Enttäuschte Gesichter im DVV-Team. Die deutschen Frauen haben ihr EM-Halbfinale gegen Italien mit 1:3 (11-25, 25-22, 12-25, 22-25) verloren. Das DVV-Team konnte nur zwei Sätze lang auf dem hohen Level des Titelverteidigers mithalten, was am Ende zu wenig war.
Nun spielen die deutschen Frauen im ‚kleinen Finale’ um die Bronze-Medaille. Gegner wird hier Gastgeber Polen sein, der gegen die Niederlande das andere Halbfinale mit 1:3 (11-25, 15-25, 25-20, 20-25) verlor.
Startformation Deutschland: Kathleen Weiss, Maren Brinker, Christiane Fürst, Corina Ssuschke, Margareta Kozuch, Heike Beier und Libera Kerstin Tzscherlich
Startformation Italien: Jenny Barazza, Francesca Piccinini, Eleonora Lo Bianco, Antonella Del Core, Simona Gioli, Taismary Aguero und Libera Paola Cardullo
Beide Teams spielen mit der gleichen ‚Ersten Sechs’ wie schon in der Vorrundenpartie gegeneinander. Bei Italien gibt es ansonsten eine kleine Überraschung im Kader. Mit Enrica Merlo hat Italiens Coach Massimo Barbolini einen zweiten Libero in den 12-Kader berufen. Das deutsche Team ist im Vergleich zu den letzten Partien unverändert, Lenka Dürr und Sabrina Roß müssen das Match somit von Tribüne beobachten. Der Titelverteidiger kommt deutlich besser in die Partie. Vor allem über Gioli kann Italien einige Punkte erzielen. Als sich dann auch noch einige leichte Fehler ins deutsche Spiel einschleichen, zieht der Titelverteidiger davon – auf 6 Punkte. Bundestrainer Giovanni Guidetti nimmt darauf eine Auszeit. Doch das deutsche Spiel verbessert sich daraufhin nicht sehr. Der italienische Block steht in dieser Phase immer richtig und Italien zieht auf 8 Punkte davon. Guidetti muss noch vor der zweiten Technischen Auszeit (TA) sein zweites Timeout nehmen. Italiens bleibt aber weiterhin überlegen. Jetzt kommen Thomsen und Petrausch für Beier und Brinker. Doch auch diese Maßnahme bringt keine Besserung im deutschen Spiel. Der erste Durchgang geht ‚mehr als eindeutig’ an die Italienerinnen, die in diesem Satz in allen Elementen überlegen sind. Das Beier und Kozuch mit jeweils 2 Punkten die deutsche ‚Topscorer’ im ersten Durchgang sind sagt im Grunde alles.
Im zweiten Satz ist das deutsche Team nun ‚wirklich’ auf dem Feld und kann die Partie offen gestalten. Zur ersten TA führen die DVV-Frauen sogar mit einem Punkt. Auf einmal sind die Italienerinnen nicht mehr so stabil in ihrem Spiel. Zwei Angriffsfehler in Folge zwingen Massimo Barbolini eine Auszeit zu nehmen. Nach einem weiteren italienischen Fehler führt das DVV-Team auf einmal mit 4 Punkten. Doch der Titelverteidiger zeigt nun eine seiner Stärken. Mit viel Routine im Angriff und Block gelingt den Italienerinnen eine kleine Serie, damit erst der Ausgleich und zur weiten TA sogar die 1-Punkte-Führung. Das deutsche Team kann aber kontern und schafft sofort nach der Pause ein Break. Als wenig später Fürst Aguero blockt, ist das DVV-Team wieder vorne. Danach gelingt Kozuch im Block die Angriffsabwehr und das deutsche Team ist mit 3 Punkten vorn. Barbolini muss sein Team in einer Auszeit neu einstellen, aber die deutsche Auswahl bleibt auch nach der kurzen Unterbrechung weiter vorne. Als Piccinini schließlich einen Aufschlag ins Aus befördert, hat das deutsche Team 3 Satzbälle. Einen können die Italienerinnen noch abwehren, aber als Kozuch ein Hinterfeldangriff klug platziert ist der Satzausgleich geschafft. Dies gelingt, weil sich das deutsche Team im zweiten Durchgang in allen Elementen deutlich steigern konnte und ruhig auf seine Chance wartetet. Als die Italienerinnen nach der zweiten TA kurz ‚wackeln’ nutzen die deutschen Frauen diese Möglichkeit sofort aus. Der daraus resultierende Vorsprung reicht schlussendlich zum deutschen Satzgewinn.
