Wer spielt da noch mal? Die Gesichtslosigkeit vieler Mannschaften ist ein beklagenswerter Zustand im Leistungssport. Doch bei der FT von 1844 Freiburg weiß man, was man bekommt: wagemutigen Volleyball mit hohem Wiedererkennungswert.
Und das in der Zweiten Bundesliga. Während woanders Jahr für Jahr seelenlose Gebilde mit unbekannten Söldnern zusammengezimmert werden, bietet die FT von 1844 nunmehr im fünften Jahr unter Spielertrainer Wolfgang Beck eine charakterstarke Einheit, die sich nur in Nuancen verändert hat. Das gilt auch für die bevorstehende Spielzeit, die am Samstag, 11. September, mit einem Heimspiel gegen den GSVE Delitzsch beginnt.
Irgendetwas muss wohl dran sein an der Arbeit von Beck. Sonst würde das Team in der Saisonvorbereitung nicht wieder so mitziehen. „So lange wir Spieler nicht bezahlen können, müssen sie spielen wollen“, erklärt der Spielertrainer das Engagement seiner Akteure, die in der Vorbereitung bis zu fünfmal pro Woche ans Netz gebeten werden. „Durch neue Übungsformen und ein verändertes Training, versuchen wir nicht den alten Trott entstehen zu lassen“, sagt Beck. Die abwechslungsreichen Einheiten kommen an. „Alle sorgen hier für gute Stimmung“, hat Jakob Schönhagen erkannt. „Auf mich macht das alles einen höchst motivierten Eindruck.“
Schönhagen ist der einzige Neuling bei den 1844-Volleyballern. Der 21-jährige Student (Geschichte/Englisch) kam vom TV Rottenburg II, der als Aufsteiger in der vergangenen Zweitligasaison auf Anhieb Vizemeister wurde. Schönhagen, gerade 1,70 Meter, war auf der Liberoposition eine feste Größe der Rottenburger und soll bei den Freiburgern ebenfalls die Annahme stabilisieren und in der Feldabwehr Maßstäbe setzen.
„Technisch ist Jakob besser ausgebildet als ich“, bekennt Julian Sadleder, der bislang für die FT auf der Liberoposition zum Einsatz kam. Sadleder wechselt nun in den Außenangriff, eine neue Herausforderung, weil hier die Konkurrenz im Team wohl am größten ist. „Ich hoffe, dass ich dort irgendwann meine Chance bekomme und der Mannschaft helfen kann,“ sagt er.
Der Wechsel auf der Liberoposition ist die einschneidendste Veränderung im Personaltableau der Freiburger. Alle anderen Positionen sind unverändert geblieben. Die Frage wird also sein, ob die Arrivierten hier erneut ihre Klasse beweisen können. Beck hegt da keine Zweifel, jedoch muss er mit dem zunehmenden Alter seiner Spieler auch auf berufliche und private Bedürfnisse mehr Rücksicht nehmen. So wird Diagonalangreifer Andreas Prein als junger Vater hauptsächlich die Heimspiele bestreiten. Tobias Aichroth verbringt im Oktober seinen Urlaub in Vietnam und beginnt im Frühjahr sein Referendariat. Tobias Vetter fehlt beruflich in den ersten beiden Wochen, und Zuspieler Jörg Binder kann nach seinem kompletten Bänderschaden im Knie frühestens Mitte September wieder ins Training einsteigen – und dann folgt das Referendariat in Rottweil.
Deshalb sieht Beck die Minimalbesetzung im Zuspiel mit Bernhard Steiert als „einzigen Knackpunkt der Saison“. Fällt Steiert aus, gibt es keinen Ersatz. Noch aber haben die Verantwortlichen die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ein weiterer Passgeber vielleicht doch noch den Weg nach Freiburg findet.
Die Aussichten für die kommende Saison orientieren sich am Maßstab des Vorjahres: „Primäres Ziel ist der Klassenerhalt“, sagt der sportliche Leiter Florian Schneider. „Wir müssen realistisch bleiben“, ergänzt Beck, dem im Feld der 14 Mannschaften ein Platz zwischen fünf und acht vorschwebt. „Andere Teams sind deutlich besser besetzt.“ Immerhin gibt es in diesem Jahr wieder ein badisches Derby: Der TuS Durmersheim hat die Rückkehr in die Zweite Bundesliga geschafft.
Das Potenzial für einen Platz im vorderen Mittelfeld ist sicherlich vorhanden. Allerdings sollte der schleppende Auftakt im Vorjahr lehren, dass sich die Spieler auf ihren Fähigkeiten nicht ausruhen können und die zweite Liga kein Selbstgänger ist. Ein erneuter Fehlstart soll deshalb vermieden werden, wenngleich das Startprogramm für den Vorjahresneunten mit den Heimspielen gegen den GSVE Delitzsch (11.9.), Eintracht Mendig (25.9.) und die Leipziger L.E.Volleys (2.10.) sowie die Auswärtspartie beim VC Dresden (16.9.) sicher nicht leicht zu stemmen sein wird.
Auf eines können sich die Volleyballfans in Freiburg jedoch verlassen: Das Gesicht der Mannschaft lebt weiter von jenen bodenständigen Typen, die das Freiburger Spiel bereits in den Vorjahren verkörperten: Man kann sich deshalb freuen auf den kaum zu blockenden Hinterfeldangriff von Andreas Prein, die lang gezogenen Flatteraufgaben von Tobias Vetter, die erstaunliche Wandlungsfähigkeit des Alleskönners Sascha Helwig, die Angriffsdynamik von Marcus Gensitz, den kühnen Einerblock von Zuspieler Bernhard Steiert, die lässige Blockanschlagtechnik von Wolfgang Beck und die Fortschritte von Johannes Stemmann. Wenn dann noch Jakob Schönhagen die Bälle millimetergenau in die Hände von Steiert baggert – diese Neuheit nehmen die Zuschauer gerne mit.
Der Kader für die Saison 2010/11:
Bernhard Steiert, Jörg Binder (beide Zuspiel), Sascha Helwig, Marcus Gensitz, Jan Jansen, Julian Sadleder, Spielertrainer Wolfgang Beck (alle Außenangriff/Annahme), Johannes Stemmann, Martin Fröhlich, Eric Dufour-Feronce, Tobias Vetter (alle Mittelangriff), Jakob Schönhagen (Libero).
Zugang: Jakob Schönhagen (TV Rottenburg II). Abgang: Sandro Huber (USC Freiburg).
Erstes Heimspiel:
Samstag, 11. September, 20 Uhr (Burdahalle):
FT von 1844 – GSVE Delitzsch
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