Es war ein echter Thriller, den die Nationalteams von Polen und Deutschland den Zuschauern in Okayama/Japan beim Grand Prix zeigten: Am Ende unterlag die DVV-Auswahl wie eine Woche zuvor in Polen 1:3 (23-25, 23-25, 31-29, 20-25) und weist nun 2:4-Siege auf.
Damit rückt die Teilnahme an der Finalrunde der besten sechs Teams in Ningbo/China (25. bis 29. August) in immer weitere Ferne. Am letzten Vorrunden-Wochenende in Hongkong (20.-22. August) müssen gegen China, die USA und Thailand wohl drei Siege her, um doch noch um den Turniersieg mitspielen zu können. Punktbeste Spielerinnen gegen Polen waren Margareta Kozuch (16), Anne Matthes (15) und Corina Ssuschke (14).
Nach einem über weite Strecken eher ausgeglichenen Spiel musste sich die deutsche Mannschaft einer am Ende routinierter auftretenden polnischen Mannschaft geschlagen geben. Nach dem Sieg vom Vortage war die Enttäuschung bei Mannschaft und Trainer riesig. In den entscheidenden Phasen hielten die Nerven nicht. Nun wird es für die DVV-Vertretung außerordentlich schwer, in der kommenden Runde in Hong Kong noch die nötigen Punkte zu holen.
Startformation Deutschland: Kathleen Weiß (Z), Margareta Kozuch (D), Anne Matthes, Maren Brinker (A/A), Corina Ssuschke, Nadja Schaus (MB), Kerstin Tzscherlich (L), Trainer Giovanni Guidetti
Spielverlauf
1. Satz: Zum Auftakt gab es zwei polnische „Geschenke“ zur 2-0 Führung für das deutsche Team, dann folgten auf deutscher Seite drei Annahmeschwächen, zwei Angriffsfehler sowie ein drucklos gespielter Ball mit entsprechender polnischer Antwort und damit ein 2-6 Rückstand. Auszeit von Guidetti, der in der Folge sah, wie sich seine Mannschaft mühsam auf einen Gleichstand bei 9 zu bewegte: ein erfolgreicher Schaus-Angriff, zwei von Kozuch und zwei Punkte (Soloblock und schneller Über-Kopf-Angriff) von Ssuschke ließen Hoffnung aufkommen. Im weiteren Verlauf Deutschland mehrfach mit 3-Punkte-Rückstand. Saskia Hippe kam kurz für Schaus ins Spiel, Denise Hanke für Weiß. Bei 20-21 ersetzt Heike Beier Brinker, den Ausgleich erzielt Beier mit einem Netzroller-Aufschlag. Hanke bringt das Team mit einem schönen „linken Haken“ (direkt aus der Annahme übernommen mit 22-21 in Führung, dann aber nach Fehlern auf beiden Seiten Einstand bei 23. Weiß und Schaus zurück auf´s Feld, ein deutscher Blockabpraller fällt haarscharf ins Aus und Kozuch feste in einen polnischen Block: Satzende.
2. Satz: Das deutsche Team liefert einen Psycho-Satz ab. Nach druckvollem Auftakt geht die Mannschaft mit 6-0 in Führung – nach schöner Aufschlagserie von Weiß. Polen reagiert mit Auszeit. Das deutsche Team macht ungerührt weiter. Nur wenige Fehler auf polnischer Seite, die deutsche Mannschaft aber praktisch fehlerlos über 11-3 und 14-6 (Auszeit Polen) zur 21-14 Führung. In kurzem Abstand Doppelwechsel (Saskia Hippe für Weiss, Hanke für Kozuch). Dann ein direkter Annahmefehler sowie zwei Fehlversuche im Angriff. Guidetti reagiert bei 23-19 mit einer Auszeit. Weiß und Kozuch kommen zurück ins Spiel. Es folgen drei Angriffsfehler in Folge (einer ins Aus, zwei voll in den Block) und plötzlich Einstand bei 23. Zwei weitere Annahmefehler und der Satz ist verloren.
3. Satz: Der 3. Durchgang ist hart umkämpft bis 13-13 – die deutsche Mannschaft gibt nicht auf. Bei 16-19 Rückstand (wiederum durch drei direkte Fehler im Angriff) schönes Comeback durch Schaus aus der Mitte und zwei polnische Angriffsfehler. Ab 20 immer wieder Einstand, Hanke kurz für Weiß. Weiß kommt zurück bei 23-23 und „überlistet“ den polnischen Block zum 24-23. Polen wehrt sich. Matthes holt Satzball zum 25-24 und 26-25, Heike Beier legt zum 27-26. Dann Polen mit zwei Satzbällen bei 27-28 und 28-29. Ssuschke sorgt mit „Kurz-über-Kopf-Angriff“ für den Einstand. Matthes mit hartem Angriff zum 5. Satzball bei 30-29. Ssuschke „staubt“ schließlich einen von der polnischen Annahme nicht kontrollierten Aufschlag von Brinker ab.
4. Satz: Nach zwei knapp verlorenen Sätzen und dem Aufbäumen im 3. Durchgang ist die deutsche Mannschaft wieder im Spiel, kann mit 3-1 (zwei Angriffe Beier) in Führung gehen, muss aber bei 5 den Gleichtand hinnehmen – zwei unforced errors im Angriff. Nach 7-7 und zwei weiteren unerzwungenen Fehlern auf deutscher Seite kleines Break für Polen bei 7-9. Kozuch kann noch auf 8-9 verkürzen (nach Super-Abwehr Tzscherlich), ist dann aber mit zwei fehlerhaften Angriffen am 8-13 Rückstand beteiligt. Bei 11-15 Auszeit Polen –nach zwei schönen Aufschlägen von Matthes. Bei 11-17 kommt Anja Brandt für Schaus in Spiel, Hanke ersetzt Weiß bei 15-19. Kozuch versenkt nach langer Rallye zum 18-21 – leichte Hoffnung kommt auf. Das polnische Team spielt jedoch ungerührt weiter, profitiert in der Schlussphase noch von zwei deutschen Fehlern.
Fazit: Die deutsche Mannschaft hatte sich nach dem Sieg von gestern viel vorgenommen und war mit Optimismus ins Spiel gegen Polen gegangen. In den ersten beiden Sätzen fehlte nicht viel für einen positiven Abschluss, doch zeigte sich schon hier, dass Polen in brenzligen Situationen kühler reagierte und die sich bietenden Chancen besser nutzte. Im Angriff zeichnete sich vor allem Anna Baranska aus, die vom deutschen Block nicht kontrolliert werden konnte. Der deutsche Angriff brauchte zu viele Versuche, um zum Erfolg zu kommen. Allerdings war die polnische Feldabwehr gut organisiert. Polen spielte – diesen Eindruck hatte man häufig – unaufgeregt sein Programm herunter, während die deutsche Mannschaft doch Phasen von Nervösität und in der Folge zu viele „unforced errors“ hatte.
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