Vor dem Carolinen Volleyball-Pokalfinale am 7. März 2010 um 15.30 Uhr im Gerry-Weber-Stadion in Halle /Westfalen haben die beiden Kontrahenten Generali Haching und evivo düren gemeinsame Sache gemacht. Auf einer Pressekonferenz haben sich Trainer und Spieler über das mit großer Spannung erwartete Finale geäußert.
Das Volleyball-Pokalfinale der Frauen (13.00 Uhr), bei dem sich der VfB Suhl und der Dresdener SC gegenüber stehen, und der Männer findet zum fünften Mal im Gerry-Weber-Stadion in Halle/Westfalen statt. Die große Mehrzweck-Arena, die beim Volleyball etwa 10500 Zuschauer fasst, wird am Sonntag vermutlich ausverkauft sein. 9100 Karten sind bisher im Vorverkauf ausgegeben worden.
Die Kontrahenten im Herren-Finale
Generali Haching
Die Entwicklung des Klubs aus der Münchner Vorstadt ist in den vergangenen Jahren steil bergauf verlaufen. 2000 machten die Hachinger, seinerzeit noch unter dem Namen TSV Unterhaching, die Liga erstmals unsicher. Trainer damals wie heute: Mihai Paduretu. Der endgültige Sprung in die nationale Spitz gelang den Bayern in der Saison 2007/08.
Die Hachinger warfen evivo aus den Playoffs und zogen ihrerseits in das Halbfinale ein. Eine Saison später ging die Reise noch weiter: Im vergangenen Jahr spielte sich die Mannschaft souverän bis in das Finale.
Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist der Pokalsieg 2009. Aus dem Aufsteiger der vergangenen Jahre ist eine etablierte Spitzenmannschaft geworden. Im Sommer 2009 bildeten fünf Hachinger das Gerippe der Nationalmannschaft.
evivo düren
Drei Mal Vize-Meister, drei Mal Zweiter im Pokal: Die Volleyballer aus Düren haben es weit gebracht. Den letzten Schritt allerdings hat das Team, dass seit 1997 ununterbrochen im Oberhaus spielt, noch nicht geschafft. Jetzt nimmt die Mannschaft, die in der zweiten Saison von ihrem langjährigen Leistungsträger Sven Anton trainiert wird, einen siebten Anlauf. Den Respekt der Konkurrenz hat sich das Team aus dem Rheinland erarbeitet und sich mit neu formierter Mannschaft wieder in der Spitze etabliert.
Mihai Paduretu, Trainer von Generali Haching, 43 Jahre
Der ehemalige Zuspieler hat die Bayern aus der Regionalliga bis in die nationale Spitze geführt. Erst als Spielertrainer und seit zehn Jahren als Chef-Coach. Größter Erfolg bisher: Der Pokalsieg 2009
Wer ist der Favorit am 7. März?
"Wir sind der Titelverteidiger. Also haben wir auch kein Problem damit, die Favoritenrolle anzunehmen. Ich muss aber sagen, dass sich in Halle zwei sehr gute Mannschaften gegenüber stehen. Beide haben talentierte und erfahrene Spieler. Wir haben Nationalspieler in unseren Reihen, aus Düren sind jetzt auch drei Spieler zur Nationalmannschaft eingeladen worden. Im Duell zwischen diesen beiden Mannschaften werden minimale Unterschiede den Ausschlag geben. Diese könnten in den Bereichen Annahme und Aufschlag liegen. In den vergangenen zehn Jahren hat es so ein Finale nicht gegeben. Es gibt keinen Favoriten, der Ausgang ist völlig offen. Wetten ist gefährlich!"
Wer war Ihr Wunsch-Gegner für das Finale?
"Für uns wäre es ein Traumfinale gewesen, wenn wir es in Halle mit Friedrichshafen zu tun bekommen hätten. Wir hätten Revanche für das Bundesliga-Finale der vergangenen Saison nehmen können. Jetzt ist es Düren geworden. Sie haben Friedrichshafen geschlagen und stehen absolut verdient im Endspiel. Ich bin überzeugt, dass wir uns in den Playoffs noch drei, vier oder fünf Mal über den Weg laufen werden."
