Gegen 13 Uhr fuhr der Bus mit der deutschen Delegation vor dem Team-Hotel in Lodz vor. Doch Bundestrainer Giovanni Guidetti und Team-Kapitän Christiane Fürst hatten kaum Zeit richtig anzukommen.
Nach einem kurzen Mittagessen mussten Beide zur offiziellen Pressekonferenz mit allen Trainern und Team-Captains der EM-Finalrunde. Spätestens hier wurde allen Beteiligten klar, welchen Stellenwert diese EM bereits bekommen hat.
In dem großen Presseraum gab es kaum noch einen freien Platz, teilweise standen die Journalisten aus ganz Europa an den Wänden eng nebeneinander um noch etwas von der Pressekonferenz mitbekommen zu können. Auch die Daten, die dann verkündet wurden bestätigten eindrucksvoll welche ‚Aufmerksamkeit’ diese EM in Polen und Europa bekommen hat. 180.000 Zuschauer kamen bislang zu den EM-Spielen in die Hallen und zu der Finalrunde werden nochmals ca. 52.000 Volleyball-Fans in Lodz erwartet. Aber schon jetzt ist dies ein neuer Zuschauerrekord bei einer Volleyball-Europameisterschaft. Das Spiel des polnischen Teams gestern gegen Bulgarien sahen 5 Millionen Landsleute live im Fernsehen und für die Finalrunde haben 15 Fernsehsender aus Europa eine Live-Übertragung angekündigt. In Deutschland ist das Halbfinale des DVV-Teams gegen Titelverteidiger Italien um 20 Uhr live bei ‚Eurosport’ und bei ‚Laola1.TV’ (www.laola1.tv) zu sehen. Ausschnitte der deutschen Spiele werden zudem in den Nachrichten- und Sportsendungen von ARD und ZDF gezeigt (Infos dazu hier).
Bei all den positiven Zahlen eröffnete Dr. Jan Hronek, Jury-Präsident des CEV-Kontrollkomitee, die Pressekonferenz auch mit einem großen Lob: „Ich möchte jetzt schon ein Kompliment an die Organisatoren dieser EM machen. Nicht nur wegen des Zuschauerrekords in den Hallen, sondern auch für eine grandiose Gesamtorganisation. An diese EM sind sehr hohe Erwartungen gestellt worden, aber ich kann jetzt schon sagen diese sind noch übertroffen worden.“ Anschließend wurde der Fokus mehr auf den sportlichen Bereich gelegt. „Glückwunsch an die vier Teams die jetzt hier sind, denn sie sind die besten vier Teams in Europa“, so Hronek.
In dem anschließenden ‚Frage-Antwort-Prozess’ der Pressekonferenz äußerten sich alle Trainer und Captains der Halbfinal-Teams zu der anstehenden Finalrunde:
Bundestrainer Giovanni Guidetti: “Unser Ziel war es unter die ersten Sechs zu kommen und wer unseren Jubel nach dem letzten Spiel gesehen hat, der weiß wir sehr wir uns freuen jetzt sogar eines der besten vier Teams in Europa zu sein. Wir wollen jetzt all unsere Möglichkeiten nutzen um auch eine Medaille zu holen, denn das muss natürlich das Ziel sein wenn man in einem Halbfinale steht. Ich muss zugeben, dass ich kein Freund dieses Turniersystems bin, weil ich den Losentscheid für das Halbfinale unglücklich finde und auch die Bedingungen für alle vier Teams der Finalrunde nicht gleich sind. Denn während Polen und die Niederlande seit Beginn der EM hier sind, nie haben reisen müssen und schon 6 Spiele in dieser Halle gemacht haben, mussten Italien und wir jetzt schon dreimal den Spielort wechseln. Aber auch so bin davon überzeugt, dass mein Team hier in der Finalrunde sehr gute Leistungen zeigen wird, was wir dafür ‚bekommen’ warten wir ab.“
