Im ersten Halbfinalspiel der Final Four Runde in Bursa mussten die DVV-Männer nach einem hochdramatischen Spiel eine 2:3 Niederlage (25-27, 21-25, 25-13, 25-17, 17-19) gegen die Slowakei hinnehmen.
Nach einer über weiten Strecken begeisternden Leistung mit einem 113-101-Ballvorteil fehlte es in der Schlussphase wohl an ein wenig Entschlossenheit, um den bei einer 10-6 Führung schon sicher geglaubten Sieg zu realisieren. Damit steht die Mannschaft von Trainer Bernd Werscheck morgen im Spiel um Platz Drei (gegen den Sieger aus Türkei-Niederlande).
Startformationen
Deutschland: Zuspiel – Lukas Kampa, Diagonal – Georg Grozer jun. – A/A – Eugen Bakumovski/Jan Umlauft, MB – Lukas Bauer/Max Günthör, Libero - Ferdinand Tille, Trainer: Bernd Wescheck
Slowakei: Zuspiel – Michal Masny, Diagonal – Martin Nemec, A/A – Martin Sopko/Peter Janusek, MB – Emanuel Kohut/Tomas Kmet, Libero – Lubos Ochodnicky, Trainer: Emanuele Zanini
Spielverlauf
1. Satz: Das deutsche Team startete mit einem erfolgreichen Umlauft-Hinterfeldangriff und einem Kampa-Ass mit 2-0, musste bei 3 nach einem Annahmefehler von Bakumovski den Ausgleich hinnehmen und lag bei der 1. Auszeit mit einem Punkt zurück. Im 2. Drittel gelang erneut mit Punkten von Günthör und Grozer (je ein einfolgreicher Angriff und ein gemeinsamer Block) bei 10 eine 2-Punkteführung. 1. Auszeit für die Slowakei. Nach zwischenzeitlicher 14-11 Führung und Annahmeproblemen von Bakumovski und Tille Auszeit von Trainer Werscheck bei 14-14, bei der 2. technischen Auszeit wieder ein Punkt hinten. Bei 14-15 kam Schwarz für Bakumovski ins Spiel. Enge Spielstände bis 22-22, nach erneuten Annahmeproblemen Bakumovski zurück auf´s Feld. In der umkämpften Schlussphase machen die Deutschen die Fehler selbst: zwei Aufschläge, ein Angriff, zwei Annahmen. Die Slowakei holt sich den ersten Satz mit 27-25.
2. Satz: Wiederum 2-0 Führung nach Günthör-Block und Umlauft-Angriff. Das erste kleine Break zum 3-5 gelingt den Slowaken nach einer Fehlentscheidung – Grozer sollte übergegriffen haben. 6-8 zurück nach dem ersten Drittel. Bei 8-10 Rückstand eine starke Rettungsaktion von Bakumovski, der einem Abpraller fast bis zur Grundlinie des gegnerischen Feldes hinterher läuft und den Ball zwischen die Antennen ordungsgemäß zurückholt. Pfiff des Schiedsrichters – nach Protesten der deutschen Mannschaft zurückgenommen. Nach extrem langer Rallye kommt die deutsche Mannschaft nach einem schönen Bakumovski/Günthör/Grozer-Block bei 10 zum Ausgleich. Über 12-12 und 14-14 zum 1-Punkt-Rückstand bei der 2. technischen Auszeit. Wieder Annahmeprobleme bei Bakumovski und Tille, Auszeit von Werscheck bei 15-18. Bei 18-20 wird es mit einem Mörderblock von Grozer jun. schattig für den bis dato stärksten Angreifer und Aufschläger Sopko – der Anschluss bei 19-20. Steuerwald kommt bei 19-22 nach einer Auszeit für Kampa, als sich Probleme mit der Präzision zeigen. Grozer verwandelt, Westphal kommt bei 20-22 für Umlauft. Deutschland etwas zaghaft, Slowakei mit Druck und Erfolg. Auch der zweite Durchgang geht an die Slowakei: 25-21.
3. Satz: In die Startformationen rückt Westphal für Umlauft. Ausgeglichen bis 3-3, dann dreimal Westphal erfolgreich im Angriff, ein Grozer-Ass rundet ab zur 8-4 Führung. Das deutsche Team nun dominant – ein Super-Rallye mit Grozer-Abschluss führt zum 11-6 und psychologischem Vorteil. Auszeit Slowakei. Nach Aufschlagfehler Slowakei und einem erneuten Bakumovski/Günthör/Grozer-Dreierblock 2. Auszeit für die Slowakei bei 13-7 für das deutsche Team. Nochmal derselbe Dreierblock, dazu ein Bakumovski-Hammer – 16-9 Führung bei der 2. techn. Auszeit. Zanini wechselt durch und scheint den Satz aufgegeben zu haben. Bakumovski fängt Sopko ab, der ihn mehrfach in der Annahme Schwierigkeiten bereitet hatte, Grozer und Westphal erhöhen zur 20-9 Führung. Kampa (direkt aus der Annahme gelegt) und zweimal Westphal sorgen für das 25-13.
