Volleyball: Die Trainer im Beach-Volleyball – eine deutsche Erfolgsstory
TweetEgal in welche Sportart man schnuppert, Trainerdiskussionen gibt es immer: Die Ausbildung ist zu schlecht, der Nachwuchs fehlt, es gibt keine Persönlichkeiten, das Ausland produziert viel mehr und viel bessere Übungsleiter. Diesen Schuh wollen und brauchen sich die Trainer im Beach-Volleyball Bereich nicht anziehen.
Das Jahr 2009 – obwohl noch nicht zu Ende - war für den deutschen Beach-Volleyball Sport das erfolgreichste in seiner Geschichte: Die WM-Goldmedaille und das saisonale Abschneiden von Julius Brink/Jonas Reckermann überstrahlt natürlich alles, aber auch die anderen Duos im Seniorenbereich überzeugten mit zahlreichen Top Ten Platzierungen und Halbfinal-Teilnahmen.
Doch ein Brink wie auch ein Reckermann haben vor einigen Jahren jung und unten angefangen, wie aktuell Christine Aulenbrock, die bei der U18-EM (mit Anna Behlen) und bei der U19-WM (mit Victoria Bieneck) jeweils die Goldmedaille gewann. Die Doppel-Siegerin war der leuchtende Stern im Nachwuchsbereich, der mit vier (von vier möglichen!) weiteren Medaillen (2x Gold, 2x Bronze) bei der U23-EM gewaltig abräumte. Zufall oder nicht? Ein Blick in die Historie der internationalen Nachwuchsmeisterschaften verdeutlicht, dass hinter dem Erfolg System steckt: Der deutsche S(tr)and-Nachwuchs ist in Europa führend und in der Welt hinter Brasilien die Nummer zwei. Für DVV-Sportdirektor Günter Hamel keine Überraschung: „Wir haben mit den Bundestrainern Jörg Ahmann (U23), Silke Lüdike (U18/U19) und Elmar Harbrecht (U20/U21) sowie Landes-/(Olympia-)Stützpunkttrainern wie Ulrike Schmidt (NRW), Helke Claasen (Hamburg), Leonard Waligora (Berlin) oder Daniel Krug (Hamburg/Schleswig-Holstein) junge, motivierte und früher selbst sehr erfolgreiche Akteure im Trainerstab. Neben der Fachkompetenz besitzen sie eine hohe Akzeptanz bei den jungen Spielerinnen und Spielern, Authenzität und – ganz wichtig – alle arbeiten im Team zusammen.“ Ahmann ist der leitenden Bundestrainer und hat eine 77-seitige Ausbildungskonzeption für den Beach-Volleyball Bereich verfasst. Der Olympia-Dritte von Sydney 2000 ist weltweit ein anerkannter Fachmann, lukrative Angebote aus Russland bzw. Großbritannien lagen ihm vor, wurden aber abgelehnt. Ahmann begründet den Erfolg „Die Strukturen in Deutschland sind gut. Die smart beach tour hat ein gutes Niveau, die Unterstützung des Verbandes wie auch anderer Organisationen wie beispielsweise der Bundeswehr ist gegeben, sodass sich die Aktiven auf ihren Sport konzentrieren können. Mit der Installierung des B-Kaders (bis 25 Jahre) haben wir einen weiteren Schritt gemacht, um die schwierige Phase vom Übergang in den Erwachsenenbereich weiter zu verbessern.“
Die deutsche Arbeit ist auch den ausländischen Nationen nicht verborgen geblieben, wie Elmar Harbrecht anmerkt: „Die Nationen haben vor den deutschen Teams Respekt, es werden Dinge werden nachgeahmt: Andere Verbände, beispielsweise die Polen, sichten zielgerichteter, die Spielerinnen und Spieler entscheiden sich früher nur für den Beach-Bereich.“ Das bedeutet, dass sich der deutsche Nachwuchs nicht auf den reichlichen Lorbeeren vergangener Tage ausruhen darf. Einen großen Schub, um diesem entgegen zu wirken, sieht Harbrecht im größten Erfolg der deutschen Beach-Volleyball Geschichte: „Der WM-Erfolg von Brink/Reckermann war absolut wichtig für den Nachwuchsbereich. Die Spielerinnen und Spieler haben gesehen, dass der Weg, den die Beiden gegangen sind, auch nach ganz oben führen kann und dass man mit diesem Weg auch die Amerikaner und Brasilianer hinter sich lassen kann.“ Die Weltmeister, Weltranglisten-1. und Weltrekordhalter an gewonnenen Spielen in Folge hatten auch die Nachwuchsschiene durchlaufen und u.a. Medaillen bei der U19-EM (Bronze für Brink mit Niklas Rademacher 2000) bzw. U23-EM (Gold für Reckermann mit David Klemperer 2000) gewonnen.
Dass die deutschen Teams auch im Seniorenbereich nicht nur mitmischen, sondern in Europa führend und in der Welt mitbestimmend sind, dürfte auch am immer mehr zunehmenden Professionalisierungsgrad liegen. Gerade im Trainerbereich haben die deutschen Top-Teams investiert, ein „Selfmade Team“ wie es früher gang und gebe war, ist nicht mehr anzutreffen.
Das Weltmeister-Duo Brink/Reckermann vertraut einem Trainer-Trio, bestehend aus Jürgen Wagner, Markus Dieckmann und Hans Voigt, die WM-Vierten und Weltranglisten-5. David Klemperer/Eric Koreng werden von Gerald Maronde betreut, der auch Stephanie Pohl/Okka Rau unter seinen Fittichen hat. Katrin Holtwick/Ilka Semmler, europäische Ranglisten-1. setzen ebenfalls auf ein Trainerteam mit Andreas Künkler an der Spitze, und Sara Goller/Laura Ludwig, aktuelle Weltranglisten-4. und gemeinsam mit den deutschen Kolleginnen Europas Nummer 1, haben als erstes deutsches Duo einen hauptamtlichen Trainer verpflichtet: Seit Ende 2008 scheucht der Neuseeländer Craig Seuseu Deutschlands bestes weibliches Beach-Duo durch den Sand, gibt die Taktik vor, macht das Techniktraining und die Spielbeobachtungen.
Der Beruf des Beach-Volleyball Trainers ist demnach - ob im Nachwuchs- oder Seniorenbereich - keine Illusion mehr. Der DVV bzw. die deutschen Spitzen-Duos haben das frühzeitig erkannt und schlagen nun daraus Kapital: Der „Medaillenregen“ 2009 war ergiebig und schön, soll aber nicht der letzte bleiben.
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