Christiane Fürst, Team-Captain Deutschland: “Für uns ist es eine riesige Sache in der Finalrunde zu stehen. Wir wollen hier primär unsere beste Leistung zeigen und lassen uns überraschen wozu es dann reicht. Die Auslosung eines Halbfinals finde ich nicht gut, aber am Ende ist es auch egal ob wir gegen Italien, Polen oder die Niederlande spielen. Alle wären Favorit und sind sehr starke Teams. Aber ich weiß auch um die Stärken unseres Teams und an gute Tagen können wir es mit jedem Favoriten aufnehmen.“
Massimo Barbolini, Head-Coach Italien: „Erst einmal möchte ich unseren Captain Eleonora Lo Bianco entschuldigen, die wegen gesundheitlicher Probleme nicht an dieser Pressekonferenz teilnehmen kann. Wir haben bislang ein gutes Turnier gespielt und ich weiß, dass uns viele als Favorit auf die Gold-Medaille sehen. Aber jetzt steht die Finalrunde an und da zählen keine Namen von Spielerinnen oder bisherige Ergebnisse, sondern nur die Leistungen an den beiden kommenden Tagen. Und deswegen wollen und müssen wir versuchen an unsere Leistungsgrenze zu gehen.“
Avital Selinger, Head-Coach Niederlande: „Für mich ist es das erste mal, dass ich ein EM-Halbfinale erreicht habe. Wir haben bislang sehr gut gespielt, aber wie das mein Kollege Barbolini richtig gesagt hat, die Tagesform der nächsten 2 Tage wird entscheidend sein wer sich den EM-Titel sichern kann. Wir wollen uns so präsentieren wie bisher und das Leistungslevel noch erhöhen, dann haben wir gute Chancen. Auch wenn wir gegen Polen in der Vorrunde 3:0 gewonnen haben, so war das Spiel nicht leicht für uns. Aber wir werden mit viel Selbstbewusstsein in das Halbfinale gehen und haben natürlich auch wieder gute Chancen das Spiel zu gewinnen.“
Manon Flier, Team-Captain Niederlande: “Bisher war es ein tolles Turnier für uns und wir freuen uns in der Finalrunde zu sein. Ich denke, die besten vier Teams sind auch ins Halbfinale gekommen. Ich hoffe natürlich, dass wir unsere Erfolgsserie fortsetzen können und freue mich sehr auf das Spiel gegen Polen, auch wenn ich weiß, dass mehr als 13.000 Zuschauer in der Halle gegen uns sein werden.“
Piotr Makowski, Head-Coach Polen: „Das wir so weit gekommen sind, ist Jerzey Matlak zu verdanken, der das Team zusammen gestellt und auf diese EM vorbereitet hat. Weil seine Frau sehr krank geworden ist, ist er nun bei ihr im Krankenhaus und wird das Team dieses EM nicht mehr betreuen können. Aber alles, was wir bei dieser EM erreichen werden, verdanken wir ihm. Wir stehen jetzt im Halbfinale und wollen natürlich auch eine Medaille gewinnen. Die Partie gegen die Niederlande wird sehr schwierig werden, aber wir wollen uns, im Vergleich zu der Vorrundenniederlage, besonders im Angriff und im Aufschlag deutlich steigern und mit Hilfe der knapp 14.000 Fans können wir es auch schaffen ins Finale zu kommen.“
Anna Baranska, Team-Captain Polen: „Ich möchte den vielen Fans danken, die uns bisher so toll unterstützt haben. Jetzt im Halbfinale werden wir die Fans auch wieder brauchen, die uns zu jedem Punktgewinn puschen werden. Gegen die Niederlande wird es eine sehr schwere Partie, aber wir haben auch Siegeschancen. Sollten wir erst mal den Sprung ins Finale geschafft haben, ist ohnehin alles möglich!“
Um 17 Uhr findet in der ‚Neuen Wettkampfhalle’ in Lodz das erste EM-Halbfinale zwischen Gastgeber Polen und den Niederlanden statt. Um 20 Uhr folgt dann das zweite Halbfinale zwischen dem DVV-Team und Titelverteidiger Italien.
Auf der Seite www.volley.de findest Du Tabellen und Ergebnisse aller Ligen.
» Tabellen und Ergebnisse anzeigen