Ein klares Bekenntnis zum Rottenburger Volleyballmodell: Außenangreifer René Bahlburg, 2010 vom VC Franken an den Neckar gewechselt, hat seinen Vertrag beim schwäbischen Erstligisten bis 2013 verlängert. Im Interview gibt er Einblicke über die aktuellen Trainingsalltag, verrät, warum er beim TVR bleibt und gibt eine simple Prognose, wer Deutscher Meister wird.
Bei den Volleyballern des TV Rottenburg herrschen nach dem Ausstieg des Hauptsponsors EnBW turbulente Tage. "Der Ausstieg hat uns hart getroffen, aber wir führen intensive und gute Gespräche und blicken nach vorne" verrät Rottenburgs Manager Jörg Papenheim. "Wir loten alle Möglichkeiten aus. Jede bestellte Dauerkarte und jedes einzelne Sponsoring hilft uns sehr und sichert unseren tollen Volleyballstandort."
Dass es auch in der nächsten Saison "Erstligavolleyball made in Rottenburg" gibt, stehe auch nach dem Rückzug des Energiekonzerns fest. "Wir werden einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen und wieder mit einer symphytischen Mannschaft auflaufen" verspricht Papenheim. Die erste wichtige Personalentscheidung ist getroffen: Außenangreifer René Bahlburg bleibt am Neckar. Er ist neben Dirk Mehlberg und Felix Isaak (laufende Verträge bis 2013) der dritte Spieler, der in der Saison 2012/2013 das TVR-Trikot tragen wird.
René wurde 1988 in Darmstadt geboren, wuchs in Gellersen (bei Lüneburg) auf und lernte dort das "Volleyball ein-mal-eins". Nach zwei Jahren bei den Volley YoungStars Friedrichshafen feierte er 2008 bei der SG Eltmann sein Erstligadebüt und wechselte 2010 vom VC Franken (Nachfolgeverein der SG Eltmann) zum TV Rottenburg. Im Interview spricht René Bahlburg über die vergangene Runde, seine Ziele mit dem TVR und seinen Urlaub mit einem alten Kumpel.
René, die Saison ist für Dich schon einige Wochen beendet. Wie geht's Dir, was macht der Körper?
René Bahlburg: Mir geht es gut, die Saison war ja nicht so arg lang. Daher bin ich auch schon wieder recht fit und motiviert. Ich hatte kleinere Probleme mit dem Knie, aber war ansonsten verletzungsfrei. Aber irgendwas ist ja immer (lacht).
Wie sieht Euer Trainingsalltag zurzeit aus, es sind ja noch über fünf Monate bis zur neuen Saison, die im Oktober startet?
Bahlburg: Wir trainieren schon wieder regelmäßig. Der Fokus liegt vor allem auf Athletik- und Krafttraining. Zusätzlich machen die Trainer mit uns sehr individuelles Techniktraining, dazu kommt man während der Saison und in der Vorbereitung kaum. Dazu gibt es eine Menge Ausgleichssport wie Beachvolleyball, Basketball, Fußball, Badminton und so weiter
Da kommt der Spaß nicht zu kurz?
Bahlburg: Ja klar, es sei denn, man verliert (lacht). Aber im Ernst: Die Vorbereitungszeit ist enorm lang, da darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Primäres Ziel ist es, fit zu bleiben und sich zu verbessern.
Wann geht die Vorbereitung dann so richtig los?
Bahlburg: Nach Pfingsten wird angezogen!
Felix (Isaak) und Dirk (Mehlberg) haben noch laufende Verträge, Du bist der erste, der seinen Vertrag frühzeitig verlängert hat. Wolltest Du selbst früh Klarheit oder was waren die ausschlaggebenden Punkte?
Bahlburg: Jörg (Papenheim, Manager des EnBW TVR Anm. d. Red.) wollte mich unbedingt (lacht). Er hat mich frühzeitig angesprochen und wir konnten uns schnell einigen. Es spricht ja auch nichts dagegen, hier zu bleiben. Mit gefallen das Umfeld und die Stimmung im Team und bei den Fans, da musste ich nicht groß überlegen.
Gerade wird der Deutsche Meister ermittelt und es ist spannend wie nie? Das mediale Interesse ist groß, verfolgst auch du die Spiele?
Bahlburg: Ja klar, ich habe Dortmund gegen Bayern gesehen
oder meinst Du im Volleyball? (lacht) Selbstverständlich verfolgen wir Spieler die Finales zwischen Berlin und Haching. Das vierte Spiel wurde zum Glück live übertragen, da haben wir gegrillt und dann in einer großen Gruppe das Spiel angeschaut. Schade, dass bisher nur diese Partie übertragen wurde, es machte schon Spaß und war beste Werbung für den deutschen Volleyball. Wie ich gehört habe, wird ja auch das Entscheidungsspiel am Sonntag im Internet-TV übertragen - prima!
