen und müsst deshalb zunächst auf jeden Fall durch die Mühlen der Qualifikation und country quota. Ein beschwerlicher Weg…
Grün: „Ja, das wird sicherlich mühselig, sich dort durchzubeißen. Aber wir wollen es versuchen.“

Wie sehen die Ziele generell aus? 2012 finden in London Olympische Spiele statt…
Grün: „London ist noch zu weit weg, als das wir darüber philosophieren könnten. Dafür haben wir einfach auch noch keine Erfahrungswerte, auf welchem Niveau wir überhaupt einsteigen werden. Dennoch hoffen wir natürlich, dass wir uns in diesem Jahr auf der internationalen Tour etablieren können.“

Eure Präsentation beim DVV überschreibt ihr mit „Das Experiment – Indoor meets Beach“. Experimente können auch schief gehen, was dann? Wäre eine Rückkehr in den Hallenbereich möglich?
Grün: „Das Risiko gibt es immer. Generell schließe ich nix aus, aber ich möchte erst einmal alles daran setzen, dass unser Experiment glückt...“

In Volleyball-Kreisen bist du als „Grüni“ bekannt, wie gefällt dir der neue von uns ausgedachte Spitzname: „Sandy“?
Grün: „kein Kommentar...“

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