4. Satz: Die deutsche Mannschaft hält den Druck aufrecht. Günthör-Block, Westphal-Angriff und zwei Grozer-Asse sorgen wie im 3. Durchgang für eine 8-4 Führung bei der 1. techn. Auszeit. Grozer legt noch ein Ass nach und Zanini reagiert mit einer Auszeit. Bei 13-7 erneute Auszeit von der Slowakei. Sieben Punkte Vorsprung bei der 2. techn. Auszeit, derselbe Abstand bei 20-13, als Sopko ausgewechselt wird – Zanini scheint erneut nicht mehr an den Satzgewinn zu glauben. Das deutsche Spiel läuft souverän, die Slowaken finden keine Mittel, um den Vorsprung aufzuholen - die Fehler häufen sich. Grozer schlägt – wie schon die Sätzen davor – beliebig über, neben oder durch den Block und schließt den Satz mit einem schönen Einerblock ab, 25-17 für das deutsche Team und damit Satzausgleich.
5. Satz: Es bleibt das Sextett vom 4. Durchgang. Slowakischer Angriffsfehler nach sehr langer Rallye, die 3-2 Führung durch ein schönes Westphal-Dunking von der Pos. 4 dem Läufer vor die Füße. Die 6-4 Führung nach einem Grozer-Aufschlaghammer, danach legt Grozer nach - drischt den Ball auf´s Pakett, zum 7-4. Westphal locht ein, Bakumovski rächt sich erneut mit einem Einerblock an Sopko. Bei 10-6 Führung für das deutsche Team Auszeit für die Slowakei. Nach Kampa-Aufschlagfehler und Tille/Bakumovski Irritation in der Annahme Auszeit von Werscheck bei 11-9. Grozer vergibt einen „Elfmeter“, Bakumovski schlägt ins Aus : 11-11. Grozer sorgt für die 14-12 Führung, vergibt anschließend den Spielball. Bei 15-14 erneuter Spielball. Die Slowakei hält mit – Bauer (der einzige Angriffsfehler von ihm!) schlägt zum 16-17 in den slowakischen Mittelblock. Bakumovski gleicht noch einmal aus. Eine gleich über´s Netz geschobene Annahme von Westphal nutzt die Slowakei zum Spielgewinn, 19-17 für die Slowakei.
Fazit
Ohne Zweifel eine der Niederlagen, die viel Nerven kosten und eine gehörige Portion Mitleid erzeugt. In einer Partie auf hohem Niveau profitierte die slowakische Mannschaft in den ersten beiden Durchgängen von nach dem Motto „Sekt oder Selters“ geschlagenen Aufschlägen von Martin Sopko, die zu oft Unheil anrichteten. Dennoch spielte das deutsche Team ungerührt weiter – auch nach dem knapp verlorenen 1. Satz und dem deutlicher abgegebenen 2. Durchgang. Moral einwandfrei, Spielerwechsel von Werscheck zur richtigen Zeit, im Block und Angriff souverän. Bis zur 10-6 Führung im Tiebreak konnte man in dem festen Glauben bleiben, dass die Moral und die spielerische Stärke reichen würden. In der Schlussphase war die junge Mannschaft nicht mehr ganz so konsequent und einige Male eher unentschlossen. Die Vorteile waren da, die notwendige Anzahl von Spielbällen auch, die allerletzte, harte Konsequenz fehlte. Verständlich, dass Trainer und Spieler direkt nach der Partie geknickt waren. Der jungen Mannschaft kann jedoch kein Vorwurf gemacht werden: Sie hat am Limit gespielt und das kleine Quäntchen ‚Abgeklärtheit’ in entscheidenden Momenten, das letztendlich fehlte, wird auch über diese Erfahrung aufgearbeitet und erreicht werden.
Stimmen
Trainer Bernd Werschek: „Ich gebe zu, dass ich enttäuscht und mitgenommen bin. Dennoch ein Kompliment an diese Mannschaft, die den Glauben an einen Sieg nach dem verlorenen ersten Satz nie aufgegeben hat. Am Ende fehlte ein wenig Mut und Entschlossenheit – so eine Führung muss man nutzen und den Sack zumachen. Hilft aber alles nichts: morgen wird weiter gespielt.“
Mannschaftsführer Eugen Bakumovski: „Das war ein schönes Spiel – wir haben dem großen Publikum wirklich was geboten. Nach dem 1. Satz haben wir uns rausgekämpft und immer an uns geglaubt. Nach der 10-6 Führung mussten wir mehr draus machen – aber am Ende fehlte wohl die Entschlossenheit. Ich hatte mir so sehr das Finale gewünscht. Ich möchte jetzt aber trotzdem auf´s Treppchen. Das müssen wir alle morgen im letzten Spiel versuchen.“
Georg Grozer jun.: „Was soll ich da sagen, mir fällt kaum was ein. Das ist zum Schluss unglücklich gelaufen, wir hatten den Sieg verdient. Wenn ich nur auf das Ballverhältnis schaue...! Ich fand toll, wie wir vom 0-2 Rückstand aufgestanden sind. Morgen müssen wir alle für den 3. Platz kämpfen.“
Max Günthör: „Wir sind eigentlich gut gestartet – auch wenn wir den 1. Satz verloren haben. Wir haben das Herz in der Hand behalten und dann im 3. Satz gezeigt, wozu wir fähig sind. Bei 10-6 sahen wir doch gut aus – dann kommen da so zwei Aufschlaggeschosse von Sopko. So knapp verlieren – das tut doppelt weh.“
Dirk Westphal: „Schwer für mich was zu sagen – nach diesem Verlauf. Eigentlich hatten wir den Gegner in der Mitte vom Tiebreak schon in Sack und Tüte. Jetzt trauern wir dem verlorenen Sieg hinterher. Man muss aber auch Respekt vor dem Gegner haben – bei dem Spielstand sind sie im Aufschlag auf Risiko gegangen und wurden letztendlich belohnt.“
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