Wer wird Deutscher Meister?
Bahlburg: Haching! Weil sie zuhause spielen und ja eh immer die Heimmannschaft gewinnt. (lacht)
Das sah beim TVR in dieser Saison ähnlich aus. Daheim gab es tolle Spiele, auswärts hat es nicht so gut geklappt. Woran lag's?
Bahlburg: Das stimmt. Zuhause hat es meistens sehr gut geklappt, auch wenn wir oft unglücklich verloren haben. Auswärts war der Wurm drin, weil meistens die komplette Mannschaft nicht ihre Leistung gebracht hat und nicht nur einzelne Spieler.
Die Play-offs wurden knapp verpasst, wie traurig bist Du darüber?
Bahlburg: Unser Ziel war es, in die Play-offs einzuziehen. Das haben wir leider verpasst und sind entsprechend enttäuscht. Wir haben auswärts nicht überzeugen können und einfach zu viele Spiele verloren. Und außerdem war ja nicht zu erwarten, dass Friedrichshafen ausgerechnet gegen Gotha und Mitteldeutschland verliert (lacht).
Neben Deinem Job als Volleyballer studierst Du noch und bist Jugendtrainer beim TVR. Wie schauts aus bei diesen Projekten?
Bahlburg: Mein Studium (BWL, Anm. d. Red.) läuft gut und Anfang 2013 sollte ich fertig sein. Danach wird man sehen, wie es jobmäßig und sportlich aussieht oder ob ich noch weiter studiere.
Der Job als Jugendtrainer macht mir viel Spaß. Ich betreue die männliche U18 und U16 als Co-Trainer mit Thomas Willenberg bzw. Thomas Welz. Die U16 spielt am Wochenende bei den Süddeutschen Meisterschaften, die U18 hat die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft als süddeutscher Vizemeister bereits geschafft. Die Jungs sind alle super nett und engagiert bei der Sache.
Kommt was nach beim TVR?
Bahlburg: Bestimmt. Der ein oder andere hat viel Potenzial, Voraussetzung ist natürlich, dass die Jungs weiterhin fleißig an sich arbeiten.
Nach der Saison warst Du einige Tage im Urlaub? Wo warst du?
Bahlburg: In Griechenland, ganz unten im Süden. Ich war mit Felix (Horn, Ex-Zuspieler des TVR Anm. d. Red.) einige Tage in einer Ferienwohnung. Hans Cipowicz hat mit seiner Freundin auch für ein paar Tage vorbeigeschaut.
Apropos Cipowicz. Dein Teamkollege wurde ins Nationalteam berufen, wie findest du das?
Bahlburg: Das ist sehr schön für ihn und freut mich. Er muss jetzt mal schauen, wie es so läuft und Erfahrungen sammeln. Er hat es sich verdient und soll ruhig mal seine Visitenkarte beim neuen Bundestrainer abgeben.
Schaffen die DVV-Teams den Sprung nach London zu den Olympischen Spielen und was würde das für den Deutschen Volleyball bedeuten?
Bahlburg: Ich denke schon. Es wäre super, wenn die Teams das schaffen könnten. Volleyball wäre dann eine der wenigen deutschen Mannschaftssportarten, die bei Olympia vertreten wären. Die Mannschaften sollten aber dort auch etwas erreichen und nicht in der Vorrunde rausfliegen. Um den Sport voran zu bringen, wäre ein kleines Ausrufezeichen wünschenswert.
Zum Abschluss: Was erwartest du von der neuen Saison?
Bahlburg:
dass wir in die Play-offs kommen! Ich freue mich wieder auf viele Zuschauer bei unseren Heimspielen, wo wir hoffentlich wieder gute Spiele zeigen können wie bspw. bei unserem Sieg gegen Düren Anfang Februar. Ich hoffe, dass sich wieder viele Fans für eine Dauerkarte entscheiden und uns weiterhin lautstark unterstützen.
Das Interview führte Philipp Vollmer
Steckbrief:
Name: René Bahlburg
Geburtstag: 09.06.1988
Geburtsort: Darmstadt
Größe: 198 cm
Nationalität: deutsch
Position: Annahme/Außen
Bisherige Vereine: TSV Gellersen (bis 2006), Volley YoungStars Friedrichshafen (2006 bis 2008), SG Eltmann/VC Franken (2008 bis 2010)
Der aktuelle Kader des EnBW TV Rottenburg für die Saison 2012/13:
Dirk Mehlberg (AA), Felix Isaak (MB), René Bahlburg (AA)