Sven Anton, Trainer von evivo düren, 39 Jahre
Neun Spielzeiten war Sven Anton in Düren der Mann für die unmöglichen Bälle. 2008 hat Anton die Seiten gewechselt und musste viel dazulernen.
Dass der 39-Jährige seine Hausaufgaben gemacht hat, zeigt die aktuelle Saison. Anton, unterstützt von seinem ehemaligen Cheftrainer Keith Hansen und Björn-Arne Alber, hat eine Mannschaft aufgestellt und eingespielt, die modernen Volleyball mit viel Leidenschaft spielt.
Was könnte den Ausschlag geben am 7. März?
"Die Tagesform."
Wer ist der Favorit?
"Der Ball, mit dem wir spielen, ist genau so groß wie sonst auch. Das Feld auch. Die Chancen sind 50:50. Viel wird davon abhängen, wer sich im Gerry-Weber-Stadion zuerst zurecht findet. Dass wir in der Liga zwei Mal gegen Haching gewonnen haben bedeutet gar nichts. Die Spiele waren beide sehr knapp und hätten auch anders herum enden können. Es wird sicher spannend werden."
Patrick Steuerwald, 24 Jahre, Zuspieler Generali Haching
Der Spielmacher des Pokalsiegers ist nicht nur in Haching eine feste Größe und Führungspersönlichkeit. Auch in der Nationalmannschaft ist der Mann, der für sein schnelles Pass-Spiel bekannt ist, gesetzt. Steuerwald ist zwar erst 24 Jahre alt geworden, er dirigiert das Spiel seiner Mannschaft aber wie ein alter Hase.
Ist die Erfahrung des Finalsiegs 2009 ein Vorteil?
"Düren hat genug Leute in seinen Reihen, die auch schon in Halle gespielt haben. Da ist das vergangenen Jahr kein Vorteil für uns. Es wird darauf ankommen, wer mit dem Druck besser umgehen kann. Schließlich geht es um viel. Der Sieger ist in der kommenden Saison in der Champions League dabei. Wer am 7. März seine Stärken besser zur Geltung bringen kann, der wird gewinnen."
Ilja Wiederschein, 32 Jahre, Zuspieler evivo düren
Der gebürtige Berliner ist der dienstälteste Spieler in Düren. Seit 2004 zieht der 32-Jährige an der Rur die Fäden. "Ilse" wird wegen seiner linken Klebe, eines guten Blockes und seines Aufschlags gefürchtet. In der neuen Saison präsentiert sich Wiederschein besonders stark. Das Spielen in der neu formierten Mannschaft motiviert den Routinier. Der zweifache Familienvater macht derzeit wieder eindrucksvoll klar, dass er zu den besten Regisseuren im Land zählt.
Wie bereitet man sich als Spieler mental auf eine derart wichtige Partie vor?
"Das ist schwer. Die Eindrücke, die auf dich einprasseln, wenn du in diesem Stadion bist, musst du alleine verarbeiten. Selbst wenn du zuerst Probleme damit hast bist du noch nicht erledigt. Wir haben 2008 (evivo hat damals 2:3 gegen Friedrichshafen verloren) im ersten Satz tierisch was auf die Nase gekriegt. Danach haben wir uns gefangen und ein tolles Spiel abgeliefert."
Sie haben mit Berlin und Friedrichshafen größere Brocken auf dem Weg ins Finale aus dem Weg räumen müssen als Haching. Hat das was zu bedeuten?
"Als wir 2008 ins Finale eingezogen sind, hatten wir Glück mit der Auslosung. Dieses Mal war es sehr schwer und wir haben es trotzdem geschafft. Aber das heißt nicht, dass das jetzt ein Selbstläufer wird. Haching ist Titelverteidiger und hat eine sehr gute Mannschaft."
Marco Liefke, 34 Jahre, Angreifer Generali Haching
Viele Jahre lang war Marco Liefke einer der tragenden Säulen im Angriff der deutschen Nationalmannschaft. Nach vielen erfolgreichen Jahren mit zwei Meistertiteln beim SCC Berlin wechselte der 225-fache Nationalspieler ins Ausland, spielte in Polen und Italien. 2008 kehrte der gebürtige Schweriner nach Deutschland zurück und hat großen Anteil am aktuellen Erfolg.