Der dritte Durchgang beginnt wie der erste Satz. Italien agiert mit mächtig Druck in seine Angriffen und auf deutscher Seite folgen einige leichte Fehler. So führt der Titelverteidiger schnell mit 5-1 und Guidetti nimmt eine Auszeit. Zur ersten TA haben die Italienerinnen ihren Vorsprung aber auf 5 Punkte ausgebaut und wenig später führt der Titelverteidiger sogar mit 7 Punkten. Guidetti muss erneut ein Timeout nehmen. Als sich das deutsche Spiel aber auch danach nicht großartig verbessert, wechselt Guidetti wieder Petrausch und Thomsen für Brinker und Beier ein. Doch die Parallelen zum ersten Satz bleiben bestehen. Der italienische Block fängt in dieser Phase fast jeden deutschen Angriff ab und der Titelverteidiger baut den Vorsprung auf 9 Punkte aus. Weil das deutsche Team insgesamt genauso schlechte Angriffswerte wie im ersten Durchgang aufweist, ist auch das Ergebnis nicht besser. Mit 25-12 holt sich Italien den dritten Durchgang. Um etwas Gutes aus dem Zwischenergebnis zu ziehen: Der Spielstand von 1:2 Sätzen ist eigentlich ‚optimal’ für das deutsche Team. Nach diesem Ergebnis konnten die deutschen Frauen noch die Partien gegen die Türkei und Serbien gewinnen.
Guidetti lässt im vierten Satz Petrausch für Brinker beginnen, aber Italien kann sich erneut schnell absetzen. Der Bundestrainer muss schon wieder früh ein Timeout nehmen. Nach der ersten TA gelingt es dem deutschen Team dann mit einer 4-Punkte-Serie den Rückstand auf 8-10 zu verkürzen und sofort greift Italiens Coach Barbolini mit einer Auszeit ein. Doch den deutschen Frauen gelingt es weiter, mit starken Aufschlägen von Weiß und einem jetzt sehr guten Blockspiel, die Serie auszubauen. Als Kozuch den italienischen Block anschlägt und damit die deutsche Führung auf 14-11 ausbaut, folgt auf der italienischen Seite das zweite Timeout. Nicht nur wegen einer viel stärkeren Block-Feldabwehr, sondern weil das deutsche Team in diesem Satz viel mehr mit dem ersten Tempo spielt, führen die deutschen Frauen zur zweiten TA mit 3 Punkten. Doch der Titelverteidiger kann nach der Pause durch Angriffe von Gioli und Piccinini den Ausgleich erzielen. Als Barazza wenig später zweimal im Block zupackt, hat sich der Titelverteidiger kurz vor Satzende wieder die Führung gesichert. Guidetti versucht mit einer Auszeit das Spiel seines Teams neu zu ordnen. Doch als Aguero einen Anngriff durch den deutschen Block ‚drischt’, hat der Titelverteidiger 3 Matchbälle. Die Chance lassen sich die starken und routinierten Italienerinnen nicht entgehen. Piccinini beendet mit einem Diagonalangriff das Match und führt den Titelverteidiger damit ins EM-Finale.
Fazit
Der Traum vom EM-Finale mit deutscher Beteilung ist vorüber. Dem Team von Bundestrainer Giovanni Guidetti kann man aber keine großen Vorwürfe machen – wieder haben die DVV-Frauen enormen Einsatz gezeigt um das ‚Wunder’ zu schaffen. Es war aber klar, dass man gegen den Titelverteidiger nur eine Siegeschance hat wenn man konstant auf einem hohen Level agiert. Das war in diesem Halbfinale aber nicht der Fall. Im zweiten und vierten Satz spielte das Guidetti-Team sehr gut, im ersten und dritten Durchgang blieb die DVV-Auswahl aber deutlich unter ihren Möglichkeiten. Gegen einen anderen Gegner hätte man mit der tollen Teammoral vielleicht noch die größeren Rückstände aufholen und so das Match insgesamt anders gestalten können. Nicht aber gegen den Titelverteidiger, nicht aber in diesem Spiel, wo Italien eine starke und routinierte Leistung zeigte. Verständlich, dass die Enttäuschung in der DVV-Delegation nach der Halbfinaleniederlage deutlich zu spüren war, aber gleichzeitig mischte sich eine Portion ‚Trotzreaktion’ in die Stimmungslage: „Jetzt erst recht!“ Im ‚kleinen Finale’ haben die deutschen Frauen noch die Chance eine EM-Medaille zu holen und damit diese Europameisterschaften und die gesamte Saison mit einem grandiosen Ergebnis abzuschließen. Bei der Moral des DVV-Teams dürfte somit dem polnischen Team und den knapp 14.000 Fans ein sehr entschlossener Gegner gegenüberstehen.
Auf der Seite www.volley.de findest Du Tabellen und Ergebnisse aller Ligen.
» Tabellen und Ergebnisse anzeigen