Ist ein solches Finale auch für einen erfahrenen Profi etwas Besonderes?
"So viele Spiele mit so vielen Zuschauern erlebst du in deiner Laufbahn auch nicht. Das wird sicher ein außergewöhnliches Spiel. Wichtig wird sein, wie sehr du das alles ausblenden kannst. Schließlich findet auf dem Feld ein ganz normales Volleyballspiel statt. Natürlich ist es etwas ganz Besonderes, wenn 11000 Zuschauer in der Halle sind."
Wie heiß ist man am Ende einer so erfolgreichen Karriere noch auf einen Pokalsieg?
"Ich spiele schon lange. Aber einen Titel gewinnst du nicht oft. Ich bin, was das angeht, bestimmt noch nicht satt."
Renzo Verschuren, 28 Jahre, Mittelblocker bei evivo düren
Ein alter Bekannter in der Bundesliga, ein neues Gesicht in Düren. Renzo Verschuren hat in seinen zwei Jahren beim Moerser SC einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und zwar derart, dass er im Sommer auf der evivo-Wunschliste gestanden hat. Der Niederländer zählt zu den Neuzugängen, die nicht nur Qualität, sondern auch viel Moral mit ins Dürener Spiel bringen.
Im vergangenen Jahr haben sie mit dem Moerser SC schon einmal im Pokalfinale gestanden und waren gegen Haching Außenseiter. Am Ende hat der Favorit gewonnen. Wer ist diesmal der Favorit?
"Wenn du in einem Finale stehst, dann hast du das sicher verdient. Deswegen gibt es keinen Favoriten und keinen Außenseiter. Ich denke, dass Düren jetzt ein wenig stärker ist als Moers im vergangenen Jahr. Allerdings ist Haching auch besser geworden. Wir werden sehen, was das zu bedeuten hat."
Wie wirkt die Kulisse von fast 11000 Zuschauern auf die Spieler?
"Da guckst du dich ein paar Mal um, wenn du die Halle betrittst. Dann spielst du dich ein und stellst fest, dass das Feld 9 x 18 Meter groß ist - so wie sonst auch immer."
Denis Kaliberda, 19 Jahre, Angreifer bei Generali Haching
Schon während seiner ersten Profi-Saison hat sich der 19-Jährige in das Notizbuch von Bundestrainer Raul Lozano gespielt. Der sprunggewaltige Berliner macht da weiter, wo er in der Junioren-Nationalmannschaft aufgehört hat: Er zählt zu den Leistungsträgern seines Teams und damit zu den Senkrechtstartern in der Liga.
In Ihrer ersten Profi-Saison direkt auf die größte Bühne des deutschen Volleyballs - wie fühlt sich das an?
"Da kann ich noch gar nichts zu sagen. Ich war noch nicht in Halle. Das ist mein erstes großes Finale. Ich bin sehr gespannt. Die vielen Zuschauer, die große Halle und das ganze Spektakel - ich werde das alles auf mich zukommen lassen."
Fabian Kohl, 20 Jahre, Libero bei evivo düren
Der Neuzugang ist er 20 Jahre alt, zählt aber schon zu den Leistungsträgern bei evivo. Kohl ist der Abwehrchef auf dem Feld und aus dem Dürener Spiel nicht mehr wegzudenken. Wie Denis Kaliberda war auch Fabian Kohl einer der wichtigen Stützen der Junioren-Nationalmannschaft, die 2008 Silber bei der Junioren-Europameisterschaft gewinnen konnte.
Die erste Saison als Profi und dann direkt das Pokalfinale - kommt das unerwartet früh?
"Als ich im Sommer vom VC Olympia Berlin weggegangen bin, habe ich jedenfalls nicht unbedingt damit gerechnet, direkt ins Finale zu kommen. Es war mein Traum, das zu schaffen -- irgendwann mal. Dass es so schnell geklappt hat ist schon irre."
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